Der Turm erstrahlt in neuem Glanz

Sanierungen der Stadtpfarrkirche St. Jakob: Gerüst wird noch in diesem Jahr abgebaut

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dsc_1267Was steckt unterm Bau-Gerüst von St. Jakob? Diese Frage beantworteten am gestrigen Donnerstag die für das Projekt zuständigen Architekten, Restaurateure und beteiligten Denkmalexperten. Sie gaben die lang erwarteten Details zu den Sanierungsmaßnahmen preis. Die gute Nachricht: Noch in diesem Jahr soll der Turm über der Dachfläche von seinem Gerüst befreit werden. Nach der Präsentation standen die Verantwortlichen den Gästen für Fragen Rede und Antwort.

dsc_1260Stadtpfarrer Dr. Paul Schinagl (Foto links) begrüßte im Pfarrsaal St. Jakob die am Bau beteiligten Projektleiter, Architekten und Firmen, Dr. Hans Rohrmann von der Erzdiözese München und Freising sowie Bürgermeister Michael Kölbl, die Verwaltung der Stadt Wasserburg und die Gremien der Pfarreien St. Jakob und St. Konrad.

 

 

dsc_1262Dr. Rohrmann (Bild rechts), der im Ressort Bauwesen und Kunst auf Kirchliche Kunstpflege spezialisiert ist, beschreibt das Projekt als „ sehr wichtig und groß“: „Die kunsthistorisch und denkmalpflegerische Bedeutung der Stadtpfarrkirche St. Jakob ist nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern auch für das Stadtbild von Wasserburg enorm hoch.“ Die Kirche sei ein Werk bedeutendster gotischer und historischer Kunst der damaligen Baumeister und Steinmetze und somit ein spannendes Projekt für alle Beteiligten, so Rohrmann.

 

doblerDr. Gerald Dobler, zuständig für Dienste im Bereich der Kunst- und Denkmalpflege, gab den Versammelten einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Pfarrkirche und ließ den großen historischen Wert des Gebäudes durchblicken: „Die Grundsteinlegung des romantisch-gotischen Bauwerks war bereits 1255. Nach 1410 fanden Umbaumaßnahmen durch Hans von Burghausen, einem bedeutenden Baumeister der Spätgotik, statt. Durch den Wasserburger Meister Wolfgang Wieser wurde 1478 der Bau des Turms fertiggestellt, der bis heute eine so große architektonische Rolle im Bild der historischen Stadt spielt.“

 

muellerFlorian Müller-Luckinger, der 2005 erstmals in Kontakt mit dem Großprojekt der Sanierung in Kontakt kam und seit 2011 als Projektleiter im Einsatz ist, erklärte stellvertretend für das Architekturbüro „Krug-Grossmann“ aus Rosenheim die den Turm betreffenden Maßnahmen: „Das Gefährdungspotential durch herabfallende Steine einzudämmen, das war der erste Schritt, den man unternommen hat. Weitere Schäden zu beheben war der zweite Schritt. Es gibt Verfärbungen am Turmdach, Putzabkratzungen sowie Schimmel- und Insektenbefall im Inneren des Turms.“

 

Die Ertüchtigung und Sanierung der alten Fassade, die Erneuerung der Dachabdeckung sowie der Erhalt und die Akzentuierung der vorhandenen, originalen Bausubstanz gelten allesamt dem Erhalt des Denkmals. Laut Müller-Luckinger würden sich sämtliche Maßnahmen an historischen Befunden orientieren, also an Hinweisen darüber, wie das Gebäude früher ausgesehen hat. 

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Zu den Experten zählt Manuel Richter von der „HIH Projektentwicklung“. Er freut sich bereits auf den Zeitpunkt, an dem das Gerüst am Turm oberhalb des Dachstuhls abgebaut und dessen Schönheit präsentiert werden kann: „Besonders das grüne Kupferdach hat uns Schwierigkeiten bereitet. Wir mussten einige Neuerungen machen, ohne die das Dach nicht dicht gewesen wäre. Allerdings hätten wir bei der Verwendung neuen Kupfermaterials die charakteristische Farbe verloren. Also entschlossen wir uns, das über 100 Jahre alte Blechdach möglichst schonend zu restaurieren und somit den alten Turm in seiner Ansicht zu halten.“

 

20161117_211038Diplom-Restaurateurin Kathrin Klingler von der Fachbauleitung für Putz und Malerei zeigte die Veränderungen, die an der Turmuhr vorgenommen worden sind, auf: „Ein sehr filigran bemaltes Ziffernblatt sorgt für eine gute Lesbarkeit und entspricht dennoch den Maßstäben des historischen Befundes.“

 

 

 

 

 

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Um einen Einblick in die Fachbauleitung „Naturstein“ zu geben, zeigte Diplom-Restaurateur Sebastian Endemann Fotografien. „Starke Schäden am Tuffstein, der einen Großteil des Mauerwerks darstellt, stellten uns vor eine große Herausforderung: Dieses Material ist in Bayern nicht mehr erhältlich. Die Steine, die für die Sanierung benötigt wurden, mussten daher aus Bosnien-Herzegowina importiert werden.“ Freigelegte, hochgotische Verzierungen und ein geglättetes Quadermauerwerk mit aufgesetzten Fugen sollen für ein originalgetreues und ansehnliches Gesamtbild sorgen.

 

Laut der Projektsteuerung durch die „Ernst und Young Realestate“ belaufen sich die Zahlen und Fakten der Sanierungsmaßnahmen auf Folgende: „Der Bauabschnitt I wurde mit einer Summe von bewilligten vier Millionen Euro begonnen“, so ein Vertreter der Projektsteuerung, „Bis jetzt sind 70 Prozent der Auftragssumme fest einkalkuliert, die Prognose liegt bei 80 Prozent.“ Der erste Bauabschnitt soll planmäßig im dritten Quartal 2018 fertiggestellt werden.

Nach der Präsentation konnten die Versammelten noch eigene Fragen und Anregungen an die Verantwortlichen richten. Es wurden Bedenken hinsichtlich der einheitlichen und historisch korrekten Gestaltung der Außenwände geäußert. Die Projektleiter versicherten daraufhin, dass das gestalterische Konzept einer „idealistischen Tuffsteinsichtigkeit“ mit aufgesetztem Fugenbild ein „heterogenes und ansprechendes Gesamtbild“ ergeben wird, das sich vollkommen an den Befunden der alten Bau- und Gestaltungsweise orientiert.

 

dsc_1269Noch Ende diesen Jahres soll der fertig sanierte Turm oberhalb des Dachstuhls von seinem Gerüst befreit werden. Die Wasserburger können sich also schon bald über die Enthüllung ihres Kirchturms freuen, der dann in neuem Glanz erstrahlt. HF

 

 

 

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