Zwangsarbeit im Kreis Wassserburg

Heidelberger Historiker stellten beim Heimatverein Forschungsarbeit vor

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Es ist ein weiterer Baustein der Erinnerungsarbeit der Stadt Wasserburg – die Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeiter in der Stadt und im damaligen Landkreis Wasserburg. Die Stadt Wasserburg hat deshalb einen Preis für eine Forschungsarbeit ausgelobt. Die beiden Heidelberger Historiker Philipp T. Haase und Joey Rauschenberger stellten dazu im Rahmen einer Veranstaltung des Heimatvereins eine Forschungsarbeit vor.

Insbesondere während des Zweiten Weltkrieges herrschte in Deutschland großer Arbeitskräftemangel, da viele Männer zur Wehrmacht eingezogen worden waren. Der sollte kompensiert werden durch die Verschleppung von Zwangsarbeitern. Allein 6.000 bis 9.000 Zwangsarbeiter gab es in der Stadt und im seinerzeitigen Kreis Wasserburg während des Krieges. Zwei Drittel dieser Zwangsarbeiter stammten aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion.

Die Behandlung gerade der osteuropäischen Zwangsarbeiter war deutlich menschenverachtender als bei Franzosen oder Skandinaviern. Die rassistische Ideologie bewirkte, dass Osteuropäer deutlich schlechter behandelt wurden als Westeuropäer. Viele Zwangsarbeiter waren minderjährig, also zwischen elf und 17 Jahren alt. Da sie auch vom deutschen Gesundheitswesen weitgehend ausgeschlossen waren, sei die medizinische Versorgung erkrankter Zwangsarbeiter sehr mangelhaft gewesen, so die Historiker.

Es sei den deutschen Frauen bei Strafe verboten gewesen, sich mit Zwangsarbeitern einzulassen. Verstöße wurden in der Zeitung publik gemacht. „Wieder ein Franzosenliebchen“ titelte der Wasserburger Anzeiger wiederholt mit voller Namensnennung der Beteiligten. Für eine solche Affäre habe es von den Gerichten auch Zuchthausstrafen gegeben.

Allerdings, so die beiden Heidelberger Historiker, hätten manche Familien den Kontakt zu ehemaligen Zwangsarbeitern bis heute gewahrt, eine „versöhnliche Perspektive“, wie beide Wissenschaftler äußerten.

In der anschließenden Fragerunde kamen noch verschiedene Details zur Sprache. Mancher Zuhörer wusste Erlebnisse von Eltern oder Großeltern beizutragen.

 

Das höchst kenntnisreiche Buch von Philipp Haase und Joey Rauschenberger ist bei der Stadt Wasserburg, im Stadtarchiv oder im örtlichen Buchhandel zu erwerben.

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