Eine „Überraschung aus Beton“

Ein Blick in die spannende Baugeschichte Wasserburgs

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schule3K2Vor einigen Monaten tauchte beim Abriss der alten Turnhalle der Mittelschule unter der alten Halle ein weiteres Fundament auf. Mittlerweile sind die dicken Betonbrocken entfernt, deren Entsorgung für jede Menge Krach auf der Baustelle sorgte. Doch um was für Bauteile handelte es sich bei diesen unter der Turnhalle befindlichen Fundamenten überhaupt? Das Stadtarchiv wollte dieser Frage nun einmal nachgehen…

Schon Anfang der 1960er Jahre begannen die ersten Planungen und Voruntersuchungen zum Bau einer neuen Volks- und Hauptschule am Klosterweg. Der erste im Stadtbauamt entstandene Grundrissplan stammt von 1962, ein Ideenwettbewerb wurde 1964/65 durchgeführt. Die Planungen des Schulbaus durch das Stadtbauamt sahen anfangs eine Einbeziehung des ehemaligen Kapuzinerklosters vor, schließlich jedoch wurde das Vorhaben verworfen. Die ersten Lagepläne dieser städtischen Entwürfe befinden sich heute neben tausenden anderen technischen Plänen und Zeichnungen im Stadtarchiv.

Archivalie des Monats November 2013: Lageplan „Gerbl-Kloster“ mit erster Grundrissplanung des Schulneubaus am Klosterweg durch Stadtbaumeister Bendner unter Einbeziehung des Klosterbaus, 1964. Stadtarchiv Wasserburg am Inn, V180-a (=Voruntersuchung zum Hauptschulneubau am Klosterweg auf dem Gelände des ehemaligen Gerblklosters, 1964). Zu diesem Lageplan gehören auch Aufmaße des ehemaligen Kapuzinerklosters und Überlegungen zur Einbeziehung des Gebäudes in den Schulbau.

Archivalie des Monats November 2013: Lageplan „Gerbl-Kloster“ mit erster Grundrissplanung des Schulneubaus am Klosterweg durch Stadtbaumeister Bendner unter Einbeziehung des Klosterbaus, 1964. Stadtarchiv Wasserburg am Inn, V180-a (=Voruntersuchung zum Hauptschulneubau am Klosterweg auf dem Gelände des ehemaligen Gerblklosters, 1964). Zu diesem Lageplan gehören auch Aufmaße des ehemaligen Kapuzinerklosters und Überlegungen zur Einbeziehung des Gebäudes in den Schulbau.

Auf dem Lageplan des Stadtbauamtes aus dem Jahr 1964 lässt sich unter anderem erkennen, dass zur ursprünglichen Planung des Schulbaus ein „Hallenfreibad“ gehörte, was auch als Lehrschwimmbecken dienen konnte und ursprünglich im Norden des Grundstückes am Innufer vorgesehen war. Neben der Planung des Schulgebäudes und dem Bau einer Turnhalle wurde das Vorhaben, ein Lehrschwimmbecken zu errichten, auch bei den nachfolgenden Bauplanungen der Volksschule weiter verfolgt – jedoch an anderer Stelle, nämlich unter der Turnhalle.

1965 verwarf die Stadt nach einem Ideenwettbewerb die ursprüngliche Gebäudeplanung. Im dazugehörigen Plan des Wettbewerbsgewinners erkennt man die heutige Struktur der Schule. Die ursprüngliche Schulplanung wurde, wie man an den Planserien des Archivs sehen kann, erheblich verändert. Die vier bzw. fünf Gebäude-Blöcke, die Stadtbaumeister Bendner vorgesehen hatte, wurden mit der Planung, die der Ideenwettbewerb hervorbrachte, durch ein modern gegliedertes Schulhauskonzept ersetzt. Für die Umsetzung dieser Planung musste jedoch das ehemalige Kapuzinerkloster, vielen Wasserburgern auch als Gerblkloster bekannt, weichen. Im März 1966 wurde als Sieger des Architektenwettbewerbes Max Breitenhuber aus München mit dem Bau beauftragt, noch im selben Jahr erfolgte der Abriss des Klosters.

1967 begannen die Bauarbeiten für den Schulbau, 1968 waren bereits Teile des Rohbaus errichtet und erste Unterrichtsstunden wurden ab September 1969 abgehalten. In zeitlicher Überschneidung mit der Fertigstellung der neuen Schule trat eine Neuordnung des bayerischen Volksschulwesens in Kraft. Sämtliche Bedürfnisse der nun hier einziehenden gemischtgeschlechtlichen 14-klassigen Hauptschule konnten zur Planungszeit noch gar nicht bekannt sein.

Nach Erinnerungen des damaligen Stadtkämmerers Georg Weinmann wurde nach dem Ideenwettbewerb zunächst auch noch an der Planung eines Lehrschwimmbeckens festgehalten, welches als Hallenbad unter der in diesem Jahr abgerissenen Turnhalle errichtet werden sollte.

