Auf Sendung mit Bernd, Michi und Sabrina

Bezirk Oberbayern zeichnet das Radio Regenbogen und die Stiftung Attl mit Inklusionspreis aus

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Meinungsbildung in eigener Sache: Bewohner der Stiftung Attl berichten in Radio
Regenbogen über ihre Arbeit, über Musik und Sport. „Nicht über uns, sondern
von uns“, ist der Leitgedanke des Bürgerradios, das eine breite Öffentlichkeit
über die Lebenswelten von Menschen mit Behinderungen informiert. Das Projekt
überzeugte im Bezirk Oberbayern auch die Jury des Inklusionspreises, die es mit
dem 3. Platz belohnte.

Stimmübungen und Gesichtsgymnastik gehören für Sabrina Breidel, Bernd Crellwitz
und Michael Engl vor jeder Aufnahme im Studio dazu. Die Drei ziehen sich die
Mikrofone heran. Gleich sind sie auf Sendung. „Sie hören Extra am Donnerstagabend –
mit Sabrina.“ „Mit Bernd.“ „Und mit Michi.“ „Unser Thema ist heute die Musik.“

Bei der Ansage kommen alle reihum zu Wort. Routiniert meistern die drei Bewohner der
Stiftung Attl die Begrüßung. Es folgt die Einspielung aufgezeichneter Interviews mit
Freunden und Bekannten, Musikstücke, Gespräche. „Die Interviews machen wir selber“,
erzählt Sabrina. „Das wird dann alles zusammengeschnitten und im Radio vorgestellt.“

Drei Sendungen waren es bisher: zur Arbeitswelt der Stiftung, zu den musikalischen
Vorlieben der Bewohner und Bewohnerinnen und zum Sportangebot in Attl.
Ermöglicht wird das Bürgerradio durch Radio Regenbogen, einen gemeinnützigen
Spartenanbieter. Sendegebiet ist der Südosten Oberbayerns; die Sendungen der
Bewohner der Stiftung Attl waren im Landkreis Rosenheim zu hören. „Ich bin nur
technische Assistenz und für den journalistisch-handwerklichen Part zuständig“, erzählt
Julia Witte, die das Projekt bei Radio Regenbogen betreut. „In der Sendung bin ich nicht
zu hören.“

Wie funktioniert Radio? Welche Themen sind interessant? Und wie moderiert man eine
Sendung? Mit Workshops hat Witte die Bürgerreporter aus Attl auf das Radiomachen
vorbereitet. Sie berät auch bei Themensuche und Interviews. Zur Seite steht ihr dabei
Michael Wagner, Unternehmenssprecher der Stiftung Attl. „Unsere Bewohner haben
sehr viele Geschichten über ihr Leben zu erzählen“, berichtet Wagner. „Wenn sie damit auf Sendung gehen, zeigen sie, dass sie Teil dieser Gesellschaft sind. Das erfüllt sie mit Stolz und stärkt ihr Selbstwertgefühl.“

Vor allem erfährt eine breite Öffentlichkeit so von den Lebenswelten von Menschen mit Behinderungen, was sie bewegt, womit sie sich beschäftigen und welche Wünsche sie haben – ein Konzept, das auch die Jury des Inklusionspreises überzeugte. „Das Bürgerradio baut Barrieren im Kopf ab und schafft ein Bewusstsein für die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen“, heißt es in der Begründung für den Drittplatzierten des Inklusionspreises 2018.

Besonders würdigte die Jury, dass das Bürgerradio Menschen mit Behinderungen ein Sprachrohr bietet und aktive Meinungsbildung ermöglicht. Dank der außergewöhnlich guten Projektidee gelinge es, so die Juroren, „dass Menschen mit Behinderungen aktiv, partizipativ und zugleich öffentlich gesamtgesellschaftlich teilhaben können“.

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