In Zeiten des Jonglierens

Wasserburger Eltern berichten über ihre Erfahrungen mit geschlossenen Schulen und Kindergärten

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Beruf und Kinder – selten war dies so schwer unter einen Hut zu bekommen, wie jetzt in der Corona-Krise. Geschlossene Kitas, geschlossene Schulen, verlängerte Ferien. Viele Eltern müssen jetzt wieder zwischen dem Job und der Betreuung ihrer Kinder jonglieren. Fünf Mütter aus Wasserburg geben einen Einblick in ihren Alltag zwischen Homeschooling und Home-Office …

„Da ich vor etwa zwei Monaten ein Baby bekommen habe, habe ich mich entschieden, meine beiden größeren Kinder vorerst nicht zur Kita zu schicken. Währenddessen arbeitet mein Mann von Zuhause aus und oft ist es sehr chaotisch in unserer kleinen Wohnung”, sagt Nikol B. (36). Home-Office habe viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. „Solange mein Mann am Telefon ist und eine Besprechung hat, müssen wir alle etwas leiser sein, was mit den Kinder natürlich nicht immer klappt.” Manchmal seien auch die leichtesten Aufgaben schwer zu schaffen, wenn man die Kinder zuhause hat und diese die ganze Aufmerksamkeit benötigten.

Ähnlich schwierig beschreibt Suzana V. (32) ihren Alltag in Zeiten von Corona. „Mein Sohn in der ersten Klasse, gewöhnt sich gerade an die Schule und ist total enttäuscht, wenn er seine neuen Freunde nicht jeden Tag treffen kann. Ganz anders mein jüngerer Sohn: Wenn der Kindergarten schließt, ist er gar nicht so traurig, denn dann darf er mehr Zeit mit mir verbringen.” Was für Suzana V. außerdem in der Corona-Krise schwierig ist: „Gerade jetzt, da meine Buben eigentlich beide außer Haus wären, könnte ich mir wieder eine Teilzeitstelle suchen, aber wer stellt mich jetzt ein, wenn alles so unsicher ist?”

„Meine Tochter ist jetzt in der zehnten Klasse, im Wasserburger Gymnasium und kann selbstständig gut arbeiten. Für sie war und ist das Homeschooling  gar nicht so schlecht, sie kann sich schön das Lernmaterial aufteilen”, sagt so Sabine D (51). „Da ich zur Risikogruppe gehöre, war meine Tochter von Anfang an sehr vorsichtig, was das Treffen von Freunden angeht und da bin ich ihr sehr dankbar dafür.” Viele Familien in ihrem Bekanntenkreis hätten Schwierigkeiten mit dem Online-Unterricht, „weil sie keinen Computer oder guten Internetanschluss besitzen. Einige Schulen haben auf andere Lösungen gesetzt, wie zum Beispiel ausgedruckte Lehrmaterialien. Dies ist nicht immer fehlerfrei gelaufen. Verständlich, weil die Pandemie für das ganze Schulsystem etwas völlig Neues ist.”

„Der erste Lockdown fiel uns schwer und wir wissen nicht, wie es jetzt werden wird”, erzählt uns Janin M. (33). „Das Schwierigste für meine drei Söhne ist, Kontakte zu reduzieren, besonders für den Ältesten. Homeschooling war und ist einfach nichts für uns. Die App, die wir von der Mittelschule bekommen haben, hat sehr oft nicht funktioniert.” Für ihren Siebtklässler war und ist der Distanz-Unterricht eine gute Option. „Im Distanz-Unterricht hat mein Sohn tatsächlich bessere Noten als im normalen Unterricht. Er hat mehr Lust zum Lernen und steht nicht so unter Stress.”

Alle Familien hatten beim ersten Lockdown mit vielen neuen Hindernissen zu kämpfen. „Sicher werden die nächsten Wochen wieder etwas turbulent. Aber wir sind jetzt alle besser vorbereitet als im Frühjahr”, so die einhellige Meinung.

SKV

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Ein Kommentar zu “In Zeiten des Jonglierens

  1. Zurück im 20. Jahrhundert? Wo sind die Väter?

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