Beeindruckendes Solokonzert gestern Abend im Rathaussaal
Sebastian Klinger ist 49 Jahre alt, er wurde in München geboren und wuchs in Spanien auf. Bereits im Alter von sechs Jahren erhielt er seinen ersten Cellounterricht. Schon sehr bald war er Gewinner und Preisträger zahlreicher Wettbewerbe. Gestern Abend begeisterte er im Wasserburger Rathaussaal das Publikum.
2001 gewann er den Deutschen Musikwettbewerb in Berlin und war anschließend unter den Chefdirigenten Mariss Jansons und Sir Simon Rattle insgesamt 13 Jahre 1. Solocellist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, wo er mit nahezu allen großen Dirigenten unserer Zeit zusammenarbeitete. 2015 dann folgte er einem Ruf auf die Celloprofessur an die Hochschule für Musik und Theater Hamburg, wo er seitdem eine sehr erfolgreiche Celloklasse leitet. Viele seiner ehemaligen Studentinnen und Studenten bekleiden mittlerweile auch Solostellen in großen deutschen Orchestern.
Und am Samstag trat Sebastian Klinger im Historischen Rathaussaal in Wasserburg auf. Der Cellist spielte drei der sechs Cello-Suiten, die Johann Sebastian Bach zwischen 1717 und 1723 in seiner Zeit als Kapellmeister in Köthen geschrieben hat und die in der Musikwelt lange Zeit als für einen Cellisten als kaum spielbar angesehen wurden. Heute allerdings gehören diese sechs Suiten zu den meistgespielten Kompositionen für ein solistisches Streichinstrument.
Die Cello-Suiten stellen an den Solisten sehr hohe Anforderungen und man darf mit Fug und Recht behaupten, dass es Sebastian Klinger an diesem Abend bravourös gelungen ist, diese Anforderungen herausragend zu erfüllen.
Mit besonders beeindruckender Virtuosität haben Sebastian Klinger und sein Violoncello die Zuschauer fasziniert. In ihrer Einführung nannte die Kulturreferentin des Landkreises Rosenheim, Anke Hellmann, Klinger einen Meister seines Faches. Das ist er wohl ohne Zweifel. Klinger entbot drei der sechs Suiten, die Bach geschrieben hatte, und zwar die Suite Nr. 3 in C-Dur (BWV 1009), die Suite Nr. 4 in Es-Dur (BWV 1010) und die Suite Nr. 6 in D-Dur (BWV 1012). Diese Werke bestehen aus sechs oder sieben Sätzen, wobei zwei Sätze jeweils den höfischen Tänzen gewidmet sind. Und mit diesen Teilen, der Bourrée, dem Menuett oder der Gavotte, verstand Sebastian Klinger es, den Zuhörer akustisch in die höfische Welt des frühen 18. Jahrhunderts zu entführen.
Vor der Pause spielte Sebastian Klinger die Suiten auf einem Cello des italienischen Instrumentenbauers Camillus Camilli aus dem Jahre 1736, und er spielte ohne jedwedes Notenblatt, was eine zusätzliche Herausforderung an den Künstler darstellen dürfte. Das Publikum erwies sich als sprachlos und fasziniert von der künstlerischen Virtuosität Sebastian Klingers an diesem Abend.
Nach der Pause tauschte er sein Cello gegen ein fünfsaitiges Violoncello aus. Dieses Instrument birgt für den Cellisten zusätzliche Herausforderungen: Das Hinzufügen der zusätzlichen Saite oben verändert nämlich die Balance des Instruments, und man erhält eine deutlich reduzierte Resonanz im Bassregister. Die zusätzliche Saite fügt zwar viel Gewicht und Spannung hinzu, verlangt andererseits erheblich mehr Feingefühl und Virtuosität vom Cellisten. Denn durch die fünfte Saite verringert sich der Winkel zwischen den Saiten. Das bedeutet, dass der Bogen präziser geführt werden muss, damit der Cellist nicht versehentlich benachbarte Saiten berührt. Doch auch diese Herausforderung hat Sebastian Klinger an diesem Abend besonders gekonnt gemeistert.
Die Suite Nr. 6 spielte Sebastian Klinger mit höchster Hingabe. Doch man darf auch feststellen: Für manchen war die Darbietung an diesem Abend etwas Ungewohntes: Wenn man daran gewöhnt ist, dass das Cello das Klangerlebnis eines Orchesters gekonnt untermalt, dann kann es schon passieren, dass ein Violoncello als Soloinstrument auffällt. So war es wohl auch hier.
Und dennoch: Das Wasserburger Publikum höchst begeistert und angetan von dieser Darbietung. Mit Sebastian Klinger dürfte es den Veranstaltern der Rathauskonzerte wieder einmal gelungen sein, höchste musikalische Qualität nach Wasserburg zu holen.
Das nächste Rathauskonzert findet am Freitag, 17. April um 20 Uhr statt. Das „Arcis Saxophon Quartett“ wird heiße Rhythmen und frische Sounds auf die Bühne bringen. Karten gibt’s in der Tourist-Info im Rathaus Wasserburg, im Ticketshop unter www.wasserburg.de und bei der Vorkaufsstellen von Reservix.
PR
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