Wie Biomüll Italiens Blumen düngt

Was die Wasserburger als Bioabfall entsorgen, verwandelt das Rosenheimer Erdenwerk in hochwertigen Kompost

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„Wir sind ein gallisches Dorf!“ Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl ist sichtlich stolz, wenn er über das Erfolgsmodell „Biotonne“ spricht. Denn als bislang einzige Kommune im Landkreis Rosenheim unterhält seine Stadt dieses Prinzip. Das zahlt sich doppelt aus: Als Kosteneinsparung und als Verwertung zu Energie und Dünger. Bei einer Besichtigung der Bioabfallvergärungs- und Kompostierungsanlage in Aham „Rosenheimer Erdenwerk“ konnten sich einige Lokalpolitiker von diesem Prozess überzeugen. 

Es riecht süßlich und etwas beißend, was die Entsorgungs-Lkws an diesem Nachmittag ins Rosenheimer Erdenwerk kippen: Riesige Haufen Bioabfälle allein aus dem Stadtteil Burgerfeld, die die Einwohner dort in ihre Biotonnen gegeben haben. Das ist allerdings nur ein kleiner Anteil: Vergangenes Jahr kamen 971 Tonnen Biomüll zusammen, die in Aham aufbereitet wurden. Das sind pro Einwohner rund 75 Kilo – weit über dem bayernweiten Durchschnitt von 57 Kilo pro Einwohner und Jahr.

„Seit Einführung der Biotonne zu Beginn des Jahres 2018 konnten wir damit den Restmüll deutlich reduzieren“, erklärt Bernhard Schachner, Abfallberater der Stadt. Waren es 2017 noch rund 1.600 Tonnen, sind es aktuell etwa 1.100 Tonnen. „Dadurch konnten wir von zweiwöchiger Restmüllleerung auf vierwöchige umsteigen“, so Schachner, „das entspricht einer Einsparung von rund 100.000 Euro.“

Wurde der organische Abfall früher schlicht kompostiert, wandelt das Rosenheimer Erdenwerk den Müll in Energie zum Eigenbetrieb und in vollwertigen Dünger zur Vermarktung für ganz Europa um. „16.000 Tonnen jährlich werden bei uns angeliefert“, sagt Geschäftsführer Michael Maier, „der Wasserburger Anteil beträgt ungefähr sieben Prozent aus dem wir 450 Kubikmeter Kompost gewinnen.“ Ein Problem seien bisweilen die Fremdstoffe wie Plastik, Fremdstoffe oder gar Glas, die ausgesiebt und letzte Reste sogar per Hand abgesammelt werden müssen. Ist der Biomüll zu sehr verunreinigt, wird die Tonne nicht abgeholt und mit einem entsprechenden Vermerk versehen.

Aus einem Teil des Abfalls wird Biogas, das durch Verbrennung im eigenen Blockheizkraftwerk Strom und Energie erzeugt. „Damit betreiben wir unseren Betrieb und heizen die Büros sowie Produktions- und Werkstätten“, so Maier. Außerdem werde damit der der andere Anteil, der Kompost getrocknet. In weiteren Arbeitsschritten entsteht dann der Dünger für Blumen oder Gemüse. Die organische Masse wird wieder und wieder gewendet, um Sauerstoff zuzusetzen, damit die Kompostierung arbeiten kann. Der dadurch entstandene Fertigkompost wird mit Zusatzstoffen wie beispielsweise Holzfasern, Kokos, Rindenhumus und Mineralstoffen versetzt und zu Blumenerde vermischt. Anschließend wird die Erde verpackt und europaweit vermarktet.

Und so kann es sein, dass ein italienischer Gärtner seine Blumenpracht mit ehemals Wasserburger Biomüll düngt …

CF

Bei der Besichtigung (von links): Stadträtin Heike Maas, Kreisrätin Martina Visser, Bürgermeister Michael Kölbl, Zweiter Bürgermeister Werner Gartner, Geschäftsführer Rosenheimer Erdenwerk, Michael Maier.



Das Blockheizkraftwerk.


Maschine zum Wenden und Belüften des Komposts.

 


Den fertigen Dünger zeigt Michael Maier.

 


Beim Verpacken.

 


Die Biogasanlage.

 



Die Maschine zum Heraussieben von Fremdstoffen.

 


Biomüll im Urzustand mit Fremdstoffen. Fotos: CF

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