Viele Belastungs-Grenzen erreicht!

Klimawandel, Mikroplastik: Alarmierende Worte auf der Chiemsee-Konferenz

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Klimawandel, Mikroplastik und Energiewende – das waren die Themen der hochkarätigen Referenten auf der sogenannten Chiemsee-Konferenz in Greimharting. Alle zwei Jahre wird diese veranstaltet, auf der Ideen und Konzepte für die Chiemsee-Region aus den Bereichen Abwasser und Umweltschutz und deren Umsetzung vorgestellt werden.

Der Abwasser- und Umweltverband Chiemsee ist ein Zusammenschluss der zehn Chiemsee-Gemeinden und setzt sich als Träger der Chiemseeagenda für Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Chiemsee-Region ein. Eine besonders wichtige Rolle spielt das Thema Gewässerschutz.

Die Meeresbiologin Julia Hager zeigte in ihrem Vortrag auf, wie sich der Plastikflut auf den Lebensraum Ozean und auf die Menschen auswirkt. Mit wissenschaftlichen Fakten und viel Bildmaterial führte sie die bedrohliche, globale Verschmutzung und dabei die Rolle der heimischen Seen und Fließgewässern vor Augen.

„Jedes Jahr gelangen mindestens acht bis zehn Millionen Tonnen Makro- und Mikroplastik auch aus unseren Haushalten in die Ozeane. Kläranlagen filtern Mikroplastik wie Mikrofasern aus Kunstfaserkleidung und Mikroperlen aus Kosmetik bisher nicht heraus und Partikel konnten daher auch in heimischen Gewässern nachgewiesen werden“, so die Meeresbiologin.

„Über Flüsse gelangt der achtlos weggeworfen Plastikmüll bis in die Meere.“ erklärte sie weiter.  „Die Strömungen in den Ozeanen transportieren die Plastikteile in jeden Winkel unseres Planeten, so dass sie an Stränden, in der Tiefsee, im Meereis und in der gesamten Nahrungskette wieder zu finden sind.“

Hager: „Wale, Haie, Robben, Schildkröten und Seevögel sind besonders betroffen und sterben qualvoll zu Hunderttausenden jedes Jahr, weil sie sich in Plastikteilen verfangen oder solche verschlucken. Jeder muss Verantwortung für unseren Planeten übernehmen, das eigene Konsumverhalten kritisch überdenken und der um sich greifenden „Blindheit” für Müll in der Natur aktiv entgegenwirken.“

Prof. Dr. Ing F. Wolfgang Günthert berichtete in seinem Vortrag über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Entwässerungssystem und die Herausforderungen durch Starkregen, Geruchsprobleme und Mikroplastik. „Hohe Temperaturen und lange Trockenperioden im Sommer führen zu Geruchsproblemen in den Abwasserkanälen. Es werden bei einem geringeren Abfluss mit höheren Temperaturen biologische Prozesse im Kanal beschleunigt, die zu Sauerstoffzehrung mit anschließender Schwefelwasserstoffbildung führen. Die Folge sind Geruchsprobleme und Korrosion in den Abwasseranlagen“, erklärte Professor Wolfgang Günthert.

„Starkregen mit hohen Niederschlagsintensitäten sind auch eine Folge der steigenden Temperaturen mit hohen Verdunstungsraten“, so Günthert weiter.  Er verwies auf Auswertungen der historischer Ereignisse, die zeigen, dass Starkregen überall in Bayern auftreten können. „Durch die zunehmende Versiegelung kann das Niederschlagswasser nicht mehr natürlich versickern und unsere Entwässerungssysteme stoßen an ihre Belastungsgrenzen, da diese Einrichtungen aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht für solche extremen Ereignisse ausgelegt sind“, so der Experte.

Günthert: „Daher müssen sich Kommunen und Bürger auf diese Gefahren vorbereiten. Anhand von Gefahrenkarten können die gefährdete Gebiete ermittelt werden und dort Schutzmaßnahmen getroffen werden. Hintergründe-Risiken-Vorsorge sind für Jedermann in einem kostenlosen Faltblatt des DWA Landesverbandes Bayern zusammengestellt.“ (www.dwa-bayern.de)

David Schmidtner, Vorstandsvorsitzender der Bürgerenergie Chiemgau, sprach zum Thema „Saubere Energie – wie Kommunen durch die Bürgerbeteiligung in Bürgerenergiegenossenschaft die Energiewende voranbringen und die regionale Wertschöpfung stärken können.“

Die Kommunen können die Bürgerenergie Chiemgau als Werkzeug nutzen, um mit ihren Bürgern die Energiewende voranzubringen, von der regionalen Wertschöpfung zu profitieren und damit die Möglichkeit haben den ökonomischen und ökologischen Reichtum der Region zu erhalten. „Wir alle sind die erste Generation, die mit den Auswirkungen des Klimawandels zurechtkommen muss und gleichzeitig die letzte Generation, die diesen verhindern kann, um unsere Lebensgrundlage zu erhalten. Aber das Zeitfenster ist klein und die vielen ungenutzten Potenziale müssen genutzt werden; dies verlangt die Achtung gegenüber kommenden Generationen, also unsere Generationenverantwortung. Diese ist Daseinsvorsorge, welche auch die ureigene Aufgabe der Gemeinden ist.“

Passend zum Thema Plastikmüllvermeidung und Gewässerschutz wurden dieses Jahr auf der Chiemseekonferenz – von der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling gesponsert – Einkaufsgutscheine im Gesamtwert von 1.000 Euro verlost, die in Bio-Märkten aus der Region beim abfallarmen Einkauf eingelöst werden können.

Die Einnahmen aus dem Losverkauf kommen dem gemeinnützigen „Naturpavillon Übersee“ zugute, der sich für Umwelt- und Gewässerschutz am Chiemsee einsetzt. Die Umweltbeauftragte des AUV, Alexandra Nawroth, stellte während der Verlosung die Konzepte einzelner Bioläden und Dorfläden in der Chiemseeregion vor, mit denen sie ihren Kunden kunststoff-freies Einkaufen von Lebensmitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Kosmetika ermöglichen.

amf

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