Edlinger Kirtaverein eroberte Südtirol

Mit vui Musi und Tanz, gstandene Plattler und de besten Boahakler und Maßkrugstemmer

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Schee war er wieder – der Vereinsausflug des Edlinger Kirtavereins. Das angesteuerte Ziel diesmal: Südtirol! Genauer gesagt das Ahrntal. Man reiste in die Heimat des Vereinsmitglieds Peter Marcher aus Reitmehring und so manche Überraschung wartete – immer dabei vui zünftige Musi, vereinseigene, gstandene Plattler (unser Foto) und fröhlicher Tanz. Dass am End‘ gleich zwei sportliche Goldmedaillen mit im Gepäck waren – von der Weiß Maria und dem Gottwald Werner errungen – damit hatte niemand gerechnet! Bayern gegen Südtirol quasi – unser Bericht …

Fotos: Renate Drax

Unser Foto zeigt von links die Plattler vom Edlinger Kirtaverein Uli Bauer, Tom Bacher, Martin Bacher (1. Vorstand – vorne), Sepp Krieger, Manfred Rosenauer und Werner Gottwald.

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4Sehr früh ging’s mit dem vollbesetzten Bus los – und mit da Musi: Wasti Mühlhuber war mit seiner Ziach scho am Morgen bestens drauf. Und nach einem bayerischen Weißwurst-Frühstück allerfeinst kam die fröhliche Gruppe – viele waren fesch in Tracht gekleidet – an einer ersten Besonderheit an: Einem Museumsfriedhof! Klingt a weng makaber, war aber für alle interessant und mit einem Weltfriedenskreuz und Weltfriedensglocken ergänzt, die erst wenige Tage zuvor feierlichst gesegnet worden waren.

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Die Inschriften der Grab-Kreuze zum Beispiel:

Christ steh still und bet a bissl
Hier liegt der Bauer Jakob Nissl.
Zu schwer musste er büßen hier,
er starb an selbstgebrautem Bier.
aus Innsbruck (alter Friedhof)

6Nach jahrzehntelanger Sammeltätigkeit in Nordtirol, Südtirol, Salzburg und Bayern durch
die Meistergenerationen Guggenberger – Sagzahn-Kunstschmiede – wurde dieser private
Museumsfriedhof im Jahre 1965 in mühevoller Arbeit angelegt.
Die Sprüche und die derb-herzlichen Lebensweisheiten auf den Schmuckstücken altehrwürdiger Schmiedekunst sind Zeugnisse des urwüchsigen Volkshumors im Alpenland. Doch die Inschriften regen auch zum Nachdenken an. Weil sie Einblicke in die Denkweise früherer Generationen geben und in den kargen und mühevollen Alltag in den Bergen.

60Der nächste Stop war mittags hoch oben am Berg: Schon von weitem roch es beim Wandern Richtung Almhütte – nahe Haidenberg bei St. Lorenzen – nach bestem frisch-gebackenem Brot (unser Foto): Jeder bekam vor dem Heimweg eins geschenkt von den Wirtsleuten. Aber erst – wie kannts anders sei – hod da Wirt selbst sauba aufgspuit in da gmiatlichen Wirtsstubn und vorm, zum oder nachm Essen is tanzt worn.

Vorm eigentlichen Zielort gab’s zudem dann noch die phantasievollste Krippenwelt Europas zu bestaunen! Im Jahr 2000 wurde in Luttach das Maranatha nach vierjähriger Bauzeit eröffnet. Im Blumengarten und auf gut 1.300 m² Ausstellungsfläche sind Kunstwerke aus verschiedenen Ländern ausgestellt. Wer sich Zeit nahm und aufmerksam beobachtete, erlebte die Entwicklung des Schnitzens von den Anfängen des Werkzeugmachens über das Wurzel- und Maskenschnitzen, bis hin zur heutigen modernen Bildhauerei im Ahrntal.

156Während der langen Winterabende wurde in den Stuben gebetet und gearbeitet.
In zwei großen Schaukästen vor dem Eingang zum Künstler-Atelier sind in fabelhafter Miniatur Gebrauchsgegenstände für Haus und Hof, eine Miniatur Mühle und Schnitzwerkzeug ausgestellt.  Erstaunt war man zu sehen, wie viele Werkzeuge die Bauern früher selber in mühevoller Handarbeit hergestellt haben.

