Das Krippenbrauchtum im Mittelpunkt

Interessantes Referat bei Adventsfeier des Heimatvereins auf der Burg

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Feier HV 3Der Heimatverein Wasserburg kam am Montag zur traditionellen Adventsfeier auf der Burg zusammen. Der Vortrag von Dr. Sybe Wartena, Referent am Bayerischen Nationalmuseum, zum Krippenbrauchtum in Bayern und der Entstehung der Krippensammlung im Bayerischen Nationalmuseum ging zuerst auf die historische Entwicklung der Weihnachtskrippe seit dem Spätmittelalter ein und erläuterte, wie sich Krippen ausgehend von den Kirchen und den Räumen des Hochadels im 18. Jahrhundert bis in die Wohnstuben der Bürger hinein ausbreiteten.

„Mit dem Verbot der Kirchenkrippen 1803/1804 während der Säkularisation erlebte die private Krippe eine Blüte. In München konnten neue und alte Krippenfiguren auf den zahlreichen und gut bestückten Weihnachtsmärkten und Dulten erworben werden. In Heimarbeit entstanden oft aus natürlichen Materialien wie Rinden, Hölzer, Steinen und Moos Landschaften und Städte, die die Figuren aufnahmen. Ende des 19. Jahrhunderts erschienen mechanische Großkrippen mit hunderten von Figuren in exzellent gearbeiteten Architekturen, die gegen Eintritt besichtigt werden konnten“, so Wartena.

Das Bayerische Nationalmuseum in München besitze heute eine herausragende und äußerst umfangreiche Krippensammlung, die aufgrund der künstlerischen Qualität der einzelnen Figuren wie auch der Szenerien zu den bedeutendsten der Welt zählten. Gezeigt würden Krippen, die zwischen 1700 und 1900 vor allem in Bayern, Tirol, Mähren, Neapel und Sizilien entstanden seien. „Ein Großteil der Sammlung geht auf vier Schenkungen des Münchner Kommerzienrats Max Schmederer aus den Jahren 1894 bis 1911 zurück, der die Dioramen für die Präsentation der Krippen selbst entwarf und an der Aufstellung der Krippen mitwirkte. Er schuf dabei Krippenlandschaften, die nur der besonders passenden und eindrücklichen Präsentation einer einzigen Szene dienten, und die nicht, wie bei Krippen üblich, über die Wochen von Advent bis Lichtmess regelmäßig umgestaltet wurden“, so der Referent.

„Die Sammlung, die Quelle zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen zur Weihnachtskrippe war und viele Besucher, darunter besonders Krippenbauer, anzog, wirkte aufgrund ihrer Präsentation stilbildend. Infolge des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten Krippenlandschaften zerstört. Ausgehend von älteren Dokumentationen stellte ab 1945 Wilhelm Döderlein, Referent der Krippenabteilung gemeinsam mit einigen Handwerkern die Sammlung neu auf, die seit 1959 in dieser Präsentation bis heute ergänzt durch einige Neuerwerbungen zusehen ist.“

Der Vortrag wurde durch Lieder des Kinder- und Jugendchors Soyen musikalisch umrahmt.  Der Referent sprach frei zu den zahlreichen anregenden Lichtbildern und griff gelegentlich auf das ein oder andere erstaunliche Zitat zurück. An den gelungenen Vortrag schlossen sich zahlreiche Fragen und der Wunsch, im Kreise des Vereins die Krippensammlung gemeinsam zu besuchen an. Die Mitglieder ließen den Abend bei Punsch, Adventsgebäck und guten Gesprächen ausklingen. SF/Fotos: Inninger

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