„Energiedialog 2050″ in der Diskussion

Klimaschutzmanager legte bei jüngster Sitzung dem Stadtrat seinen Bericht vor

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Einige kritische Fragen seitens der Grünen musste sich der Klimaschutzmanager der Stadt Wasserburg, Josef Allio, bei der  jüngsten Sitzung des Stadtrates gefallen lassen. Bei dieser stand nicht nur der Antrag der SPD zum Klima-Notstand auf dem Programm (wir berichteten), sondern auch der Bericht des Klimaschutzmanagers zum „Energiedialog 2050″. „Den letzten Bericht gab’s 2015. Seither haben wir offiziell nichts mehr gehört. Und das, obwohl wir unsere Klimaschutz-Ziele nicht erreichen werden”, kritisierte Christian Stadler von den Grünen.

Der Bericht des Klimaschutzmanagers …

Man sah es Josef Allio nach seinem Bericht an, dass er bereits mit der Kritik der Grünen rechnete. „Ich hab es als meine Aufgabe angesehen, so viel Gutes in Sachen Klima-Schutz zu tun, wie möglich. Das heißt für mich: Projekte anpacken und umsetzen.” Dass das Ziel für 2020 nicht erreicht werde, hänge auch mit der schwierigen Auswertung des Zahlenmaterials zusammen.

„Wir verbringen mittlerweile ein Drittel unserer Arbeitszeit mit dem Auswerten und Anfertigen von Statistiken. Das frustriert schon ein wenig.” Insgesamt sei ein Gesamtergebnis für Wasserburg kaum zu errechnen, weil rund 90 Prozent des Schadstoffausstoßes von der Industrie verursacht werde. „Und da haben wir natürlich nicht zu allen Zahlen und Fakten Zugang.” *

Kein Verständnis für Allios Ausführungen hatte Christian Stadler. Man habe sich klare Ziele und Zwischenziele gesetzt, so Stadler. Es sei schon traurig, dass man das beschlossene Zwischenziel 2020, die Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990, wohl nicht erreichen werde und jetzt, Ende 2019, dieser Umstand im Bericht des Klimaschutzmanagers nicht mal Erwähnung finde. Es sei ebenso traurig, dass es vier Jahre gar keinen Bericht mehr gegeben habe.

Rückendeckung bekam Allio von der Werkreferentin der Stadt, Dr. Christine Mayerhofer (SPD): „Wir haben damals tatsächlich einen Katalog an Maßnahmen aufgesetzt. Das war meines Wissens aber eher eine Ideensammlung. Und da ist auch schon ganz viel am Laufen. Das alles wird über die Stadtwerke abgewickelt. Und über die ganz normalen Genehmigungswege ist der Stadtrat auch über alle Projekte informiert.”

Natürlich können man noch mehr erreichen. Dass sich die Grünen aus dem „Energiedialog 2050″ zurückgezogen hätten, sei der Sache aber sicherlich nicht dienlich gewesen.

Dr. Mayerhopfer warf den Grünen in diesem Zusammenhang „Taktiererei” vor, was Christian Stadler so natürlich nicht stehen lassen wollte: „Sobald man beim Energiedialog wieder mit mehr Zielbewusstsein arbeitet und die Klimaschutzbeschlüsse auch umsetzt, sind wir wieder dabei. Wir hören immer, dass sich diese und jene Maßnahme schwierig gestalte. Und dann hören wir davon gar nichts mehr. Wenn was nicht so klappt, wie das beschlossen wurde, dann muss die ganze Sache nochmals in den Stadtrat. Wir wollen darüber informiert werden.”

Friederike Kayser-Büker (SPD) nahm die Stadtwerke in Schutz: „Ich glaube, dass die  Richtung grundlegend stimmt. Da wird schon gut in Sachen Klimaschutz gearbeitet.” Dennoch wünsche sie sich für die städtischen Gebäude eine Statistik, was da heute schon alles an Energie eingespart werde. „Wir spüren alle, wie wichtig es wäre, ein übergreifendes Klimapaket zu haben. Wir sind da als Stadt aber am Ende einer langen Kette. Wir bräuchten mal von der Regierung klare Vorgaben.”

Sophia Jokisch (Linke) sah das ähnlich: „Das mit unseren Klimazielen fühlt sich schon ein bisschen an, als würden wir auf der Stelle treten. Aber es sind halt nur kleine Schritte möglich. Ich glaube, dass da schon gute Arbeit geleistet wird.”

Norbert Bourtesch (Bürgerforum) sagte, er habe in Sachen Energiedialog schon immer ein ungutes Gefühl gehabt. „Da wird zu viel mit trockenen und vorgegebenen Methoden gerechnet. Arbeitsintensive Statistiken helfen uns auch nicht weiter. Jetzt ist es eigentlich Zeit, was zu unternehmen.”

