Traurige Nachricht heute aus dem jüngsten Wochenbericht für die Stadt und den Landkreis Rosenheim

Die traurige Nachricht aus dem Corona-Wochenbericht vom heutigen Freitagnachmittag: Die Zahl der Todesfälle in Stadt und Landkreis Rosenheim hat sich verdreifacht. Dem Gesundheitsamt wurden 15 Personen (vor einer Woche fünf) gemeldet, die seit dem letzten Wochenbericht verstorben sind. Zwei Personen waren unter 60 Jahre und neun Personen waren über 80 Jahre. Sechs der verstorbenen Personen waren in einem Heim betreut worden.


Seit einer Woche sind in den Heimen in Stadt und Landkreis Rosenheim die Krankheitsfälle bei Mitarbeitern und Bewohnern weiter stark angestiegen. Dabei ist der Anteil der positiv getesteten, vollständig geimpften Bewohner beunruhigend hoch, meldet das Landratsamt heute.

So wurden in der letzten Woche in 19 Alten- und Pflegeheimen bei 116 Bewohnern (98 davon waren vollständig geimpft, 17 nicht geimpft, ein Fall nicht bekannt) Corona diagnostiziert.

Von 56 dort betroffenen Mitarbeitern waren 30 nicht geimpft, 20 vollständig geimpft, sechs unbekannter Status. Die Zahlen unterstreichen eindrücklich, dass dringend Auffrischimpfungen bei vollständig geimpftem Personal und Bewohnern erforderlich sind, wenn die letzte Impfung vor mindestens einem halben Jahr stattfand, so die Behörde.

Seit dem letzten Wochenbericht haben die Meldungen auch aus Schulen und Kitas erneut zugenommen, da die Ferien ja seit einer Woche vorbei sind: Es sind in 42 Schulen 100 und in 28 Kitas 43 positive Fälle aufgetreten, davon 13 Ausbrüche mit 22 Folgefällen.

136 Corona-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär in den Kliniken behandelt. Hiervon befinden sich 25 Patienten mit schweren Verläufen auf einer Intensivstation.
Die Inzidenz liegt mit Stand heute für die Stadt Rosenheim bei 470,19 – für den Landkreis Rosenheim bei 619,74 (wir berichteten bereits).

Nach Aussage des Ärztlichen Leiters Krankenhauskoordinierung, Dr. Michael Städtler, steigen die Belegungszahlen mit COVID-19 sowohl auf Normal-, als auch Intensivstationen weiter an und nähern sich dem Spitzenwert der zweiten Welle bei gleichzeitig weniger zur Verfügung stehenden Kapazitäten.

Ein gleiches Bild zeige sich im gesamten oberbayerischen Raum, so dass Abverlegungen im Umkreis nahezu nicht möglich sind. Auch Abverlegungen in weiter entfernte Regionen seien kaum noch möglich. Die Kliniken in der Region, vor allem im Intensivbereich, seien bereits an ihrer Leistungsgrenze.

Die Lage auf den Intensivstationen im RoMed-Klinikverbund ist nach Aussage der Geschäftsführung extrem belastend, die Kapazitäten der COVID-Intensivbetten seien ausgeschöpft, das Personal befinde sich an der absoluten Belastungsgrenze.

Die Behörde: Nunmehr müssten auch planbare Eingriffe verschoben werden. Es würden fast ausschließlich ungeimpfte Patienten intensivmedizinisch versorgt. Für den Winter sei zu erwarten, dass saisonbedingt die Infektionszahlen noch weiter ansteigen werden.

Die aufwändige Ermittlung und Nachverfolgung von Kontraktpersonen außerhalb des Haushalts der positiv getesteten Person könne von den Gesundheitsämtern, insbesondere in den Hotspotregionen, aufgrund der aktuellen Infektionslage nicht mehr bewältigt werden.

Gemäß Weisung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sei ein Strategiewechsel mit konsequenter Depriorisierung des Kontaktpersonenmanagements erforderlich.

Es werden daher vom Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim ab sofort Kontaktpersonen-Ermittlungen ausschließlich in Einrichtungen mit gefährdeten Personen, wie zum Beispiel Alten- und Pflegeeinrichtungen, Massenunterkünften und Kliniken, durchgeführt.

