Der Wolf geht um

Schafe gestern aus dem Tal gebracht: Große Sorge herrscht bei den Tierhaltern im Priental - Appell einer Landwirtin

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Ein Wolf in Sachrang: Große Sorge herrscht bei den Tierhaltern in dieser Region des Landkreises. Denn seit gestern ist gewiss: Der Wolf wurde während des Tages in der Nähe von Schafen und Pferden an der Staatsstraße im Priental gesichtet – wie die Fotos zeigen. Die ersten Schafe wurden gestern vorsichtshalber aus dem Tal gebracht. Dazu am heutigen Montagmorgen eine Stellungnahme von Landwirtin Monika Pfaffinger, die sich große Sorgen macht …

Die Mutterkuhherde von Peter Pfaffinger, Simmerl von Mitterleiten, weidet nach der Almzeit auf den Wiesen des ehemaligen Linnerhofes in Sachrang. In der vergangenen Woche kam es zu einem, dem Landwirt unerklärlichen Zwischenfall. Mitten in der Nacht, – am Mittwoch, 7. Oktober, kurz nach Mitternacht um 0.15 Uhr – wurde die Familie aus dem Bett geklingelt. Ihre Mutterkuhherde stehe in Außerwald, einem Ortsteil kurz vor Aschau im Chiemgau – sieben Kilometer von der Weide entfernt. Ein Streifenwagen der Polizei und Berufskollegen konnten die panischen und völlig gestressten Tiere aufhalten und in eine Weide umleiten. Danach folgte in der Nacht der lange Rückmarsch nach Sachrang. Die Flucht und das Zurücktreiben der Rinder auf der Staatsstraße war ein sehr gefährliches Unterfangen.

Fünf Stunden später um 7 Uhr waren die Tiere wieder ausgebrochen. Diesmal ging es rasant durch den Ort Sachrang, durch den Verkehr, über die Staatsstraße auf dem Wanderweg zum „Geigelstein“. Die Gemeindearbeiter konnten die Tiere von der Staße weglenken, aber an ein Aufhalten war nicht zu denken. Die Tiere liefen im Galopp, Schaum vorm Mund bis zur „ Brunnebnat“. Dort konnte sie die Bäuerin mit Müh und Not stoppen.

Seit dem gestrigen Sonntag wissen wir, dass ein Wolf im Tal unterwegs ist. Die Bauern wissen es – die Wolfsbeauftragten werden es „wolfsähnliches Tier“ nennen. Für viele Tierhalter wird wohl die Weidesaison vorzeitig enden. Wird die neue Weidesaison im Frühjahr überhaupt beginnen? Zäunen wir nun von den Almen bis in die Tallagen alles ein?

Diese Zwischenfälle stellen eine große Gefahr für Mensch und Tier, für den Straßenverkehr und alle Passanten dar. Der Landwirt kann das Verhalten seiner Tiere in diesen Stress-Situationen keinesfalls mehr einschätzen.

Der Wolf wurde während des Tages in der Nähe von Schafen und Pferden an der Staatsstraße im Priental gesichtet. Sind diese Wölfe scheu? Die Unruhe unter den Tieren und Tierhaltern ist immens.

Die ersten Schafe wurden heute aus dem Tal gebracht. Der wirtschaftliche Schaden für die Landwirte wird sich summieren, der Nutzen der Weidetiere für die ökologiesch Vielfalt wird sich minimieren. Berg- und Almbauern sehen sich zunehmend mit Zukunftssorgen konfrontiert.

Gerade im oberen Priental gibt es nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe. Die Bauern haben in den letzten Jahren mit dem „Sachranger Bergbauernmodell“ viel für die Landschaft und die Natur bewegt – und jetzt?

Wo am Sonntag der Wolf durchs Tal streunt stehen morgen die Schulkinder an der Bushaltestelle. Wie lange schaut die Politik noch zu?

Monika Pfaffinger

Fotos: privat

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12 Kommentare zu “Der Wolf geht um

  1. “Wo am Sonntag der Wolf durchs Tal streunt stehen morgen die Schulkinder an der Bushaltestelle.” – Bei allem Verständnis für die Sorgen der örtlichen Landwirte stellt dieser letzte Absatz das ganze Schreiben in Frage. Rein emotional oder gar ideologisch geführte Diskussionen führen am Ende leider zu keiner Lösung!

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  2. Na ja, wenn ich dort wohne und ein Wolf rumstreunt… Ich weiß ja nicht, ob ich da nicht auch Emotionen und Sorgen (Ängste) um meine Tiere und noch mehr um meine Familie haben würde? Ich möchte dem Tier auf jeden Fall nicht gerne begegnen und habe volles Verständnis für Frau Pfaffinger.

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    1. Der Wolf zählt sicherlich zu den gut bis sehr gut bekannten und erforschten Tieren. Und hier in Europa zählen Wölfe bekanntermaßen zu den sehr scheuen Tieren, was die Begegnung mit Menschen in der freien Natur angeht.

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  3. Vermutlich wird er eh geschossen oder vergiftet weil er “die Angst vorm Menschen verloren hat und sich in der Nähe von Menschen rumtreibt”. Der Mensch drängt auch ins hinterletzte Loch vor – Wildtiere müssen uns somit zwangsläufig über den Weg laufen.
    Man kann nun entweder alle schießen oder man sucht nach einem Weg mit ihnen umzugehen. Da einige doch anscheinend nur das über den Wolf wissen, was sie aus Märchen “gelernt” haben ist letzteres wohl leider ausgeschlossen – “aus Angst ihnen zu begegnen”.

