Wasserburgerin schenkt Chance auf neues Leben

Auszeichnung bei Meggle: Stammzellen-Spenderin (22) half selbstlos 58-jährigem Briten

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Andrea Jurochnik_kkBlutkrebs – alle 16 Minuten erhält in Deutschland ein Patient diese Diagnose. Ob Kind oder Erwachsener, niemand ist vor dieser bösartigen Krankheit sicher. Und jeder kann helfen! Denn durch eine Stammzellen-Spende erhalten Blutkrebspatienten eine echte Heilungschance. Die liegt sage und schreibe bei 80 Prozent – wenn ein geeigneter Spender gefunden wird. Wie zum Beispiel kürzlich bei der erfolgreichen Typisierungsaktion des FC Grünthal für Heinz Wagner (wir berichteten ausführlich).  Einem 58-jährigen Briten, der an Blutkrebs leidet, schenkte jetzt die Wasserburgerin Andrea Jurochnik (22), sie ist Mitarbeiterin der Firma Meggle, die Chance aufs Überleben. 

Andrea Jurochnik war 2013 im Internet auf das lebensrettende Spenden von Stammzellen aufmerksam geworden. „Helfen kann so einfach sein, dachte ich mir, als ich das las.“ Sie informierte sich, gab schließlich per Post eine Gewebeprobe ab. Zwei Jahre später war es soweit: Andrea Jurochnik wurde zur Stammzellenspenderin. Dafür gab es jetzt im Rahmen einer kleinen Feierstunde bei ihrem Arbeitgeber eine gebührende Anerkennung. Extra aus Köln angereist war Christina Neumann von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), einer der Organisationen, die sich um Spender kümmern.

Die DKMS als gemeinnütziges Unternehmen hat es sich seit 1991 zur Aufgabe gemacht, möglichst für jeden Patienten einen passenden Spender zu finden. Weltweit hat sie 5,5 Millionen potenzielle Stammzellenspender registriert. Seit ihrer Gründung konnte über 50.000 erkrankten Menschen eine Chance aufs Überleben gegeben werden. Doch es gibt immer noch ein Problem: „Derzeit finden wir nur in vier von fünf Fällen einen passenden Spender“, so Christina Neumann. „Aber wir geben nicht auf, diese Quote zu maximieren.“

Die Registrierung, Untersuchungen und schließlich die Spende sind zwar etwas aufwändig, für Andrea Jurochnik war dennoch schnell eines klar: „Ich will helfen.“ Sie kam schließlich durch ihre Gewebeprobe, die man übrigens mit einem Wattestäbchen aus dem Speichel entnimmt, in die engere Auswahl für einen Patienten aus England.

Bei der folgenden „Feintypisierung“ stellte sich heraus, dass die Wasserburgerin tatsächlich ein so genannter genetischer Zwilling ist. „Zehn von zehn Gewebemerkmale passten mit denen des Patienten überein. Damit kam sie für eine Stammzellenspende in Frage“, so Christina Neumann von der DKMS.

Im Juli 2015 war es dann soweit: Die 22-Jährige fuhr nach Dresden, wo eine „periphere Stammzellenentnahme“ vorgenommen wurde. „Die Stammzellen werden übrigens nicht wie oft fälschlich vermutet aus dem Rückenmark, sondern meistens übers Blut entnommen.“

Und das funktioniert so: Der Spender wird an eine so genannte „Apheresemaschine“ angeschlossen. Dabei werden in die Arme Kanülen gesetzt. Auf der einen Seite wird Blut entnommen und die Stammzellen werden herausgefiltert, auf der anderen Seite fließt das Blut wieder in den Körper zurück. Das dauert in der Regel ein paar Stunden. „Bei mir waren’s drei“, erinnert sich die Spenderin. „Davon hab‘ ich gar nicht viel mitbekommen. Wir haben nebenbei Filme angeschaut.“ Danach sei sie zwar ein bisschen geschlaucht gewesen, „sonst hab‘ ich aber keine Nebenwirkungen gespürt“.

Dem Patienten ergeht es da anders

Ein paar Tage vor dem Eingriff wird mittels einer hochdosierten Chemotherapie sein gesamtes Knochenmark zerstört, damit das neue ansetzen kann. „Das ist der entscheidende Moment. Wenn es jetzt nicht innerhalb kürzester Zeit zu einer Spende kommt, stirbt der Patient“, so Christian Neumann. Eine Belastung für den Spender. In dieser Phase sollte ihm nichts passieren. „Natürlich wird niemand zu einer Spende gezwungen. Kurz vor dem Termin ist die moralische Verpflichtung bei den Spendern aber doch meistens so hoch, dass niemand mehr zurücktritt.“

Und das tat auch Andrea Jurochnik nicht, die jetzt für ihre Spende von der DKMS ausgezeichnet wurde. Sie sei erleichtert gewesen, dass alles gut geklappt habe, und glücklich, dass sie helfen konnte. Jetzt müsse sie aber abwarten. „Der Kontakt mit dem Patienten ist erst nach einiger Zeit möglich. Und auch nur dann, wenn dieser das wünscht. Ich drücke meinem Patienten, der sich aktuell in der Aufbauphase nach der Transplantation befindet, natürlich die Daumen.“ Jurochniks Fazit: „Ich würde das Ganze jederzeit wieder machen.“

Bei der Übergabe der Urkunde würdigte Christian Sedlatschek, Finanzvorstand der Meggle AG, das große persönliche Engagement von Andrea Jurochnik, die in der Abteilung „Human Ressources“ tätig ist. „Wir haben lange Zeit gar nicht gemerkt, was Frau Jurochnik da in ihrer Freizeit für eine tolle Aktion gestartet hat. Wir sind stolz, eine solche Mitarbeiterin zu haben. Sie verdient unseren größten Respekt.“

HC

Andrea Jurochnik

Foto (von links): Christian Sedlatschek, Vorstand Finanzen der Meggle AG, Christina Neumann, Andrea Jurochnik und Meggle-Personalchefin Doris Kollmannsberger. 

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