Neue CD: Balsam für die Seele

In tristen Zeiten hier zudem mal ein paar recht amüsante Worte dazu aus dem Concenti-Musicali-Ensemble

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Noch vor dem zweiten Lockdown hatte der Verein Concenti musicali um Peter Adler der Pandemie ein erfolgreiches Konzert in Attel abgerungen. Nun ist rechtzeitig zum Weihnachtsfest unter und trotz der „Corona“-Bedingungen eine Live-CD erschienen. Sie wird in den Wasserburger Buchläden zum Kauf angeboten – in der Buchhandlung Fabula, in der Wasserburger Bücherstube sowie bei Bücher Herzog. In tristen Zeiten hier mal ein paar zum Teil recht amüsante Worte der Musiker zu ihrem ‘Chef’ Peter Adler über die Aufnahme …

Manuel (Tenor): Danke dafür, dass du meine Meinung berücksichtigen möchtest. Ich fühle mich sehr geehrt. Bevor ich aber reinhöre, bekommst du schon meine Zusage. Ich möchte mich da nicht einmischen und gehe davon aus, dass der Tonmeister und du alles trefflich entscheiden werdet. Ich freue mich sehr über CDs.

Johannes (1. Geige): Vielen Dank für die Stücke und die Kritik. Ich konnte noch nicht alles anhören, aber was ich gehört habe, klingt sehr schön, wenn es auch an den Klang in der Kirche nicht herankommt.

Jedenfalls ist mir das Konzert in sehr schöner Erinnerung geblieben. Ich glaube, es war schon sehr speziell auch in dieser Zeit, ein solches Programm zu spielen. Und angesichts der jetzigen Entwicklungen – was für ein Timing!

Hat mich sehr gefreut, dass das so geklappt hat. Dir und dem Chor einstweilen meine besten Grüße – in der Hoffnung, dass die erneute Auszeit sich in Grenzen halten wird und wir bald wieder zusammen Musik machen können.

Sonoko (2. Geige): Ich habe ja gehört, nicht alles, aber klingt schön! ich war erstaunt, es ist gar nicht schlimm, eigentlich gut zusammen, das war mit Distanz aber gut aufgenommen. Ja, gut gemacht! Ja, manchmal passiert, aber auch gut für Liveaufnahme. Das war schönes Projekt! Wir haben sehr gut geschafft bevor wieder Corona Zeit.

Daniel (2.Bratsche): Als Bratscher hab ich eh nicht so viel zu sagen 😉 Aber im Ernst, da ist sehr viel Tolles dabei, nicht alles perfekt, aber auch nichts peinlich. Und angesichts der Umstände … war in der Kirche wirklich extrem überrascht, beeindruckt, wie gut das funktioniert, zusammenklingt und sich mischt.

Martin (1. Trompete) hat hier noch einen Schlusspunkt gesetzt: „Ich habe gegen eine Veröffentlichung der Aufnahme nichts einzuwenden. Ich finde sie angesichts der Umstände sehr gut! Außerdem war es ein tolles Lebenszeichen in außergewöhnlichen Zeiten …”

Auch über www.concentimusicali.de kann man die CD beziehen.

Über die CD:

Unvergessen die Ergriffenheit und der Jubel des Publikums, dem diese Aufführung und die hochbarocke Musik des aus Wasserburg stammenden Mönchs und Komponisten Abraham Megerle nicht nur Bildungserlebnis, sondern Balsam für die Seele bedeutete bei diesem Konzert in der Attler Kirche. Nun liegt diese Aufführung als „Corona-Live“-Mitschnitt auf einer neuen CD vor.

Ein gutes Zeichen, wenn das Gefühl uns sagt, die jetzige Veröffentlichung sei nicht nur eine Wiederholung bisher gehörter Standards und Qualitäten, sondern es werde Neuland anvisiert: Die Programmauswahl und der Einsatz aller Mitwirkenden lassen die neue Scheibe zu einem Hörerlebnis werden!

Im Mittelpunkt steht die „Missa sopra la Bergamasca“. Da sie in Wien einer kaiserlichen Hochzeit Glanz verleihen sollte, ist es nur zu verständlich, dass sich Abraham Megerle ganz intensiv von den beschwingten italienischen, eben bergamaskischen Tänzen inspirieren ließ.

Doch bei aller Diesseitsfreudigkeit wahrt die Musik sakrale Würde: Die Trompeten schmettern nicht einfach, sondern zeichnen feine Linien und die Posaunen erzeugen Klänge von warmer Transparenz. Das Klangbild verschwimmt nicht. Auch im Tutti bleiben die Farben einzeln wahrnehmbar und suggerieren einen schwingenden Lichtraum. Die Streicher durchwirken die vollen Bläserklänge gleichsam mit schimmernden Silberfäden, wissen sich aber stets mit ihrem virtuosen Figurenwerk kraftvoll zu behaupten.

Fünf Gesangssolisten, zwei Soprane (Miriam Striegel und Hedwig Wiest), ein Altus (Johannes Euler), ein Tenor (Manuel Warwitz) und ein Bass (Michael Mantaj) erwecken durch ihr individuelles Timbre und die emotionale Gestaltung des lateinischen Textes diese Messe zu sprühendem Leben.

Als einführende „Ouvertüre“ dient zu Beginn ein getragenes Requiem, das Megerle einem verstorbenen Kollegen gewidmet hat. Zwei besondere Zugpferde stehen im bewussten Kontrast zur Messe, einmal ein schwerelos, „romantisches“ Salve Regina und eine furiose Hymne auf den „beatus“, also glücklichen und zudem heiligen Bernardus. Das mehrfach wiederholte Beatus wird imitatorisch wie ein Ball von einer Stimme in die andere geworfen, ja geschleudert und in alle Klangfarben des Ensembles getaucht.

Einer der ersten Megerle-Fans war der eigene Neffe, jener berühmte Hofprediger Abraham a Sancta Clara. Diese CD könnte dem Wasserburger Barock-Komponisten Megerle (und den Concenti musicali!) nun neue Liebhaber zuführen …

Peter Adler als Musikwissenschaftler und Chorleiter mit Herzblut hat passend zur Weihnachtszeit jedenfalls ein „Anti-Depressivum“ vorgelegt – heller Glanz in dunkler Zeit!

Walther Prokop

 

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