„Doppelblick“ im Künstlergespräch

„Doppelblick“ im Künstlergespräch

In der „Alten Polizei“ in Wasserburg kann derzeit die Ausstellung „Doppelblick" der Künstler Cornelia Hesse und Uli Schmid besucht werden, die durchaus sehenswert ist. Jetzt stellten sich die Beiden beim Künstlergespräch des AK68 den Fragen von Rudi Finisterre und denen der zahlreich erschienenen Wasserburger. 

Cornelia Hesse wurde in Wolfratshausen geboren und hat nach erfolgreichem Abschluss ihres Jurastudiums lange Jahre als Richterin gewirkt, bevor sie in Elternzeit ging und hier ihre Liebe für die Kunst entdeckt hat. 2017 hat sie ihre juristische Berufstätigkeit beendet und seither ihr Wirken der Kunst gewidmet. In zahlreichen Ausstellungen hat sie ihre Kunstwerke ausgestellt, unter anderem in sieben Soloausstellungen und in zahlreichen Gruppenausstellungen.

Der aus Landshut stammende Uli Schmid wirkt seit über 25 Jahren als Künstler in Südbayern und hat zahlreiche Ausstellungen, sowohl als Solo-, als auch in Gruppenausstellungen gestaltet. 

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Rudolf Finisterre betonte in seiner Einführung, dass „Doppelblick“ ein guter Titel sei, denn Besucher entdeckten immer wieder etwas Neues, wenn man die ausgestellten 56 Objekte und Installationen von einer anderen Warte aus betrachte. Das führe bei dem Betrachter zu einer neuen Achtsamkeit.

Cornelia Hesse arbeitet sehr häufig mit Fundstücken. „Ich fange an zu arbeiten mit Sachen, die mir zufallen“. In einer Gesellschaft, so äußerten sich beide Künstler während des Gesprächs, in der sehr viel weggeworfen werde, sei es nicht unwichtig, das Augenmerk darauf zu richten, dass Alltagsgegenstände, die uns täglich begegneten, neu angeordnet werden können und dadurch eine vollkommen neue Aussage zu treffen imstande sind. Cornelia Hesse entdeckte darin Fragen im Gesellschaftlichen, aber auch im Privaten. „Dieser Bogenschlag hat etwas Befreiendes“, meinte sie im Künstlergespräch.

Uli Schmid erzählte dann von seiner Kindheit. Seine Eltern hätten einen Eisenwarenladen besessen. Hier sei er in intensiven Kontakt gekommen mit Dingen, die uns täglich begegneten und nicht selten dann achtlos weggeworfen würden. Insofern sei er ein wenig dankbar für unsere Konsumgesellschaft, die in gewisser Weise auch eine Wegwerfgesellschaft sei, denn dies liefere ihm immer wieder jene Materialien, die er für seine künstlerische Tätigkeit benötige.

Eine Installation in der Ausstellung stelle einen Kochtopf mit einer Türklinke dar, „da fügt sich etwas zusammen“, warf Rudi Finisterre ein. Auch die von Uli Schmid gern unkonventionell aufgestellten Gläser, vielfältig und teilweise skurril arrangiert, „da passiert emotional etwas mit einem“, ergänzte er. Und Uli Schmid schlug die Brücke zum Humor. Seine Kunst wolle, wie der Humor auch, bewusst übertreiben, sodass sich der Betrachter beim Schmunzeln ertappt fühle. Dadurch werde unsere Haltung gegenüber Gläsern unwichtiger und wir erführen einen neuen Zugang zum Objekt Glas.

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Dann wendeten sich die Gesprächspartner dem Bild eines Stiefels mit Türklinke zu. Die Türklinke habe die Aufgabe zu öffnen, aber auch zu verschließen. Der Stiefel symbolisiere natürlich den Aufbruch zu neuen Räumen, neuen Wegen. So helfe also diese Installation, in verschiedene Zeiten zu blicken, man könne dann auch in die Vergangenheit schauen. Diese Inspirationen seien durch solche Installationen möglich.  Das japanische Konzept „Wabi-Sabi“mache dies deutlich, weil gerade das Nicht-Perfekte ästhetisch schön sein könne. Cornelia Hesse erläuterte diesen Zusammenhang: „Wenn man Sachen hat, die benutzt wurden, die haben Geschichte“, sie könnten vieles erzählen. Gerade deshalb bevorzuge sie Materialien, die „schon da sind.“

Und dann gab es bei den beiden Künstlern, die künstlerisch so viel trennt und vereint auch einen kleinen Unterschied in der Perspektive: Welche Rolle, so wurden die beiden Künstler gefragt, spielten die Räume, in denen sie ausstellten? Und Cornelia Hesse zögerte nicht, der Raum, in dem sie ausstelle, sei eminent wichtig. Erst in der Begegnung mit dem Raum könne sie entscheiden, welches Objekt sie ausstelle. Für Uli Schmid steht das Objekt, die Installation eher im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Zum Abschluss des hochinteressanten Künstlergesprächs kam das „Scheitern“ zur Sprache. Rudi Finisterre meinte hierzu, dass das Scheitern helfe, Neues zu entwickeln und Uli Schmid ergänzte: „Ich hasse Scheitern und ich liebe es“. Man müsse unbedingt das Scheitern aushalten, damit man neue Wege beschreiten könne und das sei besser als „weiter durchwursteln“, wie Rudi Finisterre ergänzte.

Die Besucher hatten natürlich noch Fragen, die teilweise ins Detail gingen. „Welchen Klebstoff verwenden Sie für Ihre Installationen?“ „Wie lange benötigen Sie für eine solche Installation?“ und dergleichen mehr.

Die Vorsitzende des AK68, Katrin Meindl, bedankte sich dann bei den Künstlern für das höchst anregende Gespräch und fragte nur, wo der Perfektionismus aufhöre. Die Installationen kämen so einfach daher und es stecke doch so viel dahinter. Sie freute sich auch über den doch recht guten Besuch bei diesem Künstlergespräch und sie begrüßte auch die Kulturreferentin der Stadt Wasserburg, Edith Stürmlinger.

Uli Schmid äußerte noch abschließend die Hoffnung, dass Kindhaftigkeit erhalten bleiben möge, denn „Erwachsen sein ist eine Erfindung der Erwachsenen“, wie er meinte.

Die Ausstellung Doppelblick der beiden Künstler kann noch bis zum 11. Oktober in den Räumlichkeiten der „Alten Polizei“ am Kaspar-Aiblinger-Platz 5 in Wasserburg besucht werden, und zwar donnerstags, freitags, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr (am 11. Oktober bis 17 Uhr). 

Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/09/29/doppelblick-im-kuenstlergespraech/

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