Windelkarte oder Baum?

Der Soyener Gemeinderat hat in der gestrigen Sitzung den Antrag von Klimaschutz- und Umweltreferent Heiko Bräuer zur Ausgabe eines Baumgutscheins für Neugeborene knapp abgelehnt. Der Vorschlag sah vor, Familien zur Geburt eines Kindes entweder einen Gutschein für den eigenen Garten beziehungsweise Balkon oder eine Baumpatenschaft auf einer Kooperationsfläche der Gemeinde anzubieten.
Bräuer kalkulierte dabei mit durchschnittlich 25 Geburten pro Jahr mit jährlichen Sachkosten von etwa 5.000 Euro. „Mit dieser Maßnahme würde ein Zeichen für den Naturschutz und die Familienfreundlichkeit in Soyen gesetzt“, so Bräuer.
Bürgermeister Thomas Weber informierte, dass er derzeit die Familien persönlich besucht und dabei ein Begrüßungsschreiben für den Nachwuchs mitbringe sowie ein Präsent der Gemeinde, Teddybären oder Schmusetücher, überreicht. Hierzu werden jeweils 100 Stofftiere für einen Stückpreis von rund zehn Euro eingekauft, was für einen Zeitraum von etwa drei Jahren ausreiche.
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Zusätzlich erhalten die Familien ein Antragsformular für die Windelkarte sowie einen Hinweis auf einen finanziellen Zuschuss bei der Verwendung von Stoffwindeln. Dieser Zuschuss wird einmalig bis zu einem Höchstbetrag von 250 Euro gewährt und wurde in den vergangenen Jahren insgesamt viermal beantragt. „Im Gegensatz dazu werden die Windelkarten sehr gut angenommen“, sagte Weber. Am Wertstoffhof stehen hierfür derzeit sieben Abfalltonnen mit einem Volumen von jeweils 240 Litern bereit, wobei sich die jährlichen Entsorgungskosten für die Gemeinde aktuell auf 2.436 Euro belaufen.
Es folgte eine kontroverse Diskussion der Gemeinderäte, vor allem über die Kosten und die praktische Umsetzung eines Baumgutscheins. Heiko Bräuer erklärte dazu, dass die Höhe des Gutscheins auch begrenzt werden könnte, wichtig sei ihm jedoch, dass es sich um einen Baum oder Strauch handele. Frieder Meidert bezeichnete die bereits bestehende Windelkarte der Gemeinde als eine „super Sache“ und fügte an, dass die Eltern im Falle einer Umsetzung eine Wahlmöglichkeit zwischen der Windelkarte und dem Baum erhalten sollten.
Zustimmung für den Antrag kam von Saskia Pauli, die sich für eine Absenkung des Gutscheinwerts aussprach und augenzwinkernd anmerkte, dass sie persönlich lieber einen Baum als einen Teddybären hätte. Wegen der Gutscheine könnte man, so Pauli, Vereinbarungen mit umliegenden Baumschulen treffen.
Bedenken gab es hinsichtlich des Pflegeaufwands und des Budgets. Sebastian Huber verwies darauf, dass man öffentlich gepflanzte Bäume auch pflegen müsse und warf die Frage auf, wer diese Aufgabe am Ende übernehmen solle. Afra Zantner ergänzte, dass man für 30 Euro keinen Baum bekomme. Sie schlug vor, stattdessen beispielsweise über einen Himbeerstrauch aus der örtlichen Staudengärtnerei nachzudenken, falls man etwas Ökologisches beschließen wolle. Auch sie hob die bestehende Windelkarte als gute Lösung hervor.
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Bei der abschließenden Abstimmung fand das Vorhaben knapp keine Mehrheit. Der Antrag wurde mit 7:8 Stimmen abgelehnt.
TANJA GEIDOBLER
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