Gestern bei Niederlage in Geretsried: Hubschrauber fliegt 22-jährigen Stürmer in Klinik
An Tagen wie diesem ist es schwer, einen Bericht über ein Sportereignis zu verfassen. Die Löwen verloren ihr zweites Spiel in der Abstiegsrunde der Eishockey-Bayernliga in Geretsried, doch dies war nicht das wichtigste Thema aus Sicht des EHC Waldkraiburg.
Alles Sportliche rückte gestern rund sechs Minuten vor dem Spielende, beim Stand von 4:1 für die Gastgeber, in den Hintergrund. Dort nämlich wurde der EHC-Spieler Leander Ruß (Foto) ohne große Not in die Bande des Geretsrieder Eisstadions gestoßen.
Bange Minuten und ein völlig stilles Eisstadion waren die Folge, als zunächst die Sanitäter und im Anschluss die Trage benötigt wurden, um Ruß vom Eis zu bringen. Dass am Ende auch noch der Hubschrauber kam und Ruß ausgeflogen werden musste, lässt die Hoffnung nicht steigen. Es kann nur gehofft werden, dass Ruß nicht schwerer verletzt ist.
Trotzdem hier der Spielbericht zur zweiten Niederlage in der Abstiegsrunde:
Spielerisch mussten die Löwen bereits nach 50 Sekunden im Spiel einen Rückschlag hinnehmen. Jener Spieler, der später auch für den kollektiven Löwen-Schock verantwortlich sein sollte, Ondrej Horváth, erzielte das 1:0. Dabei sah es so aus, als habe Tobias Sickinger im Tor der Löwen seine Beine nicht schnell genug schließen können, sodass der Puck langsam über die Linie trudelte.
Die Löwen waren mit noch weniger Spielern angereist, als ihnen bereits am Freitag zur Verfügung gestanden hatten. Mit Daniel Hora und Jakub Šrámek fehlten zwei weitere Leistungsträger im Team. Aus der „Oans Bee“ kam keine Unterstützung mit nach Geretsried, aus Landshut lediglich Anton Brunner. So reisten die Löwen mit sechs Stürmern und sieben Verteidigern in die Schwesterstadt und sahen sich einer nahezu voll besetzten Geretsrieder „Kapelle“ gegenüber. Entsprechend gestaltete sich auch der erste Durchgang.
Selbst nach dem frühen Führungstreffer der Gastgeber gelang es den Löwen nicht, Akzente zu setzen. Vielmehr ließ man sich von den „River Rats“ vorführen und bekam kaum Gelegenheit, selbst etwas zu zeigen. In der 12. Minute geschah dann das, was sich bereits seit einiger Zeit angedeutet hatte: Geretsried erhöhte mit dem nächsten Treffer, diesmal durch Moritz Schug im Powerplay, auf 2:0. Ausgangspunkt war ein Schuss von der blauen Linie, hart, flach und platziert, unangenehm für Tobias Sickinger der den Schuss erst sehr spät sah. Insgesamt war es jedoch ihm zu verdanken, dass der Rückstand zu diesem Zeitpunkt nicht bereits höher ausfiel.
Früh im zweiten Durchgang begrüßten die Gastgeber die Löwen mit dem dritten Tor des Abends. Anton Egle hieß der Torschütze nach nur 38 Sekunden. In der Folge wurden die Löwen jedoch stärker. Zwar war weiterhin deutlich zu sehen, dass die Reihen aufgrund der vielen Ausfälle nicht eingespielt waren, doch kompensierte man dies zunehmend mit Kampf und Einsatz.
Dennoch stellte sich berechtigterweise die Frage, wer an diesem Abend bei den Löwen ein Tor erzielen sollte. Schnell wurde deutlich, was dem Team an Spielern wie Vogl, Šrámek, Džeriņš oder Hora fehlte. Trotzdem gehörte der nächste Treffer den Gästen aus Waldkraiburg. In der 28. Minute packte Patrick Zimmermann einen Kunstschuss aus. In eigener Überzahl kam er von rechts auf das Tor zu. Korbinian Sertl im Tor der Geretsrieder schloss die Ecke zwar mit seinem Körper, doch Zimmermann traf genau in jene puckgroße Öffnung im Kreuzeck, die bleibt, wenn ein Torhüter versucht, die Seite zu schließen.
Obwohl die Löwen nun mehr vom Spiel hatten als noch im ersten Durchgang, blieb dieses 3:1 zunächst der einzige Hoffnungsschimmer bis zur Pause.
Im dritten Durchgang spielten die Löwen weiterhin kämpferisch. Nachdem man Geretsried über mehrere Minuten im eigenen Drittel festgenagelt hatte, vergoldeten die Gastgeber ihren ersten Angriff in diesem Abschnitt. Erneut hieß der Torschütze Ondrej Horváth, der nach Zuspiel von Fissekis zum 4:1 einnetzen konnte.
Die Löwen kämpften in der Folge über das gesamte Drittel hinweg weiter um den Anschluss. Doch über Versuche kamen sie unglücklicherweise nicht hinaus. Zwar erhöhte sich die Qualität der Chancen, doch fehlte dem Team an diesem Abend ein Vollstrecker.
Sechs Minuten vor dem Ende war es schließlich Ondrej Horváth, der in dieser Saison bereits mehrfach durch große Strafen aufgefallen war, der Leander Ruß aus dem Hinterhalt und ohne große Not aus rund eineinhalb Metern in die Bande stieß.
Ohne, dass Ruß den Kontakt kommen sah und ohne die Möglichkeit, Körperspannung aufzubauen, krachte er in die Spielfeldbegrenzung.
Nachdem Ruß per Trage vom Eis gebracht worden war und Horváth eine Fünf-Minuten-Strafe plus eine Matchstrafe erhielt, wurde das Spiel fortgesetzt.
In der verbleibenden Zeit verkürzten die Löwen durch Maierhofer noch auf 2:4, doch Ergebnis und Tor waren in diesem Moment nur noch Nebensache.
AHA
Foto: Yasmin neumann
ESC Geretsried – EHC Waldkraiburg 4:2 (2:0, 1:1, 1:1).
Tor: Tobias Sickinger (#32), Christoph Lode (#40);
Verteidigung: #5 Mertz, #10 Lode F., #20 Rott, #23 Ludwig, #50 Kokeš, #53 Brunner, #81 Cejka;
Angriff: #11 Dillmann, #18 Ovaska, #63 Ruß, #74 Maierhofer, #92 Revaj, #98 Zimmermann;
Tore: 1:0 (1.) Horváth (Englbrecht, Fissekis); 2:0 (12.) Schug (Egle, Soukup – PP1); 3:0 (21.) Egle (Strobl, Schug); 3:1 (28.) Zimmermann (Mertz, Lode F. – PP1); 4:1 (44.) Horváth (Fissekis); 4:2 (59.) Maierhofer (Rott, Ovaska – PP1);
Zuschauer: 473,
Strafen: Waldkraiburg 10 – Geretsried 35.
Schaufenster


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