Ab 2022: Stadtbus im 30-Minuten-Takt

Gestern im Wasserburger Stadtrat: Expertin stellt vier Varianten für städtischen Busverkehr vor

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Ohne Gegenstimmen brachte gestern der Wasserburger Stadtrat den 30-Minuten-Takt für den Stadtbus auf den Weg. Die neue Taktung vom Burgerfeld über die Altstadt zur Burgau und nach Reitmehring wird’s aber voraussichtlich frühestens ab Mai 2022 geben. Das Ausschreibungsverfahren nimmt über zwei Jahre in Anspruch. Insgesamt vier Varianten zum überarbeiteten Stadtbus-Verkehr stellte Anja Witzel von der Firma „Planmobil” aus Kassel den Stadträten gestern vor.

Witzel ist auch mit dem Nahverkehrsplan des Landkreises Rosenheim, bei dem es um den Ausbau und die Optimierung des ÖPNV-Systems geht, betraut. Sie legte zunächst eine Bestandsanalyse vor.

Für diese habe man im Mai eine Fahrgasterhebung durchgeführt, die zu einem erfreulichen Ergebnis geführt habe: „Wir haben täglich rund 1000 Fahrgäste. Das ist für einen Ein-Stunden-Takt ein ausgesprochen guter Wert.”

Der Stadtbus sei den ganzen Tag über gut ausgelastet. Die Expertin: „60 Prozent der Fahrgäste nutzen den Stadtbus täglich, 23 Prozent mehrmals pro Woche.” Erstaunlich sei, dass ein sehr hoher Anteil an Einzelfahrer-Scheinen gekauft würde. „Das sorgt leider dafür, dass kein zügiger Fahrgastwechsel möglich ist.”

Außerdem habe die Erhebung gezeigt, „dass in den Stadtbussen außergewöhnlich viele Kinderwagen transportiert werden. Ab drei Kinderwagen wird’s eng, das sollte man bei einer neuen Ausschreibung beachten.”

Insgesamt sei die Ausstattung der Busse sehr gut. Es handle sich durchweg um barrierefreie Fahrzeuge. Und auch die Erschließungsqualität in der Stadt sei ausgesprochen gut. Allerdings gebe es durchaus Beschleunigungs-Potenzial.

Man sollte beispielsweise die Menschen dafür begeistern, auf günstigere Zeitkarten umzusteigen. Außerdem verliere der Bus an zwei Punkten sehr viel Zeit: Bei der Einfahrt von der  Ponschbaustraße in die Rosenheimer Straße und bei der Einfahrt auf die B304 in Reitmehring. „Da könnte eine Ampelschaltung speziell für den Bus durchaus Sinn machen.” Der Bus verliere zudem durch Haltestellen in Buchten Zeit, diese sollten nach und nach durch Haltestellen am Fahrbahnrand ersetzt werden.

Eine weitere Herausforderung sei es, die langen Übergangszeit zu den Zügen nach München und Mühldorf zu beheben sowie die Anbindung weiterer Orte und vor allem der neuen Klinik in Gabersee.

Witzel stellte anschließend vier Varianten vor, mit der man den Stadtbus-Verkehr verbessern könne:

Varainte 1: Sie bietet einen optimalen Anschluss an alle Züge in Reitmehring, die langen Übergangszeiten von 18 bis 21 Minuten werden reduziert. Die Busse würden zur vollen Stunde sowie jeweils um 15 Minuten nach der vollen Stunden fahren. Attel würde über einen Zwei-Stunden-Takt besser angeschlossen. Die Busse würden Montag bis Freitag  bis 21 Uhr, Samstag bis 14 Uhr unterwegs sein. Zusätzliche Kosten: 130.000 Euro.

 

Variante 2: Auch für diese Variante gilt der Zwei-Stunden-Takt für Attel. Der Stadtbus fährt dann allerdings im 30-Minuten-Takt von 5 bis 19.30 Uhr, samstags von 7.30 bis 14 Uhr, danach im Stundentakt. Kosten: 130.000 Euro zusätzlich.