Bürgermeister Michael Kölbl gab nochmals zu bedenken, dass 90 Prozent der Energie in Wasserburg von der Industrie verbraucht werde. „Es ist fatal: Aber die größtmögliche energetische Einsparung, wäre die größtmögliche wirtschaftliche Katastrophe für Wasserburg.” Für die Stadt gebe es trotzdem viele Möglichkeiten, die Energieeffizienz zu steigern und den Schadstoffausstoß zu senken. „Wir wissen das und arbeiten daran. Eines ist aber auch klar: Trotz allem fahren jeden Tag 17.000 Autos über die Altstadtbrücke. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.”

*Allio legte übrigens heute eine Bilanz zum Engieeffizienznetzwerk der Großbetriebe in Wasserburg vor. Wir berichten gesondert …

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2 Kommentare zu “„Energiedialog 2050″ in der Diskussion

  1. Die naheliegendste und größte Energieeinsparung in Wasserburg besteht vermutlich darin, es endlich möglich zu machen
    , die unvorstellbar große Menge an Wärme, die bei Alkor anfällt und quasi mit riesigem Energieaufwand an die Umwelt abgegeben wird für das Badria nutzbar zu machen. Seit Eröffnung des Badria besteht die schizophrene Situation, innerhalb 200 Metern die Wärmeenergie zu vernichten, die nebenan erneut erzeugt wird!
    Natürlich ist das keine Einfache Geschichte, so etwas vertraglich auf die Reihe zu bekommen, aber für die Umwelt wäre es wirklich wichtig! Damit könnte man Wasserburgs Energiebilanz kräftig verbessern!

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  2. Beim Klimaschutz in Wasserburg ist die Lage eigentlich klar:
    Der Stadtrat hat schon 2008 (gegen den Willen Kölbls) beschlossen, die CO2-Emissionen in Wasserburg bis 2020 um 40% zu senken (bis 2050 um 80-95%). Dieser Beschluss gilt auch noch heute, Die Aufgabe eines Bürgermeisters ist es, Stadtratsbeschlüsse umzusetzen. Der Stadtrat ist rechtlich verpflichtet, die Umsetzung seiner Beschlüsse zu überwachen. Dies kann er eigentlich nur anhand von CO2-Bilanzen, die in regelmäßigen Abständen von darauf spezialisierten Unternehmen (nicht von kommunalen Klimaschutzmanagern) erstellt werden. In Wasserburg wurde eine CO2-Bilanz bisher nur einmal erstellt (für 2013), das Ergebnis war ernüchternd. Die CO2-Emissionen in Wasserburg sanken gegenüber 1990 nur um ca. 10% und das v.a. wegen mehr erneuerbarer Energien im Strommix und Maßnahmen der Wasserburger Industriebetriebe.
    Die Klimaschutzanstrengungen in Wasserburg hätten ab 2015 daher sehr deutlich erhöht werden müssen, um dem Ziel für 2020 näher zu kommen. Vorschläge dazu gab es, z.T. aus dem Energiekonzept von 2011 (Nahwärmeversorgung Altstadt) und dem Energiedialog. Der Energiedialog hat laut Stadtratsbeschluss 2008 nur eine Aufgabe: Maßnahmen vorzuschlagen, die geeignet sind, die Klimaschutzziele zu erreichen. Allerdings wurde die Arbeit des Energiedialogs 2015/16 von Bürgermeister Kölbl und dem damaligen Werkleiter förmlich torpediert, sodass insgesamt 4 langjährige Mitglieder den Energiedialog unter Protest verließen (darunter ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung). Auch den Vertrag des damaligen ambitionierten Klimaschutzmanagers verlängerte Kölbl nicht, sodass die Klimaschutzaktivitäten weitgehend zum Erliegen kamen. Bei vielen Themen geht es seither sogar in die völlig falsche Richtung, z.B. der Verzicht auf das geplante Nahwärmenetz Altstadt, die Investition in das Erdgasgeschäft und der Ausbau der Badria-Sauna. Aus welchem Grund sich der Stadtrat diese Missachtung seines Klimaschutzbeschlusses bieten lässt, ist schwer nachzuvollziehen. Verantwortliches Handeln wäre gefordert, schließlich geht es beim Klimaschutz um die Erhaltung der Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel.
    Die Bundesregierung hat sich auf der Pariser Klimaschutzkonferenz 2015 verpflichtet, die CO2-Emissionen in Deutschland bis ca. 2040 auf Netto-Null zu reduzieren. Dem wird sich auch Wasserburg nicht entziehen können. Noch besteht die Möglichkeit, diesen tiefgreifenden Wandel selbst zu gestalten und die damit verbundenen Chancen zu nutzen. Wasserburg hätte sogar eine recht gute Ausgangsposition. Ob Veränderungen mit dem aktuellen kommunalpolitischen Personal möglich sind, ist fraglich. Klimapolitische Realitätsverweigerung wie in den letzten Jahren bringt Wasserburg sicher nicht weiter.

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