Der Mani, die Ummara und ich

Das Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (VII)

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Fashion models. Sketch.Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Wochen da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. Zum Beispiel: Wie man die Bekanntschaft von der Ummara“ macht. Immer freitags wird Frau Sander jetzt von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin berichten. Ihr neuester Bericht auf www.wasserburger-stimme.de:

Wie lange kennen wir uns jetzt eigentlich schon? Zwei Monate plus minus. Und, was haben Sie für einen Eindruck von mir? Bin ich eine gute Neubürgerin oder würden Sie mich am liebsten unfrei nach Münster zurücksenden? Wohl wahr, gelegentlich betrinke ich mich. Manchmal schneide ich die Wurst zu dick und hin und wieder kommt es auch noch vor, dass ich die Semmel „Brötchen“ nenne. Nicht gerade schmeichelhaft für mein Neubürger-Image, ich weiß. Nur ungerne erinnere ich mich an den Abend vergangene Woche…

Aber wissen Sie was, so sinnlos war mein Besäufnis gar nicht. Denn, stellen Sie sich vor, am Montag bekam ich einen Anruf….

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Montag ist mein freier Tag. Der Tag ohne Wurst, der Tag an welchem ich dem dreisten Bankberater nicht in die Augen schauen muss, der Tag an welchem es nur für mich ein bisschen mehr sein darf. Montag ist mein Schontag und es ist auch der Tag an dem mein Telefon klingelte. „Hiltrud Sander, guten Tag“. Immer schön brav den Namen sagen, so hatte ich das von zu Hause gelernt. „Ja griasdi, servus, Hille! I bin´s, da Mani“. Mani? Kenne keinen Mani. „Sander hier“, antworte ich streng, „mit wem möchten Sie sprechen?“.

Es kann sich nur um ein Versehen handeln. Ich kenne keine Manis, kein Mensch kennt mich und mein Telefon schweigt seit Wochen. „Ja Hille, sog amoi, mia ham uns doch am Freitag im Queens kennaglernt.“ Autsch, Alarmstufe rot, soviel weiß ich noch: Das Queens war die letzte Station meiner promillischen Kneipentour …und der Ort, an welchem meine Erinnerung keinen Platz mehr fand. „Ahhhhh, Maaaaaniiii, aber klar doch, ich erinnere mich!“ In der Hoffnung, an jenem fatalen Freitag nicht zu sehr aus der Rolle gefallen zu sein, frage ich mutig: „Mensch Mani, toller Abend, wie lange ging es denn noch bei dir?“ Schadenfrohes Glucksen an der anderen Leitung. „Ja sauba, sog i! Mia samma doch gemeinsam ummara fünfe hoamganga?“

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Mir wird heiß, mein Puls rast und ich frage mich, wer um Himmels Willen diese Ummara ist. Mani, ich und Ummara sind also gemeinsam heimgegangen… ach du Schande…ein flotter Dreier gar? „Ich war meines Wissens schon drei Stunden früher weg“, stammle ich erwartungsvoll. Mani bleibt gelassen. Mit einer angenehm warmen Stimme fängt er meine Bedenken auf. „Hille, mach da koane Sorgn, bist scho brav blim….hob di hoid auffatrong miassn in zwoatn Stog…sauba schwar bist, Madl!“

Ich spüre Scham. „Oh!“ Und mehr will mir in diesem Moment nicht einfallen. „Wos i di eigntlich frong woit, Hille, host Lust, dass ma am Samsdog ins Theater gengan?“. Ich verstehe Samstag und Theater und kann es kaum fassen, dass sich hier mein erstes bayrisches Date anbandelt. Mit oder ohne Ummara, ja, ich will! „Mensch Mani, das ist ja dufte, kommendes Wochenende hab ich zufällig nichts vor.“ Also, wenn dieser Mani nur halb so gut aussieht, wie seine Stimme klingt… „Suppa, sog i, dann hoi i di ab am Samsdog auf Simme. Und schaug, dass´d ned gar so preisslst. Mia gengan in a boarisches Theatta!“ Auf Simme? Egal, ich werde auf Nummer sicher gehen und ab sechs parat stehen für Mani. Ich stottere ein leises „Tschüss“ und vernehme ein wohligwarmes „Servus“……

Eins, zwei, drei…atmen nicht vergessen, Hille. Du hast eine Verabredung mit einem Mann, besser noch, mit einem Mani! Automatisch gucke ich in den Spiegel. Mitten auf der Stirn…Pickelalarm!  Nicht mehr wirklich lange um das Grauen in den Griff zu bekommen. Pickel sind ungefähr so schlimm, wie stoppelige Beine in der ersten gemeinsamen Liebesnacht. Schließlich möchte ich nicht aussehen wie die Frauen auf den „Vorher-Fotos“. Von wegen innere Werte, ich möchte den ultimativen Wow-Effekt, Ich will, dass Mani vor lauter Begeisterung das Atmen und auch die verfluchte Ummara vergisst.

Mensch Hille, Du bist auf dem besten Wege, dich geradewegs zu verlieben. Die Chancen stehen zumindest nicht schlecht. 

Das Leben kann so schön sein!

Ihre Hille.

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