Variante 3: Sie beinhaltet eine neue Linie von Attel über Reitmehring, die Altstadt bis zum Kellerberg, nach Neudeck und Penzing. Den Halbstundentakt erreicht man durch Überlagerung verschiedener Linien. Bei dieser gibt es allerdings viel Abstimmungsbedarf. „Für 2022 ist das wohl nicht zu schaffen”, so die Expertin.

 

 

Variante 4: Sie beinhaltet eine neue Bustrasse über den alten Bahndamm. „Das wäre ein guter Anschluss für den neuen Klinikbereich.” Auch für sie gelte der 30-Minuten-Takt. Es bräuchte dafür aber eine Bustrasse- Diese sei erst umsetzbar, wenn die Bahn endgültig stillgelegt sei. Diese „Zukunftsvariante” würde Mehrkosten von 120.000 Euro verursachen, zuzüglich der Investitionskosten für den Bau der Bustrasse.

Witzel fasste anschließend zusammen: „Wenn wir alle Bewertungskriterien einbeziehen, ist wohl Variante 2 die günstigste.” Für die Altstadt schlug sie zwei neue Haltestellen vor: Vor dem Rathaus und am Roten Turm.

Dafür könne man die am Max-Emanuel-Platz streichen. „Für die Realsierung ist ein umfangreiches Auschreibungsverfahren nötig, was den Start frühestens im Mai 2022 möglich macht.”

 

 

Anschließend diskutierte der Stadtrat eingehend die vier Varianten. Hier einige Stimmen:

Wolfgang Janeczka (SPD): „Variante zwei entspricht dem Kerngedanken unseres Antrags auf einen echten 30-Minuten-Takt. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass es noch zweieinhalb Jahre bis zur Realisierung dauert. Bei der Ausschreibung sollte das Thema Klimanotstand beachtet werden.”

Josef Baumann (Freie Wähler): „Nach dem Klimanotstand hat die SPD jetzt wohl auch noch den Antragsnotstand. Das sei doch wohl klar, dass sich beim ÖPNV was tun muss. Die Idee mit dem 30-Minuten-Takt ist eine uralte Forderung von quasi allen Stadträten, auch ohne SPD-Antrag.”

Christian Stadler (Grüne): „Unser ÖPNV-Problem ist hausgemacht. Das kommt daher, dass alle Züge vier Kilometer vor der Stadt und nicht in der Stadt enden. Der Umsteigezwang in Reitmehring und lange Wartezeiten in Reitmehring tun da ein Übriges. Vor diesem Hintergrund sollte man den Beschluss zur Stilllegung der Altstadtbahn revidieren und wir sollten uns nicht mehr hinter Gutachten verstecken. Eine bessere Erschließung des neuen Klinikums durch das Gelände durch und eine neue Ausfahrt zur B304 nur für Busse sind unseres Erachtens nach wünschenswert.”

Dr. Hermann Budenhofer (Freie Wähler): „Staudam hat sich für die Reitmehringer zum Einkaufszentrum entwickelt. Es gibt viele, die dankbar wären, wenn da ein Bus rausginge. Vielleicht gibt’s da eine Lösung.” Darauf die Expertin Anja Witzel: „Das wird teuer. Dafür bräuchten wir ein zusätzliches Fahrzeug. Ein Umlauf mit Staudham und zurück durch die Stadt zum Burgerfeld wird dann nicht mehr funktionieren.”

Markus Bauer (CSU): „Wir kommen da nur Schritt für Schritt weiter. Es freut mich, dass die Bevölkerung den Stadtbus so gut annimmt. Rollstühle und Kinderwagen sind ein echtes Problem. Es kann nicht sein, dass die Busfahrer den dritten Kinderwagen nicht mehr mitnehmen. Auch ich bin für eine bessere Erschließung des neuen Krankenhauses. An einer eigenen Ausfahrt auf die B304 sollten wir dranbleiben.”

