Hilfe an Tagen wie diesen – ein schönes Beispiel

... aus Edling mit Jelil und Shakeel - Ein Bericht unseres Lesers Karlheinz Schmidt

image_pdfimage_print

schmidtWas ist das kleine Glück? Ein berührendes Beispiel, wie Hilfe an Tagen wie diesen aussehen kann – das ist der Bericht von Karlheinz Schmidt aus Edling heute bei uns: In der Edlinger Pfarrkirche St. Cyriakus wurden die ersten Asylbewerber vorgestellt. Vom Arbeitskreis Asyl in Edling und von den Flüchtlingen selbst war ich sehr überzeugt. Spontan reifte mein Entschluss: Da möchte ich was einbringen. Meine Überlegung: Als tiefblauer Fußball-Löwenfan könnte ich doch einen Besuch für die jungen Leute in der Allianz Arena organisieren …

Um diese Eindrücke dort zu vertiefen, wäre vielleicht ein Abendspiel das Passende für eine Einladung. Das waren so meine ersten Gedankengänge.

schmidt 2Montag, 19. Oktober 2015: Trotz der bisher eher bescheidenen Punkte-Ausbeute meiner Sechzger fragte ich Jelil aus Nigeria (30 Jahre alt – Foto rechts) und Shakeel aus Afghanistan (18 Jahre alt – unser Foto oben), ob sie mich nicht begleiten möchten in die Allianz-Arena. Der Gegner: Karlsruhe. Beide waren bekennende Fußball-Experten. Zur perfekten Kommunikation standen mir noch meine Tochter und mein Enkel zur Seite. Die bunte, lustige und wissbegierige kleine Fan-Delegation aus Edling nahm abends Kurs Richtung Allianz Arena.

Während meiner Auto-Fahrt mit dem Quartett wurde gleich mal eine Vertrauensbasis aufgebaut. Die beiden Flüchtlinge erzählten vieles aus ihrem vom Schicksal geprägten Leben. Das gleichzeitige Bemühen, dabei deutsche Worte und Sätze einzubauen, überraschte mich. Ebenso der Umstand, dass Beide eifrig die Berufsschule besuchen.

In München angekommen, begrüßte uns von weitem die blau erleuchtete Allianz Arena. Es bleibt immer eine Augenweide und ein gleichzeitiger Aha-Efffekt, wenn sich dieser Fußballtempel als riesiger Opal präsentiert. Auf dem Fußweg dorthin schilderte ich im Halbdunkel mit meinem Schulenglisch einige Eckdaten, bis mich ein Urbayer anrempelte und meinte: ‚Denk da nix, i hob a drei Syrer im Schlepptau.‘ Ein Lächeln zog über mein Gesicht. Jetzt stand das obligatorische Foto mit Jelil und Shakeel an.

Bevor wir auf der Haupttribüne unsere Sitzreihe suchten, schlürften wir noch einen heißen Tee. Einen Happen Essen gab’s oben drauf. Ich denke, bei meinen Beiden ein gewisses dankbares Glitzern in deren Augen gesehen zu haben. Vor allem dem kleinen 1860-Löwen Sechzgerl-Maskottchen musste die Pfote kräftig geschüttelt werden.

Die Stimmung, das erlebte Ambiente, das Hautnahe selbst im riesigen Oval, sind schon beeindruckende Momente. Dass die Gäste aus Karlsruhe etwas glücklich die Punkte entführten, schmälerte keineswegs unsere Grundstimmung. Für uns war es eher wichtig, ein Stückchen Freude vermittelt zu haben. Jelil und Shakeel konnten für einige Stunden die Vergangenheit ruhen lassen und mit der Gewissheit eines konstruktiven Edlinger Miteinanders, neuen Mut für die Zukunft zu schöpfen. Nur ein kleines Glück. So denke ich es mir.“

Karlheinz Schmidt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 Gedanken zu „Hilfe an Tagen wie diesen – ein schönes Beispiel

  1. Tolle Aktion und super geschrieben.

    0

    0
    Antworten
  2. Tolle Aktion, Karlheinz. Das hat mich sehr gefreut, als ich von Deiner Fahrt gehört habe. Hoffentlich hat 1860 nun zwei junge Fans mehr.

    0

    0
    Antworten
  3. Vielen Dank Karl-Heinz! .. auch so kann man ganz einfach und mit Engagement Flüchtlingen/Asylbewerber helfen und sie bei uns integrieren. TOP AKTION

    0

    0
    Antworten