Schülerin des Luitpold-Gymnasiums schaffte es unter die besten 24 in Bayern - Ein Interview
Amelie Gaißinger (Bildmitte, zusammen mit zwei Juroren) aus der 11. Jahrgangsstufe des Luitpold-Gymnasiums in Wasserburg ist unter den 24 besten Debattantinnen und Debattanten ihrer Altersgruppe in ganz Bayern. In drei Ebenen (Klasse, Schule, Region Oberbayern Ost) hat sie sich qualifiziert und war nun Teilnehmerin am Landeswettbewerb „Jugend debattiert“ in München. Diesen gibt es seit etwa 25 Jahren und es machen inzwischen etwa 150 bayerische Schulen mit. Ein Interview.
Amelie, wie bist du zum Debattieren gekommen?
„In unserer Klasse haben wir uns auf eine mündliche Schulaufgabe in Deutsch vorbereitet, bei der wir in Vierergruppen ein aktuelles, kontroverses Thema debattieren mussten. Anschließend mussten Schülerinnen und Schüler ausgewählt werden, die unsere Klasse im Schulwettbewerb von „Jugend debattiert“ vertreten, doch unsere Klasse war generell eher zögerlich und so kam die Frage, ob ich nicht teilnehmen wolle. Ich hätte mich in der Klasse gut geschlagen. Zuerst habe ich mich da zwar gar nicht gesehen, in der Aula vor großem Publikum. Dann habe ich mich aber doch überreden lassen und bin von der Jury als Schulsiegerin ermittelt worden.“
Du hast inzwischen schon zu vielen Themen debattiert. Gibt es ein Lieblingsthema? Welches fiel dir am schwersten?
„Diese Frage finde ich sehr schwer zu beantworten, denn während manche Fragen mehr gesellschaftliche Relevanz haben als andere, gibt es auch Themen, die einfach schön und eher einfacher sind. Ein Thema, das ich sehr interessant fand, war die Frage, ob der gesetzliche Mindestlohn auch für Strafgefangene in deutschen Gefängnissen gelten solle. Diese erhalten momentan nur rund drei Euro pro Stunde. Doch auch die Diskussion um eine Kindergartenpflicht ab drei Jahren war ein dankbares Thema.“
Es wird ja immer gelost, ob man auf der Pro- oder der Contra-Seite debattieren muss. Ist es schwer, eine Position zu vertreten, für die man vielleicht selbst gar nicht wäre?
„Die Themen sind eigentlich immer so gestellt, dass es für beide Seiten gute Argumente gibt. Wenn man sich intensiv vorbereitet, ist es gar nicht so wichtig, ob man für oder gegen etwas spricht. Man muss ja nicht seine persönliche Meinung verteidigen, sondern professionell verschiedene Aspekte einer Streitfrage vorstellen.“
Fühlst du dich von den Jurys in den Wettbewerben fair beurteilt?
„Für die Juroren ist es sicher nicht leicht, unter lauter guten Debattierenden die besten zu bestimmen. Deshalb gibt es ja auch verbindliche Kriterien. Manche Juroren achten vielleicht etwas mehr auf Sachkenntnis und lassen sich von Studien und Gesetzestexten beeindrucken. Anderen ist es dagegen wichtiger, dass die Redner aufeinander eingehen oder sich gut ausdrücken. Die Debattierenden haben ja auch ganz unterschiedliche Temperamente. Insgesamt habe ich mich aber nie unfair behandelt gefühlt.“
Hat dir die Teilnahme am Wettbewerb persönlich etwas gebracht?
„Die Vorbereitung von mehreren, immer neuen Themen für jede Qualifikationsstufe war schon mühsam und zeitaufwendig. Bei manchen Themen fand ich es sehr überraschend, wie vielfältig man beide Seiten begründen kann. Da merkt man erst, wie schwierig es für Politiker sein muss, Entscheidungen in so kontroversen Fragen zu fällen. Wenn man sich der Herausforderung stellt, vor Publikum zu debattieren, gewinnt man mehr Selbstsicherheit im Auftreten. In einem dreitägigen Seminar vor dem Landeswettbewerb habe ich sympathische Gleichaltrige aus anderen Schulen kennengelernt und mich gefreut, sie in München wiederzusehen. Auch die Einladung in den Bayerischen Landtag zum Finale war ein eindrucksvolles Erlebnis für mich.“
Was ist dein Tipp für den Debattanten-Nachwuchs?
„Mutig zu sein und es einfach zu versuchen, meistens stellt man sich solch neue Situationen ganz anders vor, als sie schließlich wirklich sind. Aber auch abseits von Debattenschulaufgaben oder Wettbewerben finde ich es wichtig, im Diskurs zu bleiben, zu diskutieren, sich andere Meinungen anzuhören und zu akzeptieren.“
Das Interview führte Gerhard Widmann, Mitarbeiter der Schulleitung, vom Luitpold-Gymnasium.
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