Über die Familie Gumpeltsheimer

Wasserburger Archivalie des Monats November: Von Fotos über Zeichnungen von Familienwappen bis zu Stammtafeln

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Die Archivalie des Monats November 2020 im Wasserburger Stadtarchiv ist die handschriftliche, drei Mappen umfassende Genealogie und Geschichte der auch zu Wasserburg zählenden Familie Gumpeltshaimer. Diese beinhaltet unter anderem Stiche von Adam, Georg und Esaias Gumpelzhaimer, Fotos von Grabstätten sowie hochwertige Zeichnungen von Familienwappen und Stammtafeln. Neben der Genealogie der Kernfamilie werden auch verwandte Familien, wie die Geschichten der ratsbürgerlichen Familien Reitter, Copauer und Praidtlohn, aufgearbeitet.

 

Der Bürger-, Patrizier-, Rats-, Stifter- und Handelsfamilie der Gumpeltsheimer/Gumpelzheimer/Gumpeltzhaimer – es gibt verschiedene Schreibweisen – wird im unteren Burgerfeld in Wasserburg mit einem Straßennamen gedacht.

Die ehrende Benennung erfolgte jedoch ohne Benennungsbeschluss des Stadtrates. 1927 wurde der Straßenname gemäß einem Aktenvermerk für die damals neu ausgebaute Straße festgelegt, ohne jedoch im Anschluss mitsamt einer umfangreichen Gruppe von Straßennamen durch den Stadtrat bestätigt worden zu sein.

Der Aktenvermerk gibt über die Benennungspraxis keinen Aufschluss, im Stadtratsprotokoll fällt der Straßenname nur im Zusammenhang mit einer anderen Wegebenennung.
Es ist unklar, ob die Verwaltung mit dem Straßennamenvorschlag intendierte, den gesamten (Wasserburger) Familienzweig oder ein bestimmtes Familienmitglied der Gumpeltsheimer ehren zu wollen.

Zur Geschichte der Familie:

Am 10. Januar 1599 verstarb Jörg (Georg) Gumpeltsheimer, genannt der Jüngere, als letztes männliches in Wasserburg verbliebenes Familienmitglied. Er ist als reicher Patrizier – neben seinem Vater Georg Gumpelzhaimer dem Älteren – wohl als das bekannteste Familienmitglied der Wasserburger Linie zu nennen und hinterließ ein Vermögen von mehr als 100.000 Gulden.

Jörg (Georg) Gumpeltsheimer war mit Maria Madtin (Martein?) verrheiratet und bewohnte in der Stadt das Haus Nr. 17 am Marienplatz (heute Goldbecker-Haus/Markthallen). Die vier Töchter aus dieser Ehe waren allesamt mit Rats- und Handelsherren Wasserburgs oder umliegender Städte (Laibinger/Peer/Reiter/Schobinger) verheiratet.

Die ausführliche Genealogie & Geschichte der Gumpelzhaimer liegt weitgehend unbeachtet im Stadtarchiv vor. Zwar hat der Musikwissenschaftler Prof. Richard Charteris (Australien) diese Quelle jüngst für eine Arbeit über den Musiker Adam Gumpelzhaimer, dem wohl bekanntesten Vertreter der Trostberger Linie, verwendet. Neben dieser speziellen musikwissenschaftlichen Studie fehlen jedoch moderne Auswertungen zur Familiengeschichte.

Nach der bis 2019 erfolgten Neuerschließung des Alten Archivs der Stadt verzeichnet dieses 124 Archivalien zum Wasserburger Familienzweig der Gumpeltsheimer bzw. zu deren Stiftungen. Zuerst ist Bürger Hans Gumpelzhamer 1440 als Zeuge nachgewiesen[6], ab 1510 haben Familienmitglieder (hier: Kämmerer Wolfgang Gumpelzhaimer/Gumpelzheimer) bedeutende Ratsämter inne.

Die wohltätige Stiftungstätigkeit der Familie, zunächst als Zustiftung Georg Gumpelzhaimer des Älteren u.a. zum Reichen Allmosen 1586 (hier sollten jährlich für zehn Gulden schwarzes Wasserburger Tuch gekauft und an Arme unverarbeitet zur Herstellung von Bekleidung gespendet werden) mündete schließlich in einer eigenständigen bürgerlichen Allmosen Stiftung für Allmosen, Heiratsverwilligungen, arme und kranke Bürger, die bis in das 19. Jahrhundert hinein nahezu lückenlos verfolgt werden kann.

Ein Grabdenkmal des Wolfgang Gumpelzheimer (†1514), Jörg Gumpelzheimer (†1521) und der Magdalena Gumpelzheimer (†15xx) befindet sich an der Pfarrkirche St. Jakob (Außen).
Im Umfeld der Gumpeltsheimerstraße befinden sich einige weitere, verschiedene Personen der Stadtgeschichte ehrende Straßennamen, die gerade in das Historische Lexikon Wasserburg eingestellt wurden oder demnächst eingearbeitet werden sollen.
Bearbeitet sind derzeit: Abraham KernAbraham-Kern-Straße; Anton HeilingbrunnerHeilingbrunnerstraße; Dionys ReithoferDionys-Reithofer-Straße.

Quelle:
Matthias Haupt, Gumpeltsheimerstraße, publiziert am 12.11.2020 [=Tag der letzten Änderung(en) an dieser Seite]; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Gumpeltsheimerstra%C3%9Fe

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