Friedericke Kayser-Büker (SPD): „Ich frage mich, warum es da keinen klaren Plan gibt, das große neue Krankenhaus gut in den Takt einzubinden. Das muss doch machbar sein, das Krankenhaus barrierefrei an die Buslinien anzuschließen. Ich appeliere zudem an die Vorbildfunktion der Busfahrer. Deren Verhalten sollte sich dringend verbessern. Wie oft sehe ich telefonierende Fahrer oder welche mit Ohrstöpseln. Mein Sohn wurde neulich nicht mitgenommen, nur weil er eine Klapprolle dabei hatte. Der Service-Gedanke müsste deutlich ausgebaut werden.”

Auf den Vorschlag von Dr. Christine Mayerhofer (SPD), man sollte bei der Ausschreibung auch über E-Busse nachdenken, antwortete Bürgermeister Michael Kölbl, dass ein Verkehr mit Elektrobussen derzeit noch nicht über das Versuchsstadium hinausgekommen sei. „Für einen dauerhaften Einsatz gibt’s noch nichts Brauchbares. Auch unsere starken Steigungen auf den Strecken machen da echte Probleme.”

Der Stadtrat brachte anschließend Variante 2 einstimmig auf den Weg.

Grafiken und Foto:

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13 Kommentare zu “Ab 2022: Stadtbus im 30-Minuten-Takt

  1. Eine gute und zukunftsweisende Entscheidung! Hier wird ein wichtiges Element des öffentlichen Nahverkehrs bewusst gestärkt und ausgebaut.

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  2. noch ein Unternehmer

    Gut finde ich, dass durch den engeren Takt das Stadtbusfahren attraktiver wird. Allerdings sind alle 4 Varianten nicht innovativ, nicht auf die Zukunft ausgerichtet. Weiter werden einige Stadtgebiete nicht angefahren bzw. die Haltestellen sind weit entfernt. Das ist kein Problem, wenn man zum Frühlingsfest fährt, wohl aber wenn man kleine Kinder hat oder Einkäufe transportieren will. Weder Staudham noch Ausichtsturm als Einkaufszentren sind nicht angeschlossen. Auch nicht zu verachten, jetzt fahren je Stunde 4 Busse durch das Nadelöhr Brucktor. Mit einem Rundkurs im Begegnungsverkehr ließe sich das vermeiden. Statt eines Planungsbüros hätte ich mir gewünscht, dass Stadt und Rat versuchen Modellstadt zu werden, sich Partner suchen um Vorreiter bezüglich Elektrobussen und autonomen Fahren zu werden. Leider eine große Chance vertan.

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  3. Äußere Lohe gehört auch auf Wasserburg, da ist die Busverbindung äußerst schlecht. Wenn Busse kommen , erreicht man keinen Anschlussbus mehr.
    Wir können wie immer , mit der neuen Regelung die Busse von der Ferne aus sehen.

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    1. Was ist mit uns auf dem Land? Wir haben keine ordentliche Busverbindungen. Wir müssen alle mit dem Auto fahren.

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  4. Halbstundentakt ist wirklich toll, da erreicht man schneller zur erwünschten Ziel! Das soll auch umgesetzt werden und ich begrüße das! Das spart Anfahrt mit dem Auto zum Bahnhof! Nur die Zuganbindung direkt nach München ist zu wenig und es muss mehrere Zeiten geben, wo man hinfahren kann und das ohne Umsteigen! Das wäre die größte Wunsch! Lange Wartezeiten sind nicht mein Ding! Mach weiter so!

