Tragende Säule des dualen Systems

Berufsschule I in Rosenheim nach Umbau und Erweiterung feierlich eingeweiht

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Els Pobel BerthalerMehr als vier Jahre wurde an der Berufsschule I in Rosenheim gebaut. 36,5 Millionen Euro wurden in dieser Zeit investiert. Am heutigen Dienstag wurde die generalsanierte und erweiterte Schule feierlich eingeweiht. Für einen Schulleiter kann es kaum schönere Tage geben, sagte Reinhard Pobel zu Beginn seiner Begrüßung.

 

Das duale System in der beruflichen Ausbildung war eines der Schwerpunkte in den verschiedenen Reden. Oberbayerns Regierungsvizepräsidentin Maria Els verwies auf das aufwändige Innenleben einer gewerblichen Berufsschule. Sie widersprach der Vorstellung, dass Berufsschulen nur für die Theorie und die Betriebe nur für die Praxis verantwortlich sind. Als Beispiel nannte sie das Übungsrestaurant, das im Lehrplan Gastronomie vorgesehen ist. Gut ausgebildete Fachkräfte sind die Garanten des wirtschaftlichen Erfolgs. Els rief die Schülerinnen und Schüler auf, die guten Möglichkeiten zu nutzen und das Beste daraus zu machen.

 

Von 1973 bis 1975 war Landrat Wolfgang Berthaler selbst Schüler an der Berufsschule I in Rosenheim. Es ist ein schönes Gefühl wieder hier zu sein, sagte er. Die Umgestaltung der Berufsschullandschaft im Landkreis Rosenheim begann unter seinem Vor-Vorgänger Dr. Max Gimple, Baubeginn der Berufsschulen Bad Aibling und Rosenheim I war unter Sepp Neiderhell und die Fertigstellung falle in seine Amtszeit. Auch wenn es drei Landräte brauchte, ich glaube, es ist gut geworden, meinte Berthaler. Die Schülerinnen und Schüler lernen in einem Schulhaus, dessen baulicher Zustand sich nach der Sanierung am Qualitätsstandard eines Neubaus orientiert.

Der Landrat ging ins Detail: Alle Oberflächen wie beispielsweise Putz, Fliesen, Bodenbeläge, Türen und Fassaden sowie alle technischen Anlagen und Ausstattungen wurden überarbeitet. Die Fenster wurden ausgetauscht und die Dachflächen zusätzlich gedämmt und neu eingedeckt. Die Berufsschule wurde zudem an das Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen.

 

Die vorhandenen Gebäude erhielten durch vorgehängte Fassaden ein neues optisches Erscheinungsbild in unterschiedlichen Farben und Materialen. Der Kubus, ein Gebäude in Form eines Würfels, glänzt mit einer vorgehängten weißen Putzfassade und der benachbarte Langbau wurde mit einer anthrazitfarbenen, vorbewitterten Titanzink-Fassade verkleidet. An Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer gewandt meinte Berthaler, ich hoffe, Du bist mit der Gestaltung einverstanden und die Stadt Rosenheim ist wieder etwas schöner geworden. Abschließend lobte der Landrat den ehemaligen Schulleiter der Berufsschule I, Gerhard Heindl, als Ideengeber und Antriebsmotor. Im Februar hatte Heindl das Zepter an Reinhard Pobel weitergegeben.

 

Für Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer passen die Schulgebäude städtebaulich hervorragend in die Umgebung. Die Stelen des Künstlers Rudl Endriß auf dem Vorhof der Schule sind eine Bereicherung für unsere Stadt. Ganz grundsätzlich meinte Bauer, gute berufliche Bildung ist ein Standortvorteil. Sie lobte die duale Ausbildung, sie ist international der Königsweg. Viele Länder weltweit beginnen, sie zu kopieren.

 

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Gremiums der Industrie- und Handelskammer Rosenheim Sebastian Bauer: Wir empfangen beinahe wöchentlich eine ausländische Delegation, die sich über die duale Ausbildung informiert. Der IHK-Vorsitzende warb für die berufliche Bildung, sie ist aus Sicht der Wirtschaft unverzichtbar. Bauer verhehlte die sich abzeichnenden Probleme nicht: 250 Ausbildungsstellen in Industrie und Handel blieben unbesetzt. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, wir werden zukünftig einen spürbaren Mangel an Fachkräften haben.

 

Kreishandwerksmeister Gerhard Schloots fügte hier die aus seiner Sicht bedauerliche nachlassende Bedeutung der Meisterbriefe an. Früher zählte er in 90 Gewerken, heute noch in 40. Die Basis unseres Mittelstandes geht verloren, so Schloots.

 

Bevor Architekt Franz Balda traditionell den Schlüssel an Landrat und Schulleiter übergab, bedankte er sich für das großartige Teamwork aller am Bau Beteiligten: Deshalb habe er das Haus, trotz aller Herausforderungen, gerne gebaut. Den kirchlichen Segen spendeten Pfarrerin Claudia Lotz und Geistlicher Rat Sebastian Heindl.

 

In der „neuen“ Berufsschule I werden derzeit gut 1.650 Schülerinnen und Schüler in den Fach-bereichen Holztechnik, Raum und Farbe, Landwirtschaft, Elektrotechnik, Körperpflege, Gastro-nomie sowie Ernährung und Hauswirtschaft unterrichtet. Um eine optimale Ausbildung zu er-möglichen, wurde Theorie und Praxis räumlich eng miteinander verknüpft. Das heißt, die notwendigen Flächen für Unterrichts- und Praxisräume wurden durch eine Erweiterung des vor-handenen Langbaus um einen Anbau nach Norden hin geschaffen. In dem entstandenen kom-pakten Gebäude kann der Unterricht der einzelnen Berufsgruppen zusammenhängend organi-siert werden.

 

Die Generalsanierung und die Erweiterung wurden parallel zum laufenden Schulbetrieb durchgeführt. Um die Arbeiten in den Klassenzimmern zu ermöglichen, wurden Klassenzimmercontainer aufgestellt. Die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und die Schulleitung ertrugen die Beeinträchtigungen geduldig. Während der gesamten Bauzeit gab es keine einzige Beschwerde.

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