Kontakte im privaten Bereich außerhalb des Hausstands der positiv getesteten Person werden nicht mehr ermittelt.

Hierfür werde um Verständnis gebeten.

Die ermittelten Fälle und ihre Haushaltskontakte erhalten ein Schreiben des Gesundheitsamtes mit Handlungsempfehlungen. Die Fälle werden gebeten, ihre engen Kontaktpersonen (z.B. Freundeskreis, Arbeitsstätte) über das erhöhte Ansteckungsrisiko zu informieren und sie zu bitten, ihre Kontakte weitestgehend zu reduzieren sowie sich testen zu lassen.

Ein Testberechtigungsschein befindet sich auf der Homepage des Landratsamtes zum Download

(https://www.landkreis-rosenheim.de/corona-testzentrum-terminvereinbarung-wird-dringend-empfohlen/?findTab=#covid-19-corona-testungen-wo-kann-ich-was-erledigen).

Beim Auftreten von Symptomen sollen die Kontaktpersonen ärztlichen Rat einholen und sich testen lassen.

Bewertung des Infektionsgeschehens heute durch Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim:

„Ich sehe die Entwicklung vor dem bevorstehenden Winter mit großer Sorge. Auch durch die letzten Verschärfungen der 14. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung lässt sich in Regionen mit hohem Infektionsdruck, hoher Belegung auf den Intensivstationen und zu geringer Impfrate, wie in Stadt und Landkreis Rosenheim, das Infektionsgeschehen nicht deutlich abbremsen.

Wir fahren sozusagen weiterhin mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Winter.
Es ist jedoch unumgänglich, konsequent 2G-Regelungen einzuführen und Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen zu untersagen. Ich persönlich sehe darüber hinaus die Notwendigkeit, zusätzlich wirkungsvolle Kontaktbeschränkungen von Ungeimpften im öffentlichen Raum einzuführen. Ganz entscheidend wird aber die Wirksamkeit der 2G- und 3G plus-Regelungen von den Einlasskontrollen in den Einrichtungen oder bei den Veranstaltungen abhängen.
Das Ziel einer ausreichend hohen Impfrate in der Bevölkerung von 85 Prozent ist in Stadt und Landkreis Rosenheim in absehbarer Zeit nicht zu erreichen. Dieses Ziel ist eher eine Fata Morgana als eine realistische Option.

Wer aber nicht vollständig geimpft ist, wird sich unweigerlich infizieren und einige werden dabei schwer erkranken. Es steht zu befürchten, dass in der Region im Winter eine bislang noch nicht dagewesene Welle an Infektionen und Erkrankungen bevorsteht, die dann mit den zur Verfügung stehenden Infektionsschutzmaßnahmen nicht zu beeinflussen sein wird.

Dies wird zu einer weiteren Belastung und möglicherweise auch zu einem Kollaps der Kapazitäten der Intensivstationen in Stadt und Landkreis führen. Es wird aber auch dazu führen, dass das Gesundheitsamt aufgrund der Flut der täglichen Meldungen die Strategie der Einzelanordnungen gegenüber Indexfällen, Kontaktpersonen aber auch gegenüber Einrichtungen, wie z.B. Schulen und Kitas, Krankenhäusern, Heimen und Betrieben, nicht mehr leisten kann.

Ich verstehe die Sehnsucht der Bürgerinnen und Bürger auf ein ‚normales Leben‘ ohne Einschränkungen. Das hat dazu beigetragen, dass oftmals große Sorglosigkeit, manchmal auch Verweigerung, der Maßnahmen beim Umgang miteinander herrscht, Abstände werden oft nicht eingehalten und Masken nicht oder nur nachlässig getragen.

Das Ziel lässt sich nur über eine hohe Impfrate erreichen. So sinnvoll Testungen sind, sie tragen – so ehrlich muss man sein – nicht dazu bei, die Pandemie zu überwinden. Der Beitrag der Getesteten ist, dass die Person, wenn sie dann positiv getestet wird, für 14 Tage in Isolation geschickt wird.“

Die Fallzahlen aus den Gemeinden: