Container-Modul für 48 Flüchtlinge in Forsting

Landratsamt hat sich für den Standort Steinbuchstraße gegenüber der BayWa entschieden

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1Kein Platz war mehr frei im Pfaffinger Sitzungssaal gestern am Abend, denn zahlreiche – vor allem Forstinger – Bürger waren gekommen: Stand doch die Bekanntgabe an, welche Entscheidung gefallen ist, wo genau das Container-Modul für 48 Flüchtlinge in der Gemeinde Pfaffing stehen wird. Wie Bürgermeister Lorenz Ostermaier in der Gemeinderatssitzung sagte, habe sich das Landratsamt für das von einer Privatperson gemeldete Grundstück in der Steinbuchstraße in Forsting (Foto) entschieden – im Gewerbegebiet gegenüber …

… der BayWa östlich der Möbel-Firma MBM, nahe des Forstinger Bahnhofs.

Unser Foto zeigt im Hintergrund den großen BayWa-Turm, auf der gegenüberliegenden Seite der Steinbuchstraße befindet sich das Grundstück am Waldrand.

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Der Blick nach Osten.

Im Rathaus warte man nun nur mehr auf den entsprechenden Bauantrag des Landratsamtes. Dann werde das Thema Erschließung des Grundstücks angegangen und parallel werde eine Info-Veranstaltung für die Bevölkerung in der Brauerei-Gaststätte in Forsting stattfinden – mit Vertretern des Landratsamtes.

Wann genau der Container dann stehen werde, wann also die 48 Menschen einziehen können – und vor allem wer, das alles wird auch in der Gemeinde Pfaffing noch für einige Wochen völlig unklar sein. Im Altlandkreis sind neben Wasserburg in diesen Tagen als Erstes noch Soyen und Edling heuer in Bezug auf Container-Module an der Reihe (wir berichteten mehrmals).

Recht lebhaft wurde das Thema gestern im Pfaffinger Gemeinderat diskutiert – oder genauer – von den Besuchern im Sitzungsraum, die kurzerhand gehört wurden und zum Teil Stellung nahmen, was nicht üblich ist in einer Gemeinderatssitzung.

Während der Forstinger Gemeinderat Günther Tarantik die Ortschaft Pfaffing als idealeren Standort ansah – da sei die Infrastruktur doch wunderbar, sagte er – habe er mit Forsting so seine Zweifel. Das wiederum sah Bürgermeister Lorenz Ostermaier genau anders. Durch die Nähe zum Bahnhof sei die Steinbuchstraße gut geeignet und habe auch das Landratsamt überzeugt, da die neuen Mitbürger so viel besser angebunden seien an den öffentlichen Nahverkehr, den sie brauchen werden. Zudem sei durch die neue MVV-Regelung eine Vereinfachung für die Neuankömmlinge gegeben. Und kleine Dinge könne man auch vor Ort in Forsting erledigen, so der Bürgermeister.

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Links neben dem Grundstück in Forsting die Lagerräume der Möbel-Firma MBM angrenzend.

Tarantik rechnete daraufhin dem Gremium vor, dass 48 Flüchtlinge in Forsting bei 411 Bewohnern knapp zwölf Prozent der Bevölkerung ausmachen würden oder anders ausgedrückt, jeder Achte sei künftig ein Flüchtling – dann müsse Pfaffing, um für ein gleiches Verhältnis zu sorgen, bei 1500 Bewohnern am Ort 180 Asylbewerber aufnehmen, hatte er ausgerechnet.

Das heizte die Stimmung im Raum an und ein aufgebrachter Besucher schimpfte laut, der Gemeinderat kümmere sich ohnehin nicht um Forsting, denen hier sei doch auch egal, dass seit Jahren die B304 die kleine Ortschaft massiv belaste. Er machte seinem Ärger Luft und meinte, so Worte wie ‚da kemma ned aus‘ könne er nicht mehr hören, denn warum sitze man denn dann überhaupt zusammen im Rathaus.

Nachdem sich die Gemüter wieder etwas beruhigt hatten, sagte Tobias Forstner von der ÜWG, er verstehe die Ängste der Bürger sehr gut. Und einen optimalen Platz gebe es sowieso nirgendwo, aber die Flüchtlinge seien nun mal da, tagtäglich könne man das im Fernsehen verfolgen.

Man könne die Menschen doch nicht einfach sich selbst überlassen, man müsse helfen, sagte auch sein Fraktionskollege Gerhard Feckl, selbst engagiert im Arbeitskreis Asyl des Gemeinderates  Gerade auch mit den acht jungen Männern in Pfaffing – vorwiegend aus Eritrea – klappe alles bislang bestens, obwohl sie auf engstem Raum zusammen leben und er möchte nicht wissen, ob das so lang gutgehe, wenn man acht Bayern genau so gemeinsam in eine Wohnung stecke.

Eine Germeinde habe eine moralische Verpflichtung. Was solle man denn machen, wenn das Landratsamt auf einmal einen Bus voller Menschen schicken würde und sage, so jetzt kümmert euch.

Und Elisabeth Gralka von der UBG meinte als Sprecherin des Helferkreises, gemeinsam schaffe man das. Auch der Pfaffinger Arzt Dr. Hartmann, mit dem der Helferkreis ständig in Kontakt sei, schaffe das, 48 neue Mitbürger künftig mit zu betreuen, sagte Gralka auf eine Besucher-Frage.

So manch weitere, besorgte Frage kam noch aus dem Zuhörer-Kreis und Bürgermeister Ostermaier verwies darauf, dass ohnehin eine große Info-Veranstaltung in Forsting demnächst stattfinden werde zum Thema im Saal der Brauerei-Gasstätte.

Ein besonders heikles Thema griff Tobias Forstner am Ende der Diskussion auf. Er verurteilte es aufs Schärfste, dass Menschen, die Wohnraum oder Grundstücke zur Verfügung stellen, bedroht würden in der Gemeinde und dass auch viele Helfer angegangen würden. So könne Gemeinschaft nicht funktionieren. Zudem dürfe sich Rettenbach, Pfaffing und Forsting nicht gegenseitig ausspielen, gab er als Antwort auf direkte Zuteilungsvergleiche der einzelnen Ortsteile. Es sei schäbig, Helfer zu verunglimpfen, sagte Forstner in aller Deutlichkeit.

rd

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Die Zufahrt zum Grundstück, das im Hintergrund am Waldrand zu sehen ist.

 

 

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