Erst nachdem die Rohbauarbeiten für den Schulbau 1968 bereits begonnen hatten, entschied die Stadt, nochmals Änderungen an der Planung vorzunehmen. Der Grund – Stadtkämmerer Weinmann erinnert sich – war folgender: „Während die Bauarbeiten des Schulneubaus schon begonnen hatten, wurde das Gelände nochmals überplant. Es hatte sich nämlich im Jahr 1968 ein Wasserburger Hallenbadverein begründet , der sehr aktiv für den Bau eines öffentlichen Hallenschwimmbades eintrat, welches allen Wasserburger Bürgern zur Verfügung stehen sollte.“ Stadtkämmerer Weinmann war Schatzmeister dieses Vereins und die Kommunalpolitik unterstützte die Bestrebungen, ein öffentliches Hallenschwimmbad zu errichten: „Die ersten Überlegungen sahen bereits vor, das Hallenbad dort zu bauen, wo heute das Badria steht. Wir waren uns jedoch sicher, dass das Vorhaben des Baus eines Schwimmbades nicht umzusetzen gewesen wäre, wenn man an der neuen Volks- und Hauptschule nun bereits ein Schwimmbad gehabt hätte. Während also der Ruf nach einem eigenen Hallenbad für die Wasserburger immer lauter wurde, entschloss die Stadt sich kurzerhand, auf den Einbau des Lehrschwimmbeckens, das für die Bevölkerung nicht nutzbar gewesen wäre, zu verzichten und hier anstatt dessen, eine Schulaula unterzubringen.“

„Diese späte Umplanung“, so Weinmann, „ließ sich bis zuletzt an der niedrigen Decke der Aula unterhalb der Turnhalle der Hauptschule erkennen, wo einst das Schwimmbecken geplant war.“

Die Schulaula unter der 2013 im Zuge der Sanierung der Mittelschule abgerissenen Turnhalle kurz nach ihrer Fertigstellung 1969. Foto aus: Stadt Wasserburg a. Inn, Volksschule Wasserburg am Inn, Festschrift zur Einweihung der neuen Volksschule in Wasserburg am Inn am 18. März 1970.

Die Schulaula unter der 2013 im Zuge der Sanierung der Mittelschule abgerissenen Turnhalle kurz nach ihrer Fertigstellung 1969. Foto aus: Stadt Wasserburg a. Inn, Volksschule Wasserburg am Inn, Festschrift zur Einweihung der neuen Volksschule in Wasserburg am Inn am 18. März 1970.

Mit diesen Umplanungen der Schule zu einem Zeitpunkt, als der Bau schon in vollem Gange war, könnten auch die kürzlich unter der jetzt abgerissenen Turnhalle befindlichen Fundamente in Verbindung gebracht werden, die damit ein Zeugnis der ersten Bauphase der Schule wären, als der Komplex just in time nochmals Veränderungen während des Baus erfuhr. Stadtbaumeisterin Herrmann hält auch für möglich, dass sich das ursprüngliche Fundament der Turnhalle schon während des Baus aufgrund des schlechten Baugrundes als statisch unzureichend herausstellte und dann relativ kurzfristig nochmals verstärkt werden musste.

Die Planüberlieferung des Stadtarchivs gibt hierzu keine genaue Antwort, nicht einmal das ursprünglich geplante Lehrschwimmbecken ist auf den überlieferten Plänen auszumachen, was uns zeigt, dass nicht jede Frage eindeutig durch archivalische Überlieferung geklärt werden kann. Die bisher ausgewerteten städtischen Bauakten dieser Zeit sind bereits zugänglich, liefern jedoch ebenfalls keine weiterführenden Hinweise.

Einige Änderungen während der Bauphase scheinen einfach nur mündlich vereinbart worden zu sein und sind daher heute nicht mehr genau nachvollziehbar. Die im Archiv vorhandenen Flurpläne aus der Zeit vor dem Bau der Schule und aus der Planungszeit zeigen jedenfalls für das Turnhallengelände keinerlei Vorgängergebäude, die man den Betonteilen zuordnen könnte. Dies unterstützt die Theorie, dass die beim diesjährigen Abbruch auftauchenden zusätzlichen Fundamentbetonteile mit den Umplanungen Schwimmbad/Aula bzw. der Verstärkung des Fundaments der Turnhalle nach Baubeginn in Verbindung stehen. Die Abweichungen von der auf Papier festgehaltenen Planung der jetzigen Mittelschule kann Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann, während sie zurzeit die aktuell größte städtische Baustelle betreut, sehr gut nachvollziehen, denn Überraschungen am Bau hat sie schon einige erlebt.

Der Hallenbadverein übrigens unterstützte nach seiner Gründung beständig den Bau eines öffentlichen Hallenschwimmbades, welches schließlich 1978 mit dem Badria realisiert wurde. Eine Aktion des Vereins war, „Bausteine“ in Form von Porzellanschälchen mit Wasserburger Motiven an die Bevölkerung zu verkaufen und das eingenommene Geld für den Bau des Schwimmbades zu verwenden.

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Aufmacher-Foto: Der Hallenbadverein während des Verkaufs von „Badria-Bausteinen“ 1975 auf dem Marienplatz. Rechts im Bild, Bürgermeister Dr. Martin Geiger, links Stadtkämmerer Weinmann. Bemerkenswert: Am Schild des Bosna-Standes hat sich bis heute nichts geändert. Foto Stadtarchiv.

 

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