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  4. In die gute alte Dämonisierung des Wolfes, traurig, dass im Jahr 2020 so was noch abgedruckt wird.

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  5. Meiner Meinung nach ist es keine Option, den Wolf zu erschießen.
    Allerdings hat er hier bei uns auch einfach keinen Platz, um die Menschen und deren Tiere nicht zu gefährden.
    Dafür sind wir hier zu dicht besiedelt.

    Ich finde, dass es die einfachste Lösung ist, den Wolf schlafen zu legen und ihn dahin zu bringen, wo er womöglich hergekommen ist. Polen, Tschechien,… Das müsste man aber schon bald machen und nicht so lange warten, bis sich hier einige Rudel angesiedelt haben…

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    1. Verena Heidenreich

      Den Wolf “schlafen zu legen” ist ganz bestimmt ein sehr interessantes Unterfangen, wenn man von einem Bestand von ca. 1800 – 2000 Wölfen in ganz Deutschland ausgeht (eine Zahl, die man allerdings behördlicherseits niemals zu hören bekommen wird, da der Wolf ja erst “einen gesicherten Bestand” erreichen muss).
      Und dahin, woher sie kommen, braucht man sie auch nicht zu bringen, denn diese Länder haben selber Probleme mit dem Wolf, gehen diese aber in der Regel entschiedener und schneller an.
      Der Mensch hält seit Jahrhunderten Weidetiere und schützt sie seit Jahrhunderten – und nichts anderes versucht der moderne Weidetierhalter auch, was ihm heute aber sehr schwer gemacht wird, weil der Wolf nach einem Riß eben nichts zu befürchten hat und als schlaues Raubtier deswegen sehr schnell lernt, sich an Weidetiere zu halten.

      Warum wird eigentlich das Wohl einer Tierart so derartig über das Wohl vieler anderer Tierarten gestellt?

      Wer einmal einen Tierarzt zum Schauplatz eines Risses begleitet hat, und sieht und riecht und hört, wie die schwerverletzten Tiere leiden, wie die toten Tiere grausamst lebendig angefressen wurden, wer entscheiden muss, welches seiner (meist namentlich bekannten) Tiere noch eine Chance hat und welche eingeschläfert werden müssen, dem steht der Sinn nicht nach Entschädigung, sondern nur nach friedlichem Weidegang und ungestörtem Nachtschlaf.

      Und dafür muss der Wolf lernen, dass Weidetiere tabu sind. Deswegen muss der Wolf ins Jagdrecht!

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      1. “Wer sieht und riecht und hört, wie die schwerverletzten Tiere leiden.” Wo bitte bleibt ein vergleichbarer öffentlicher Aufschrei und wo bleibt die Empörung bei der in Deutschland gängigen Massentierhaltung und zu den Schlachtfabriken, in den Menschen unter unwürdigen Bedingungenen arbeiten müssen und somit gesundheitlich gefährdet werden?

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  6. @ein Leser – gerade weil mir Wölfe sehr gut bekannt sind, ich vieles über sie weiß, möchte ich die nicht in meinem Lebensraum haben.

    @Lero, hast du nur ein schwarz/weiß denken? Nur alles laufen lassen oder alles abschießen? Gibt es für dich nichts dazwischen?

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    1. Lies doch bitte genau: “Man kann nun entweder alle schießen oder man sucht nach einem Weg mit ihnen umzugehen”. Von einfach laufen lassen habe ich nichts geschrieben. Ich bin dafür man sucht nach einer Lösung, mit der alle leben können. Aber es gibt leider genug Leute die ihn lieber tot sehen als dass man sich Gedanken macht, wie ein Leben mit dem Wolf möglich ist.

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  7. Der Mensch als “scheinbare” Krönung der Schöpfung nimmt den Lebewesen ihren Lebensraum, breitet sich selbst schnell und aggressiv aus und entscheidet am Ende über das Schicksal dieser Tiere.
    Wer gebietet dem Menschen endlich Einhalt…?????
    So arrogant wie der Mensch ist, meint er sogar, das Wetter und Viren beherrschen zu wollen….🤦‍♂️

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  8. Liebe Monika,
    bitte habe Vertrauen in die Schöpfung.
    Der Wolf hat Angst vor dem Menschen.
    Natürlich möchte niemand das eines Deiner Tiere zu schaden kommt.
    Bitte findet einen Weg im Einklang mit der Natur zu leben, und dazu gehört der Wolf endlich wieder dazu.
    Er war in Europa durch die Zivilisation ja fast ausgerottet.
    Auch er ist von seiner Art ein Geschöpf Gottes und hat seine Aufgaben in der Schöpfung bekommen.
    Alles was wir bekämpfen kommt um so mehrfach auf uns zurück. Das Gesetz der Anziehung!
    Ich bete darum, dass Euren Tieren und auch dem Wolf nichts geschieht.
    Macht ihn satt, richtet einen Luderplatz weit genug entfernt von Euren Tieren ein. Sepp Hoheneder aus Brannenburg, ein Wildheger und Pfleger, bei dem ich mal in der Ausbildung war, könnte Euch da bestimmt Gutes Raten.
    Für Greifvögel macht man das ja auch.
    Herzliche Grüße von Gudrun Bonn

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