Wasserburger beim Trüffelsuchen

Herbstlehrfahrt: Agriturismo-Betriebe im Piemont begeisterten die Ehemaligen

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Wieder ausgebucht war die traditionelle Herbstlehrfahrt des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung Wasserburg. Unter Leitung des ehemaligen Geschäftsführers Rolf Oehler, besuchten die Wasserburger, seit heuer im neuen Verband Rosenheimer Land, Aibling-Rosenheim-Wasserburg zusammengeschlossen, sehr unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebe im Piemont. Eine Stadtführung in Turin und am Schluss auch noch ein Besuch bei einem Milchviehbetrieb am Stadtrand von Mailand rundeten das Programm ab.

Ganz auf die Herstellung von edlen Olivenölen hat sich Nicoletta Manestrini am Südufer des Gardasees spezialisiert. Von 2000 Olivenbäumen erntet sie 20 bis 60 kg Oliven pro Baum, aus denen 2,5 bis 7,5 l Öl gewonnen werden. Beste Ölqualitäten erreicht Manestrini, weil sie ihre Oliven immer frisch innerhalb von zwei Tagen nach der Ernte verarbeitet. Die Oliven werden erst gewaschen, dann geschnitten und schließlich bei einer Temperatur von maximal 27 Grad gepresst. Nur dann darf das Öl als „kalt gepresst“ verkauft werden. Auch gab sie Tipps für den Öleinkauf mit: Man solle auf des Zusatz „extra virgine“ achten und auf das EU-Siegel „regional geschützte Qualität“, dann bekäme man bestes Olivenöl.

Eine für die Wasserburger im Anbau unbekannte Kultur wurde auf dem Reisbetrieb Cascina Daneto in Occimiano besichtigt. Betriebsleiter Matteo Daneto erläuterte den Anbau der Getreideart, die in per Laser niviliertem ebenen Saatbett im Februar ausgesät wird. Anschließend wird der Reis mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem mit Wasser aus dem Lago Maggiore bis kurz vor der Ernte Anfang Oktober immer wieder unter Wasser gesetzt. Reis wird feucht gedroschen, dann getrocknet, gereinigt und dann entspelzt. Daneto produziert vor allem den in Italien beliebten Risottoreis, den er größtenteils im eigen Hofladen und den Rest an Großkunden komplett direkt vermarktet. Und das von immerhin 170 Hektar Reisanbau.

Ganz auf den Haselnussanbau will sich Gaetano Berruto in Montelupo Albese in der Langhe, eine Landschaft, die an die Südsteiermark erinnert, spezialisieren und langfristig seine fünf Hektar Weinberge aufgeben. Die Sorte Tonda gentile ist besonders schmackhaft und geht in die nahe Fabrik von Ferrero, wo die bekannten „Küsschen“ hergestellt werden. Die Ernte erfolgt mit einem selbstfahrenden Haselnussvollernter, der ähnlich wie ein Staubsauger die Haselnüsse vom Boden aufgesammelt. Gut dass der Betrieb noch ein drittes Standbein mit dem Agriturismo hat, von dessen guter Qualität sich die Wasserburger beim Mittagessen überzeugen konnten.

Einen ganz besonderen Beruf hat Gianni Monchiero in Roddi. Er betreibt eine „Trüffelhunduniversität“ in der er Hunde auf die Kunst des Trüffelsuchens trainiert. Bei der Demonstration in seiner Haselnussanlage fand Hündin Lila schnell Trüffel wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche. Pro Kilo erzielen Trüffel auf dem Markt im nahen Alba bis über 1500 Euro.

Der Obstbaubetrieb Cascina Goretta in Cereseto Moneto ist gerade im Umbruch: Der Pächterfamilie Michele und Patricia Castelli wurde der 30-jährige Pachtvertrag gekündigt, die gesamte Obstanlage wurde gerade beseitigt und der neue Eigentümer pflanzt ausschließlich Haselnussbäume. Die EU unterstützt diese „Neugründung“ eines Haselnussbetriebs mit bis zu 200.000 Euro. Castelli wird sich auf seinen eigenen kleinen Obstbaubetrieb zurückziehen, hofft aber, dass er die von ihm neu eingerichteten Verarbeitungsräume noch weiterhin nutzen kann. Hier veredelt er sein Obst mit Ehefrau und Tochter zu feinen Marmeladen, Fruchtsäften und eingekochtem Obst und vermarktet das über Direktverkauf.

Verköstigt wurden die Ehemaligen am vierten Tag nochmals auf einem Agriturismobetrieb: Roberta Sisto in Vignale Monferrato bewirtschaftet einen Bullenmastbetrieb mit Piemonteser Rinder und der französischen Rasse Garonne. Sie vermarktet die bis zu 800 Kilo schweren Bullen mit drei bis 3,50 Euro pro Kilo Lebendgewicht. Einen Teil verarbeitet sie in der Küche des eigenen Restaurantbetriebs. Von der hervorragenden Küche waren die Wasserburger begeistert. Dabei hat sich Roberta alle Kenntnisse selber angeeignet -sie hat außer der Hauptschule keine weitere Ausbildung absolviert.

Am Stadtrand von Mailand wurde schließlich noch der obligatorische Milchviehbetrieb besucht. Carlo Monti bewirtschaftet 74 Hektar, der Bruder hat sich auf den Agriturismobereich spezialisiert. Insgesamt beschäftigt der Betrieb 15 feste Arbeitskräfte und Aushilfskräfte bei besonderen Veranstaltungen. Die Arbeit im Milchviehstall mit knapp 160 Milchkühen und Nachzucht erledigen zwei Inder. Mit Bullen- und Schweinemast kommt der Betrieb auf insgesamt 400 Tiere. Und auf die Frage des Geschäftsführers, wie er denn mit dem geschätzten Viehbesatz von über 4 GV pro Hektar mit den strengen EU-Vorgaben zurecht käme, antwortete der Betriebsleiter, in Italien werde alles genau aufgeschrieben, das würde dann schon passen.

Auf der Heimfahrt wurde dann noch die mitgefahrene große Ebersberger Fraktion auf die Eignung für zukünftige VLF-Fahrten getestet: unter anderem mussten sie den Namen des neuen größten VLF-Verbands in Oberbayern kennen: Verband für landwirtschaftliche Fachbildung Rosenheimer Land, Aibling-Rosenheim-Wasserburg  Test bestanden. Wie´s mit den Fahrten im neuen Verband weiter geht blieb offen, der frühere langjährige Geschäftsführer Rolf Oehler ist zwischenzeitlich mit der Behördenleitung in Holzkirchen ausgelastet. RO

 

 

 

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