Kommt die „Wasserburg-App“?

Realisierung soll zusammen mit der TH Rosenheim geprüft werden – Kosten unter der Lupe

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Per Smartphone den Personalausweis beantragen, mit einem Tipp Hochwasser-Warnungen erhalten, Beschwerden direkt ins Rathaus senden – die Funktionen einer App, mit dem die Bürger direkt mit der Stadt kommunizieren, sind vielfältig. Für die Prüfung der Fragen was eine derartige Anwendung genau leisten muss und kosten könnte, gab der Hauptausschuss jetzt grünes Licht.

Bereits im Juli beantragte die Fraktion der CSU/Freie Wähler-Wasserburger Block die Entwicklung eines Prototyps einer „Wasserburg-App“. „Es geht darum, die technische Kommunikation zwischen Bürgern und Stadt zu stärken“, erläuterte Heike Maas den Antrag, „außerdem gilt ab 2022 das Onlinezugangsgesetz, wonach Verwaltungsleistungen auch digital angeboten werden müssen.“

Zahlreiche Funktionen seien denkbar. So erinnerte Maas an das Problem der überfüllten Mülleimer im Sommer, die man per App sofort fotografieren und zur Verwaltung senden könnte: „Wie cool wäre das denn?“ Sie sei sicher, dass die Bürger eine App annehmen würden – auch die ältere Generation. „79 Prozent der 60- bis 69-Jährigen besitzen ein Smartphone.“ Auch habe die Corona-Krise deutlich gemacht, wie wichtig eine digitale Vernetzung sei.

Die Idee von Apps für Wasserburg ist nicht neu. Derzeit gibt es die Abfall-App „Mein Abfallkalender“ und die Parkgebühren-App – beide mit mäßigem Erfolg. „Die Abfall-App wird nur von 2000 Usern genutzt“, berichtete Bürgermeister Michael Kölbl. Eine eigene App für die Stadt würde der Internet-Dienstleister der Homepage zwar anbieten, wird aber nicht umgesetzt, weil beide Medien dieselben Informationen vermitteln würden. „Deshalb haben wir zunächst gesagt, wir bleiben erstmal bei der Internetseite“, so Kölbl.

Welche Dienste aber in einer eigenen App gewünscht würden und wie sie beschaffen sein soll, könnte Professor Dr. Gerd Beneken von der Technischen Hochschule Rosenheim klären.

In einem Telefonat mit der Stadt erläuterte er, dass die Studenten der technischen Umsetzung eine Analysephase vorausstellen könnten. Durch Befragungen von Bürgern würde ermittelt, was die App letztlich können muss. Erst dann geht es an die technische Umsetzung, die mit lediglich 1000 Euro als Spende zu Buche schlägt. Freilich handelt es sich dabei nur um einen Prototyp.

„Die Analysephase hat schon seinen Reiz“, bemerkte Andreas Hiebl von der Stadtverwaltung, „ich weiß allerdings nicht, ob uns ein Prototyp weiterhilft.“ So leide eine App oft an Kinderkrankheiten („Corona-App“) und müsse zudem an alle Betriebssysteme angepasst werden. „Kann die Verwaltung das leisten?“, gab Edith Stürmlinger (Bürgerforum) zu bedenken.

„Es ist wichtig, dass die Schnittstellen funktionieren“, stieß Bürgermeister Kölbl ins selbe Horn, „das geht weit über einen Prototyp hinaus.“ Sein Stellvertreter Werner Gartner (SPD) führte die finanzielle Frage ins Feld, wenn die Verwaltung die Entwicklung vorantreibt: „Was kostet das? Und muss dafür nicht jemand eingestellt werden?“ Personeller Zuwachs sei ja immer ein rotes Tuch für die CSU gewesen, betonte Gartner mit Seitenhieb auf die Antragstellerin.

Das digitale Bedürfnis sah zwar auch Parteikollege Wolfgang Janeczka. „Das ist sicher nice to have, but not necessary“, so der Stadtrat, der einen Preis im mindestens fünfstelligen Bereich befürchtete.

Zur Seite sprang ihm Steffi König (Grüne), die an die 20 Millionen Euro erinnerte, die die Corona-App gekostet habe. „Ich war bei meinem Arbeitgeber an der Programmierphase einer App beteiligt“, so König, „die Abstimmung auf zwei Betriebssysteme war beispielsweise extrem aufwändig und das Projekt wurde wieder eingestampft.“ Die Frage sei, was man mit der App erreichen wolle: „Will man Semmeln kaufen oder digital den Ausweis beantragen?“

Eine App habe nur dann eine Chance, wenn die wichtigsten Aufgaben integriert seien, so der Bürgermeister, und einen echten Mehrwert gegenüber der klassischen Webseite der Stadt bieten würden.

Die Prioritäten soll nun die Analyse von Professor Beneken ermitteln. Der Hauptauschuss beschloss einstimmig die Umsetzung der App ergebnisoffen zu prüfen. Der Fokus liegt dabei auf Informationen und Kommunikation mit dem Bürger und bei den Anwendungen, insbesondere bei den Online-Dienstleistungen der Verwaltung.

Archivfoto: John Cater

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3 Kommentare zu “Kommt die „Wasserburg-App“?

  1. Wobei ich von der Abfall-App vorher nichts gehört habe und durch googeln habe ich nur eine Webseite gefunden wo ich einzelne Sachen haben kann. Eine App wie sie der Landkreis Rosenheim für praktisch überall außer Wasserburg schon hat wäre mir da bedeutend lieber

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  2. aus dem Burgerfeld

    Wenn man mal etwas weiter denkt, dann hat eine App schon deutliche Vorteile gegenüber einer normalen Webseite. Mittlerweile hat jedes Handy eine zumindest brauchbare Kamera, mit der sich Dokumente abfotografieren – also Scannen – lassen. Mit der mittlerweile doch einigermaßen verbreiteten NFC-Funktion könnte man sich mit dem aktuellen Personalausweis auch digital ausweisen. Zudem können in einer App z.B. auch Chat- oder Nachrichtenverläufe bzw. Dokumente gespeichert werden. Wenn das ganze richtig gemacht wird, dann ist das sicher keine schlechte Sache. Wenn es bereits in anderen Städten funktionierende Systeme gibt, dann braucht man das Rad auch nicht neu erfinden. Es erwartet sicher auch niemand dass die App am Erscheinungstag bereits alle Funktionen erfüllt. Man kann ja auch klein anfangen und neue Funktionen per Update nachziehen.

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  3. Jede Stadt braucht eine gute Bürgerapp. Das bietet tolle Möglichkeiten sich bei Bürgern und auch Touristen zu positionieren und zu zeigen, dass man als Stadt Wert darauf legt, mit dem Bürger wirklich zu kommunizieren.
    Ich könnte mir so viele nützliche Funktionen für diese App vorstellen… Anfangen kann man ja auch nur mit einer guten Funktion und dann darauf aufbauen.

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