Rund um den Innenausbau 4.0

Aus Veränderungen neue Chancen generieren - Expertenforum an der Hochschule

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Hersteller, Verarbeiter, Institute und Sachverständige aus dem Bau- und Innenausbaugewerbe vereint: Das dritte Expertenforum an der Hochschule Rosenheim lockte diesmal rund 70 Teilnehmer an und die Fachleute zeigten sich begeistert. Quo Vadis Innenausbau? Im Kontext der gegenwärtigen Veränderung baurechtlicher Rahmenbedingungen und der Weiterentwicklung virtueller Planungstools ergeben sich für den Innenausbau eine Vielzahl von Herausforderungen und neuer Anwendungen. Das diesjährige Rosenheimer Expertenforum nahm sich unter dem Schlagwort „Innenausbau 4.0“ dieser Themen an und zeigte auf, wie die Branche durch kontinuierliche Innovation, die Bereitschaft zur normativen Anpassung sowie digitale Kompetenz aus Veränderungen Chancen generieren kann.

Dabei wurde dem fachlichen Austausch mit Experten und untereinander im Rahmen des Forums traditionell viel Raum gegeben.  

Die überaus positive Resonanz der beiden letzten Veranstaltungen (2013 – Thema „Wände“, 2014 – Thema „Decken“) hatte die Organisatoren, Professor Dr. Benno Eierle und Professor Dr. Jochen Pfau, in ihrem Konzept bestärkt, kurze Vorträge mit ausreichend Zeit für Austausch und Diskussion – bei einem überschaubaren Teilnehmerkreis aus Experten – zu kombinieren. Dies ermöglicht eine besondere fachliche Tiefe und die Behandlung von kontroversen Themen.

Im Fokus des Expertenforums standen Information und Diskussion über neue Anwendungen im Aus- und Trockenbau, die technische (Kleben im Ausbau, Zukunft Schiebetür, Gebäudeautomation/Sicherheit), baurechtliche (Brandschutznormung, Musterbauordnung) sowie planerische (BIM im Ausbau) Fragestellungen betrafen. Die Verknüpfung und Vermittlung von Wissen aus Theorie und Praxis und der direkte Dialog zwischen Teilnehmern und namhaften Experten, die Impulsvorträge zu brisanten Themen der Branche lieferten, zeichneten die Veranstaltung aus.

Am Anfang der Veranstaltung wurden von Hanno Werning und Prof. Pfau (Hochschule Rosenheim) die für den Trockenbau wesentlichen Inhalte im Entwurf der Ergänzung A1 zur DIN 4102-4 aufgezeigt. Welche Brandschutzlösungen nach Norm sind zukünftig im Ausbau möglich, was konnte nicht umgesetzt werden? In der Diskussion wurde klar, dass von Anwenderseite eine weitere Normungstiefe begrüßt werden würde.
Ein sehr aktuelles Thema behandelte Dr. Christian Hofer von der Obersten Bayerischen Baubehörde mit der „MBO 2016“ – das neue Bauproduktenrecht als Reaktion auf das Urteil des EUGH. Die jetzt ab Oktober zu erwartenden, neuen bauaufsichtlichen Regelungen für Hersteller, Fachunternehmer und Planer wurden erläutert und gaben Anlass für rege Diskussionen und Fragen. Es wurde dabei ersichtlich, dass die praktische Handhabung der neuen Regelungen erst nach einer gewissen Einführungszeit analysiert werden kann.
Letzter Beitrag des Vormittagsblocks war die Vorstellung eines Kalkulationsprogramms durch Thomas Endesfelder (f:Data GmbH), der aufzeigen sollte, wie praktische Baukalkulation mit BIM heute erfolgen kann – wobei der BIM-Kontext allerdings nur am Rande berührt wurde.

Prof. Michael Krödel (Hochschule Rosenheim) referierte im Anschluss zum Thema „Gebäude 4.0 – intelligent und sicher“. Dabei gelang es ihm eindrucksvoll zu vermitteln, welche Möglichkeiten ein „SmartHome“ heute bieten. Über die Sicherheit solcher Systeme sowie die große Bedeutung einer individuellen, nutzerbezogenen Lösung wurde ausgiebig diskutiert.
Andreas Barthel (Barthel GmbH) berichtete und visualisierte mit dem Thema „Schiebetüren 2020“ kurzweilig die funktionale und gestalterische Entwicklung der Schiebetür – von der Tür bis hin zur Raumtrennung – auch unter zukünftigen Aspekten des Brand- und Schallschutzes sowie automatischer Systeme. Fragen und Diskussion belegten die weiter zunehmende Bedeutung dieses Themas für den Innenausbau.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Frage „Einfach alles kleben?“, welcher Ernst Macho von der Firma Tec 7 nachging. Werden zukünftig im Innenausbau und Trockenbau auch vermehrt geklebte Lösungen – analog zu anderen Industriezweigen – möglich sein – mit welchen Klebemitteln? Es wurden die Grundtypen sowie die hohe Leistungsfähigkeit heutiger Klebesysteme dargestellt. Auch in der Diskussion nicht geklärt werden konnten die sicherheitsrelevanten Aspekte einer Baustellenverklebung und die daraus resultierenden bauaufsichtlichen Anforderungen. Klar wurde allerdings, dass trotz der heute noch vorhandenen Unsicherheiten eine Zunahme von Klebeverbindung auch im Ausbau zu erwarten ist.

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