Sperrstunde: Protest und Stellungnahmen

Weiterhin viel diskutiertes Thema in der Altstadt - Auch betroffener Wirt nimmt Stellung

image_pdfimage_print

IMG_0291 Die Diskussion um die Einführung der Sperrzeit in der Wasserburger Altstadt, über die der Stadtrat am Donnerstag, 26. November, entscheiden will, reißt nicht ab. Am Wochenende demonstrierten rund 150 junge Wasserburger, politisch Engagierte und Wirte gegen das Vorhaben (Foto vom Treffen am Bahnhof). Die Linken haben mittlerweile eine Unterschriftenaktion gestartet, der Wasserburger Block, Antragsteller zur Sperrzeit, nochmals eine Stellungnahme abgegeben. Und auch ein betroffener Wirt meldet sich zu Wort.

425411_436124606443545_821425452_nCarlos Santos, Gastronom in der Herrengasse, nahm für seine Kollegen Stellung: „Was mich ärgert, ist die Tatsache, dass jetzt so getan wird, als seien wir die alleinigen Schuldigen. Seit der Einführung des Rauchergesetzes stehen die Leute halt auch nachts auf der Straße. Wohin sollen sie denn bitte gehen? Ich bin fast 14 Jahren an der selben Stelle mit meiner Bar. Die ersten neun Jahre hatte ich 365 Tage offen, keinen einzigen Tag zu. Da gab’s kaum Ärger. Jetzt hab‘ ich nur noch Donnerstag, Freitag und Samstag offen – viel kürzer also und dennoch gibt’s jetzt wieder Beschwerden.“

Eins der größten Probleme im Bereich Herrengasse-Marienplatz sei der neue Taxiplatz an der Ecke Schmidzeile-Bruckgasse. „Jeder, der ein Taxi braucht, geht da hin. Beim Warten auf das Taxi wird dann noch mal richtig Party gemacht. Vielleicht könnte man da mal über eine Änderung nachdenken.“

Gegen die Sperrzeitregelung demonstrierten am Samstag rund 150 Wasserburger. Nach den Terroranschlägen von Paris allerdings viel leiser als geplant. Dennoch zeigten die Teilnehmer mit Transparenten wie „Altenheim statt Altstadt“ und „Stoppt die Sperrzeit“ klar Flagge.

Und auch die Linke Liste Wasserburg hängt sich in Sachen Sperrzeit rein. Sie unterstützte die Demonstration und startete eine Unterschriftenaktion für den Erhalt eines lebendigen Nachtlebens in Wasserburg. Innerhalb von 24 Stunden trugen sich über 350 Wasserburger ein. „In allen Lokalen in Wasserburg liegen Listen aus“, so Christian Peiker, Ortsvorsitzender der Wasserburger Linken.

JokischSophia Jokisch, Stadträtin der Linken Liste (Foto) erklärt: „Auch im Stadtrat werde ich mich klar gegen die Sperrstunde aussprechen. Es ist ein Unding, dass nur wegen zwei bis drei schwarzen Schafen alle Wirte in der Altstadt bestraft werden sollen. Eine Sperrstunde halte ich für kontraproduktiv. Eventueller Lärm würde dann noch mehr auf die Straßen verlagert und Ruhestörungen sich schlechter überwachen lassen.“

Wer selbst mit sammeln wolle und Listen brauche, könne diese in den nächsten Tagen auch unter www.linkelistewasserburg.de herunterladen.

 

 

Ihren eigenen Standpunkt und den Grund für ihren Antrag, eine Sperrzeitregelung einzuführen, haben die Verantwortlichen beim Wasserburger Block nochmals in einem Schreiben an die Redaktion der Wasserburger Stimme dargelegt.

Wasserburger Block: „Anonyme Angriffe sind armselig!“

Nicht ganz überraschend seien die sehr unterschiedlichen Äußerungen, die die Stadträte bisher zu dem Antrag auf Änderungen der Sperrzeit im Altstadtgebiet erreicht hätten. „Leider gibt es immer wieder Bürger, die einen Aspekt der Demokratie im Verfassen anonymer elektronischer Nachrichten sehen. Wir finden es eher armselig, unfreundliche, persönlich verletzende Äußerungen loswerden zu müssen, ohne mit Namen dazu stehen zu können“, so Karin Heienbrock, eine Sprecherin des Wasserburger Blocks.

Da kommunale Politik Gesichter und auch Statements brauche, um Denkanstöße überhaupt entwickeln zu können und somit eine lebendige Debatte in einer, Gott sei Dank, doch sehr lebendigen Stadt auszulösen, seien nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen-Themen nötig.

Zu dem kontrovers diskutierbarem Thema gibt Karin Heienbrock nochmals folgende Stellungnahme ab:

„Dem Wasserburger-Block geht es nicht um Bevormundung der Wirte oder um Aussperren der Jugendlichen aus der Stadt, auch ein ,Hochklappen der Gehsteige‘ ist nicht das Ziel.

Mir persönlich, den weiteren „Blocklern“, und auch den beiden Stadtratskollegen geht es um ein gutes Miteinander, mit respektvollem Umgang fremden Eigentums (Blumenkübel, Hauswände, Gehwege etc.) und Respekt vor den Anwohnern der Stadt, gern auch nach 24 Uhr.

Wie bereits vielfach gehört und gelesen, wurden bereits viele verschiedenste Versuche sehr unterschiedlicher Gruppierungen zur Befriedung des Problems unternommen. Bisher konnten die Stadtverwaltung, die Polizei und auch die betroffenen Anwohner (städtebaulich können das logischerweise nicht alle Altstadtbewohner sein) keine längerfristigen Erfolge erzielen.

Klar, es gibt wie meist, auch hier nur einige Wenige, die das das schlechte Bild aller Beteiligten prägen. Um nicht alle Gäste als Ruhestörer dastehen zu lassen und um nicht alle Wirte als unkooperativ, scheint es doch nur die ,legislative‘ Lösung zu geben, da Freiwilligkeit hier seit Jahren nicht ausreicht.

Eine Festlegung der Sperrzeiten ist zudem nötig, um tatsächliche Rechtsverstöße wie massive Ruhestörung und Vandalismus ahnden zu können. In diesem Sinn wünschen  wir  „Blockler“ dem Stadtrat bei der anstehenden Diskussion Augenmaß und Beherztheit.“

HC

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Gedanke zu „Sperrstunde: Protest und Stellungnahmen

  1. Maximiliane Schulz

    Dass die Wirte jetzt ihre Truppen mobilisieren und auf die Strasse schicken, war doch zu erwarten. Schließlich geht es um viel Geld. Klar macht die Linke da mit.

    Natürlich hatte Herr Carlos Santos keine Probleme mit den Anwohnern in den ersten neun Jahren seines Wirkens. Erst als er vor ca.5 Jahren eine Disco einrichtete, wurde es richtig laut und die Discofees und Testosteronbomber – von Alkohol und ähnlichem aufgeheizt – randalieren nachts auf dem Marienplatz und zwar von drei bis sechs Uhr.
    … bisher gab es erzwungene Rücksicht nur von den Anwohnern. Die Discogänger und Trunkenbolde haben sie sich einfach genommen. Ob das ohne Sperrstunde jemals anders wird?

    0

    0
    Antworten