Daneben zeigte eine Serie grob gearbeiteter Köpfe, wie sich die Schnitzkunst entwickelt hat. Hier konnte man die Kunst des Schnitzens vom rohen Block zum feinen Gesichtsausdruck nachvollziehen. Die Schnitzkunst hat sich über Jahrhunderte aus der handwerklichen Begabung der Talbewohner und aus der Notwendigkeit entwickelt, dass Bauern mit ihren Knechten praktisches Werkzeug für den Alltag formen und herstellen mussten.

Im Bildhauer-Garten steht ein über 500 Jahre alter Zirbelstamm mit vielen Verzweigungen. Er symbolisiert die Natur als beste Bildhauerin. Der Baumstamm wurde an der Waldgrenze, auf gut 2000 Metern gefunden.

11Ahrntaler Bauern besitzen und besaßen entfernt gelegene Almgebiete, wo sie den Sommer hindurch ihr Vieh alpten. Hirten passten auf das Weidevieh auf, dass es sich nicht verstieg oder in fremde Weiden gelang. Diese Beschäftigung erlaubte es den Hirten, aus den umliegenden Wurzeln und Holzstöcken verschiedenste Grimassen und Masken zu schnitzen. Geschnitzt wurde mit einfachen Taschenmessern, denn ein solches hatte jeder Hirte bei sich.

Es gab wahrlich viel zu bestaunen. Und Sie ahnen es: Da urige Schnitzer hod dann selbst aufgspuit mit da Ziach und da Wasti dazua und – eh klar – tanzt is worn!

159Beschwingt wurde am Spätnachmittag beim Ahrner Wirt in Sankt Johann mitten im schönen Südtirol eingecheckt.

Singa, tanzen und a Gaudi ham – das war ganz bsonders das Motto des Abends, an dem auch so manche Südtiroler teilnahmen.

Und die Krönung war neben dem guadn traditionellen Essen, neben a Reihe Musikanten und den Auftritten der Edlinger Schuaplattler noch sportliche Wettkämpfe: Peter Marcher moderierte, die Damen prüften sich beim Boahakln auf dem Boden, die Herren beim konzentrierten Maßkrugstemmen! Es wurde immer lustiger!

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218Sowohl Maria Weiß, als auch Vereins-Vizevorstand Werner Gottwald (unser Foto) sackelten die Siege komplett für Bayern ein – mit vui Schwung und vor allem Kraft! Da staunte Südtirol. Platz zwei holte bei den Herren zudem Martin Jansen für die bayerische Abordnung und Bronze ging bei den Damen auch noch an Johanna Mayer für den Edlinger Kirtaverein!

Es wurde noch lustiger – gemeinsam wurde weiter gefeiert, das schöne Land Südtirol besungen – bis zum frühen Morgen …

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260Tag zwei!

Dieser begann ruhig oder mit einer Reparatur-Hoibn (siehe Foto).

Da ‚Schnitzer-Klaus‘ wartete am Vormittag in seiner Werkstatt auf die Edlinger Delegation mit interessanten Einblicken und humorvollen Ausblicken. Er ließ nicht nur fünf Scheinheilige auftreten – mehr verrat ma ned.

Wartete doch auch noch ein Pustertaler-Ritteressen auf den Kirtaverein auf dem Ansitz Kandelburg. Verkleidet als Burgfräuleins oder Burgherren gab’s ritterliche Spezialitäten unterm Kellergewölbe und natürlich a Musi dazua.

 

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100Die Heimfahrt – wos soi ma sogn, nomoi sehr kurzweilig.

Dem Südtiroler im Edlinger Verein, dem Marcher Peter (unser Foto), galt ein tosender Applaus zum Abschluss im Bus für zwei so besondere Tage in seiner Heimat. Berührend hatte er allen auch immer wieder einen Einblick in seine ganz persönlichen Heimat-Erinnerungen gegeben und vieles über Südtirol und seine Traditionen erzählt.

Der Kirtavereins-Vorstandschaft mit Martin Bacher und Manfred Rosenauer als Hauptorganisatoren galt am Ende ebenso der besondere Dank aller Teilnehmer des Ausflugs. Denn: Erlebnisreich war’s und ganz bsonders schee!

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