Der Beschluss-Entwurf zum heutigen Corona-Gipfel - Karl Lauterbach sieht jetzt die Gastronomie als Problembereich

Der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach sieht jetzt die Gastronomie im ganzen Land als Problembereich: Das erklärte er gestern Abend im TV und gerade dort sollen mehr Kontaktbeschränkungen kommen – 2Gplus sei angesagt. Am heutigen Freitag findet der nächste Bund-Länder-Gipfel statt. Im Mittelpunkt soll auf der anderen Seite eine Verkürzung der Quarantänepflicht stehen … 


Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband lehnt 2Gplus in der Gastronomie ab. „Ich warne vor panischem Aktionismus, 2Gplus stürzt Betriebe in Existenznot ohne Mehrwert für das Infektionsgeschehen“, so die Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Angela Inselkammer, am gestrigen Donnerstagabend in einer Pressemitteilung.

Welche Wucht entwickelt die sich aufbauende Welle tatsächlich, das ist die große Frage in Deutschland. Die Zahlen der Neuinfektionen steigen vor allem im Norden des Landes seit Tagen – in den Impf-Musterländern wie Bremen.

So schaut der Beschluss-Entwurf für heute aus, wie der Bayerische Rundfunk berichtet:

Quarantäne-Regeln sollen nach diesem Plan gelockert werden …

  • Infizierte, die weder geimpft noch genesen sind, können ihre Quarantäne nur mit einem negativen PCR-Test beenden.
  • Für Ungeimpfte und Genesene soll außerdem gelten: Wenn sie Kontakt zu einem Infizierten hatten, können sie ihre Quarantäne nur mit einem negativen PCR-Test beenden.
  • Geimpfte müssen sich dagegen grundsätzlich nach sieben Tagen nicht mehr isolieren, sofern ihr Schnelltest negativ ist
  • Nach Kontakt zu Infizierten können Personen aus systemrelevanten Berufen nach fünf Tagen aus der Quarantäne – aber nur mit PCR-Test.
  • Geboosterte oder Personen, deren zweite Impfung weniger als drei Monate zurückliegt, müssen nach Kontakt mit Infizierten gar nicht in Quarantäne.
  • Kontaktpersonen ohne Symptome sollen die Quarantäne nach sieben Tagen verlassen dürfen. Ungeimpfte brauchen dafür voraussichtlich einen negativen PCR-Test

Schutz der kritischen Infrastruktur

Auf diese Weise will die Politik die kritische Infrastruktur vor einem Kollaps bewahren. Dazu zählen etwa Kliniken, Polizei, Feuerwehr sowie Wasser- und Stromversorger und andere wichtige Bereiche des öffentlichen Lebens. Hintergrund ist die Sorge, dass eine drastisch steigende Zahl von Infektionen massive Personalausfälle nach sich ziehen könnte.

Besondere Regeln für Kliniken und Pflegeheime

Auch die Regeln für Infizierte selbst könnten sich ändern. Sie müssen sich bisher in der Regel mindestens 14 Tage isolieren. Künftig könnten sie ebenfalls die Möglichkeit haben, sich schon nach sieben Tagen freizutesten.

Für Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime soll allerdings gelten, dass infizierte Beschäftigte dafür auf jeden Fall einen PCR-Test machen und 48 Stunden symptomfrei sein müssen. So will die Politik diejenigen vor einer Ansteckung schützen, die in solchen Einrichtungen versorgt werden – also Klinik-Patienten oder Bewohner von Pflegeheimen.

Bundesweit 2G-plus in Gastronomie geplant

Ein weiterer Punkt, der in dem Papier genannt wird, betrifft alle, die Restaurants oder Cafés besuchen. Vorgeschlagen wird, bundesweit eine 2G-Plus-Regelung für die Gastronomie einzuführen. Das heißt: Zugang hätten nur noch Menschen, die geimpft oder genesen sind und zusätzlich ein tagesaktuelles negatives Testergebnis vorweisen können.

Wer ein drittes Mal geimpft ist, soll demnach auch ohne Test-Nachweis Zugang haben. Also selbst, wenn er unmittelbar Kontakt zu Omikron-Infizierten hatte, da er sich gar nicht in Quarantäne begeben muss (siehe oben).

In Bayern haben Ungeimpfte seit nun schon etwa zwei Monaten gar keinen Zutritt mehr zur Gastronomie.

Expertenrat hält Klinik-Überlastung für möglich

Der Beschlussvorschlag stütze sich auf eine Empfehlung des Corona-Expertenrats der Bundesregierung. Die Fachleute haben in ihrer zweiten Stellungnahme betont, dass sich die Auslastung von Intensivstationen weiter auf hohem Niveau befinde. Zwar sei die Zahl der Omikron-Infektionen in Deutschland bisher niedriger als in vielen anderen europäischen Staaten, jedoch nehme sie deutlich zu. Und da sich Omikron schneller ausbreite als Delta und deshalb die Fallzahlen rascher steigen könnten, sei aus Sicht des Expertenrats nach wie vor eine Überlastung des gesamten Gesundheitssystems möglich – zumindest in besonders betroffenen Regionen.

Quelle BR