Was die Großeltern noch konnten

Zum Brauchtum vergangener Zeiten - Heute: Fässer bauen in Wasserburg!

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Beim Bauern Milch holen, Socken stopfen, ein Feld mit der Hand pflügen – Oma und Opa wussten sich noch selbst zu helfen! ,,Was die Großeltern noch konnten“, so heißt unser Serie rund um die Handwerkskünste, Bräuche und Gepflogenheiten der Generation der Großeltern. In der heutigen Ausgabe berichtet Max Holbl von seinem Beruf als letzter Schäffler in Wasserburg …

Küfer, Kuper, Fassbinder, Böttcher, Schäffler – das Handwerk, bei dem Fässer aus Holz hergestellt und mit Metallreifen beschlagen werden, hat in Deutschland viele Namen. Leider ist es heutzutage nur noch in wenigen Gegenden zu finden, da die Umstellung auf schnellere und kostengünstigere maschinelle Prozesse die handwerkliche Herstellung von Fässern überflüssig machte.

Bild oben: Die letzten Schäffler in Wasserburg, 1977 (von links nach rechts: Heini Fürbeck, Hans Kirmair, Max Holbl, Emil Wollmann)

Max Holbl erlernte den Beruf des Schäfflers 1951 am Heisererplatz in Wasserburg im Betrieb der Familie Kirmair – auf unserem Titelbild ist er mit seinem Lehrmeister Hans Kirmair und Hund Struppi zu sehen. „Eigentlich wäre ich gerne Mechaniker geworden“, erinnert sich der 80-Jährige. Doch der Mangel an Arbeitsplätzen in den fünfziger Jahren ließen ihm keine Wahl, und so lernte Holbl den Schäfflerberuf schnell kennen und lieben.

„Wenn man ein Fass herstellen möchte, muss man alles über den Gebrauchszweck und das Holz, das man verwenden möchte, wissen“, erklärt der erfahrene Schäffler. „Fässer, die beispielsweise für die Lagerung von Bier verwendet werden, werden aus Eichenholz gefertigt. Dieses ist stabil und wasserbeständig. Fällt man es zum richtigen Zeitpunkt, hält es beinahe ewig.“ Für Jauchefässer, die in der Landwirtschaft verwendet wurden, würde Fichtenholz verwendet werden, weiß der Fachmann.

Pro Zentimeter Stärke werden die Eichenbretter je ein Jahr luftgetrocknet, bevor die sogenannten „Fassdauben“ dann mit großen Eisenringen in die gewünschte Form gebracht werden. Holbl weiter: „Damit sie ihre Form beibehalten, werden die Dauben gedämpft. Die Bretter werden mit großen, starren Eisenringen aneinander gelegt. Dann wird ein Feuerkorb in die Mitte der Bretter gestellt und regelmäßig mit Wasser benetzt. In der Regel dauert es einen ganzen Tag, bis die Dauben ihre endgültige Form haben.“

Am Tag nach dem Dämpfen werden die Bretter „starr“ gefeuert – es wird also wieder ein Feuerkorb in der Mitte des Fasses aufgestellt, der diesmal ohne Wasser die Feuchtigkeit aus den Dauben heizt.

„Das Fass wird dann innen und außen glatt gehobelt und die Arbeitsreifen werden durch neue Metallreifen ersetzt“, weiß der erfahrene Schäffler. Um sie von innen dicht und haltbar zu machen, werden sie mit einer Schicht aus Pech, Harz und Terpentin „gepicht“ – dies wird in der Regel jedes halbe Jahr wiederholt, um die Qualität des Fasses aufrecht zu erhalten.

Bild rechts und links oben: Herstellung eines Essigfasses für die Firma Burkhardt, 1957

Als um 1963 die Brauereien begannen, auf Bottiche aus Aluminium und die Bauern auf Kunststoffbehälter umzusteigen, kam es zum sogenannten „Schäfflersterben“ – das Handwerk wurde nicht mehr benötigt und starb langsam aus. Max Holbl wechselte für zwölf Jahre in die Montage, um sich anschließend für die letzten 40 Jahre einer anderen Passion hinzugeben: Dem Omnibus-Fahren.

Doch als Witgar Neumaier und sein Sohn zur Jahrtausendwende damit begannen, die Wasserburger Bierkatakomben für Besucher zugänglich zu machen und zu gestalten, war Holbls Können als Schäffler gefragt: „Wir holten uns Fässer aus der Region – beispielsweise spendete das Bräustüberl Ametsbichler in Aschau drei Stück – bauten diese auseinander, zurrten sie auf den Transporter und bauten sie im Bierkeller wieder auf.“ Die harte Arbeit hatte sich gelohnt: Als die Bierkatakomben 2002 von den „Kellerfreunden“ für Besichtigungen eröffnet wurden, sorgten die neu aufgebauten und restaurierten Fässer für den charakteristischen Charme.

Bild oben: Die „Kellerfreunde“ holen in gemeinsamer Arbeit die gespendeten Fässer aus Aschau

Die „Kellerfreunde“ sind für Max Holbl (Foto links) heute die letzte Verbindung zu seinem ehemaligen Beruf – wenn er selbst die Führung hält, lässt er die Gäste gerne an seinem Fachwissen über die traditionelle Herstellung von Holzfässern teilhaben.

Die beliebten öffentlichen Führungen in den Wasserburger Bierkatakomben finden ein- bis zweimal im Monat statt, die letzte Führung in diesem Jahr ist am Samstag, 30. Dezember, um 10 Uhr. Mehr Informationen zu den „Wasserburger Kellerfreunden“ und ihren historischen Führungen gibt es unter www.wasserburg.de/de/bierkatakomben und bei der Gäste-Info der Stadt Wasserburg.

HF

Bildergalerie: Max Holbl und die „Kellerfreunde“ restaurieren die Fässer für die Bierkatakomben (Bilder: Max Holbl. Titelbild: Stadtarchiv Wasserburg a. Inn, Bildarchiv, VI 1b)

 

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Ein Gedanke zu „Was die Großeltern noch konnten

  1. Danke Max, ohne Deine Erfahrung und Engagement würden in den Wasserburger Sommerbierkeller keines der beintruckenden Lagetfässer zunSehen sein. Du hast in vielen Stunden zusammen mit Heini Kurz diese Fässer in den Keller eingebracht , ausgebessert und wieder zusammen gebaut.

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