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  5. Ein Leser der WS-Stimme

    Wenn jetzt über eine Ampel Lösungfür Busse in reitmehring nachgedacht wird dann wird die strassen bzw Umgehung der Bahn nicht so schnell kommen sehr schade denn wie berichtet wird an diesem Projejet schon seit 2006 gearbeitet und der Verkehr auf der Straße wird auch mehr da hilft meiner Meinung nach auch der stadtbus im 30 min Takt nicht

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  6. Nette Idee und das Umland hat zwei Busse pro Tag Super weiter so.

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  7. Super, jetzt wäre es noch gut wenn der Bus kostenlos (Anreize setzen für aktiven Klimaschutz) wäre und mit wlan ausgestattet ist.
    Attel find ich gut, nur schade das Staudham/Edling und Eiselfing/Bomsham nicht miteingebunden sind.

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  8. Beute-Wasserburger

    Ein Bus auf der Bahnstrecke stellt eine äußerst innovative Lösung dar. Diese Lösung ergibt sich ja auch zwingend, hat man doch zwischenzeitlich einen BusBAHNHOF installiert. Es muss nur noch die Strecke entsprechend saniert werden. Die dafür notwendige Brücke über den Koblergraben verursacht vermutlich kaum Kosten. Die direkte Anbindung über ein Werksgelände mit Bussen stellt ebenfalls kein Problem mehr dar!

    Möge doch der Mehrzahl der Stadträte endlich das Kleeblatt von den Augen fallen, damit ihnen ein Blick auf eine zukunftsweisende Anbindung der Altstadt an den öffentlichen Nahverkehr nicht weiter verwehrt bleibt.

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  9. Optimierte Anschlüsse in Reitmehring sind meines Erachtens zwingend notwendig, in Variante 2 aber nicht aufgeführt. Die momentane Wartezeit ist viel zu lang und unattraktiv. Insgesamt viel zu lang bis 2022. Es muss sich dringend früher was bewegen.

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  10. Alles Schön und Gut. Längst überfällung und im Jahr 2022 viel zu Spät.
    Aber viel Wichtiger ist es das erwähnte “Umland” also Gemeinden wie Edling, Eiselfing und Babensham mit in das Stadbus – Konzept aufzunehmen.
    Halbstündlich in der “Kernzone” und Stündlich in umliegenden Gemeinden.

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  11. Ich finde es sehr zukunftsweisend den Bus im 1/2 Stundentakt im Stadtgebiet Wasserburg einzusetzen. Dies ist dringend auch für eine verbesserte Anbindung zum Zug notwendig, da nur der Bus alle Stadtteile zum Bahnhof Reitmehring bedienen kann.
    Man sollte jedoch solche Vorschläge wie Auflösung von Busbuchten gut überdenken und abwägen, da in den Stosszeiten mehr Busse fast gleichzeitig die Haltestellen anfahren und dadurch erhebliche Rückstaus auf Grund wartender Autos entstehen. Dies wirkt sich auch gleichzeitig auf die nachkommenden Busse aus. Im Übrigen kann das was aus Sicherheitsgründen vor 10 Jahren noch aktuellster Stand der Verkehrstechnik war nicht heute schon überholt sein. Die Strassenverkehrsordnung regelt das ohnehin, dass Autos nur im Schritttempo am Bus vorbeifahren dürfen und der Bus auch Vorfahrt hat beim Verlassen der Haltebucht.

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    1. Ja, die Straßenverkehrsordnung regelt das. Nur haben offensichtlich 90% der Wasserburger Autofahrer noch nie davon gehört. Erfahrungsgemäß wird eher noch Gas gegeben, damit nur ja nicht der Bus vor einem raus fährt.
      Wenn also sinnvolle Regelungen einer Straßenverkehrsordnung nicht fruchten, auch weil es z.B. der Polizei bekanntermaßen an Personal fehlt, die Einhaltung bestehender Regeln zu überwachen, dann ist es schon naheliegend, sich darüber Gedanken zu machen, wie man das Ganze mit baulichen Maßnahmen unterstützen kann.

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