Ein Leitbild für die Stadtentwicklung

ISEK: Planer stellten gestern den Bürgern in Wasserburg Ergebnis ihrer Arbeit vor

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Immerhin! Gut 100 Bürger befassten sich gestern Abend im Wasserburger Rathaussaal mit der Entwicklung ihrer Stadt. „Das sind jetzt doch deutlich mehr, als am Anfang. Vielleicht sollten wir noch zwei Jahre weitermachen, dann wäre der Saal wohl voll“, schmunzelte Städteplaner Michael Leidl bei der Bürgerinformation zum „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept“ (ISEK). Er legte zusammen mit seinen Kollegen Robert Leiner und Robert Ulzhöfer die Ergebnisse einer über zweijährigen Projektarbeit dar.

Mit dem ISEK habe man im April 2016 begonnen. „Seither hat sich die Lenkungsgruppe zwölf Mal getroffen. Bei vier Informationsabenden für die Bürger und in sechs Stadtratssitzungen war das Stadtentwicklungskonzept Thema“, so Leidl, der anschließend 50 Projekte vorstellte, die für die Stadtentwicklung relevant sind.

Dabei ging es unter anderem um städtebauliche Sanierungsmaßnahmen, um den Einzelhandel, ums Wohnen in der Stadt und das Leben am Fluss ganz allgemein.

Zwei der Ideen, die aus dem ISEK heraus entwickelt wurden, als Beispiel:

Ein neuer Fußgängersteg über die Kapuzinerinsel vom Burgerfeld zur Altstadt und ein Restaurantschiff am Innufer.

Die Liste der einzelnen Projekte …

Im übrigen gebe es auch einige Maßnahmen, die sich rasch umsetzen ließen. Zur Liste der sogenannten Mokroprojekte gehört unter anderem die Einrichtung eines Steges oder einer Treppe zum Inn hin, eine „Sitzbank“-Offensive in der Altstadt sowie eine Beleuchtung der Fahrpläne an den Bushaltestellen.

Robert Leiner legte anschließend die „strategischen Projekte“ für Wasserburg dar. Zu seinen Eckpunkten gehörten die Positionierung der Stadt nach außen, die Entwicklung des Einzelhandels in Zeiten wachsender Konkurrenz durch das Internet, der Wirtschaftsstandort Wasserburg, der Tourismus, das Stadtmarketing und das Wohnen in der Stadt.

Leiners Fazit: „Ohne ein zentrales Kultur- und Marketing-Management lassen sich viele Projekte nicht oder nur schlecht umsetzen. Das geht ehrenamtlich nicht mehr, da muss ein Profi ran.“

Robert Ulzhöfer (wir berichteten) beleuchtete abschließend nochmals die verkehrstechnische Entwicklung Wasserburgs – vom Ausbau der Radwege über die Lenkung des Verkehrs in die Stadt hinein bis hin zum möglichen Ausbau der Parkhäuser (wir berichteten mehrmals ausführlich).

Und auch das  Projekt „Standseilbahn“ von der „Schönen Aussicht“ hinab in die Altstadt beleuchtete er nochmals. „Die Anwohner könnte so ohne jeglichen Pkw-Verkehr das Nahversorgungszentrum an der Salzburger Straße von der Altstadt aus erreichen. Und umgekehrt könnten Besucher von oben herab ohne Auto in die Altstadt gelangen.“

Begrüßt hatte die Besucher im Rathaussaal, unter denen auch zahlreiche Mitglieder des Stadtrates und der ISEK-Lenkungsgruppe waren, Bürgermeister Michael Kölbl.

Im Anschluss an die Ausführungen der Städteplaner gab es noch einen regen Gedankenaustausch. Die Experten stellten sich den Fragen der Bürger. Das „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“ soll jetzt bei der Dezember-Sitzung des Stadtrates auf den Weg gebracht werden. Damit hat Wasserburg ein Leitbild für die nächsten Jahre, das immer wieder fortgeschrieben werden soll.

 

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5 Gedanken zu „Ein Leitbild für die Stadtentwicklung

  1. Wer befasst sich denn mit den wirklichen Verkehrsproblemen der Stadt? In dem Vortrag ging es leider nur um Radfahrer, ums Parken und um Überquerungshilfen.

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  2. Wolfgang Smasal

    Bürgerbeteiligung erwünscht

    Es wurde von Seiten des Stadtrats ja beklagt, dass sich die Bürgerbeteiligung in Grenzen hielt. Ich finde, dass die Beteiligung zumindest am Verkehrskonzept herausragend war! Als sich eine Bürgerinitiative gründete, die die Sperrung der Hofstatt wollte, sammelte diese rund 400 Unterschriften.
    Die Gegeninitiative des WFV brachte es auf über 4000 Unterschriften.
    Es haben also rund 4500 Bürger Ihre Meinung kund getan. Dabei lehnten 9 von 10 Bürgern einen Vorschlag ab, der Sperrungen zur Folge hätte und den selbst Verkehrsexperte Ülzhofer für falsch hält. Ich bin gespannt wer unserer Stadträte sich bei der abschließenden Abstimmung über das Verkehrskonzept gegen das eindeutige Votum der Bürger stemmt. Die Stimme berichtet hoffentlich drüber.

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    1. Zu den Unterschriftensammlungen: Ich denke, dass dieses Ergebnis nicht repräsentativ und damit nicht aussagekräftig ist. Klar, dass der WFV bessere Möglichkeiten hat und deshalb mehr Leute zu einer Unterschrift mobilisieren kann als eine private Bürgerinitiative…

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      1. Die Unterschriftensammlung traf natürlich den Hauptnerv derjenigen, die mit dem Auto direkt zum Frühstücken, einkaufen etc. vorfahren möchten. So wurde dann auch leicht die Unterschrift auf die Liste gesetzt. Ich habe mit vielen in der Stadt diskutiert, die meisten würden zumindest die Sperrung der Durchfahrt der Hofstatt ausserhalb der Geschäftszeiten positiv sehen. Eine Stadt lebt nicht nur, wenn viel Autoverkehr durchfährt oder direkt vor der Geschäftseingangstüre parkt.
        Eine Forderung 24 Std. und 7 Tage freie Durchfahrt , wie sie auf der Liste angegeben war – also nach dem Motto „freie Fahrt für freie Bürger“ ist fast populistisch.

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  3. Wenn die professionellen Planer in 2 Jahren nicht mehr zusammengebracht haben als diese Vorschläge, dann finde ich das äußerst schwach!
    Leider kann man das nun nicht wirklich bewerten, da die Vortragszeit begrenzt war und man nicht wirklich weiß welche Vorschläge schon konkret ausgearbeitet wurden.
    Einige Ansätze fand ich ganz gut, aber die Ausführung und Machbarkeit fehlte mir etwas.
    Außerdem wurde die Altstadtbahn komplett außen vor gelassen…
    Als Bürger würde ich mir wünschen, dass die Ausführungsplanung besser durchdacht wäre.

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