Trio Orelon begeistert Wasserburg

Beim jüngsten Rathauskonzert im historischen Rathaussaal in Wasserburg verzauberten Judith Stapf (Violine), Arnau Rovira i Bascompte (Cello) und Marco Sanna (Klavier) das Publikum mit ihrer Musik. Das Trio Orelon war ursprünglich nicht vorgesehen für ein Rathauskonzert in diesem Jahr. Doch der kurzfristige krankheitsbedingte Ausfall des Trio Parnassus machte es notwendig, eine Alternative für diesen Konzertabend zu finden.
Und man darf sagen: Die Verantwortlichen beim Kreis Rosenheim und der Stadt Wasserburg haben einen regelrechten Coup gelandet mit der Auswahl des Trio Orelon.
Das Trio begann vor sieben Jahren seine gemeinsame Karriere, die drei Musiker lernten sich während des Studiums in Köln kennen und entdeckten ihre gemeinsame Leidenschaft für klassische Musik. Der Name „Trio Orelon“ sei eine Idee von Judith Stapfs Mutter gewesen, verriet der Cellist Arnau Rovira i Bascompte den Wasserburgern, es sei Esperanto und stehe für das „ins Ohr gehen“. Das Klaviertrio, bestehend aus Piano, Violine und Cello, habe es seither in einzigartiger Weise vermocht, tiefgreifende musikalische Harmoniemusikalisch umzusetzen. So konnten es die Besucher im Rathaussaal auch an diesem Abend feststellen: Dieses Klaviertrio präsentiert klassische Musik in einer außergewöhnlichen Qualität. Nicht ohne Grund hat es seit 2019 zahlreiche internationale Preise gewonnen und Auszeichnungen erhalten.
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Man begann mit dem Klaviertrio in c-moll von Edvard Grieg. Hier konnte man gut miterleben, wie die beiden Streicher miteinander harmonierten und auch getragene Passagen mit großer Hingabe zu präsentieren vermochten. Der aus Italien stammende Marco Sanna begleitete gekonnt die beiden Streicher. Judith Stapf hatte im Vorgespräch angemerkt, dass Marco Sanna über ein hohes Maß an Vielschichtigkeit und Differenziertheit verfüge. Auch dies konnte man an diesem Abend hören, denn das Klavier habe eben „mit Abstand die meisten Töne“, wie Judith Stapf vor dem Konzert anmerkte.
Daran anschließend kamen die Anhänger der Wiener Klassik auf ihre Kosten. Das Trio spielte Ludwig van Beethovens Klaviertrio in Es-Dur. Beethoven hatte dieses Werk, das als Sinfonie aufgebaut ist, 1793/94 komponiert und es bewusst sein „opus 1“ genannt. er wollte sich damit in der Wiener Musikwelt als ernst zu nehmender Komponist vorstellen. Ob es tatsächlich seine allererste Komposition gewesen ist, daran darf man wohl zweifeln. Auf jeden Fall war auch diese Darbietung in Wasserburg die Präsentation einer verspielten Komposition, in dem die drei Instrumentalisten ein sehr hohes Maß an Harmonie und orchestrierter Präsentation umzusetzen vermochten.
Nach der Pause spielte das Klaviertrio eine kurze Tondichtung von Lili Boulanger, die im Alter von 25 Jahren 1918 starb und ihre Tondichtung „D’un matin de printemps“, was auf deutsch so viel heißt wie „Ein Frühlingsmorgen“ kurz vor ihrem Tode fetigstellte. In diesem Stück wird der Frühlingsmorgen als unbeschwert wahrgenommen. Lili Boulanger war wohl ein kleines musikalisches Wunderkind, war aber bereits in ihrer frühen Jugend schwer krank. Das präsentierte Stück unterstrich jedoch, wie sehr Lili Boulanger vor Lebenslust gesprüht haben mag.
Judith Stapf erläuterte dem Publikum den Hintergrund dieser Präsentation:
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Auf dem Gebiet der klassischen Musik kamen Frauen als Komponistinnen in der öffentlichen Wahrnehmung eigentlich so gut wie nicht vor. Es habe sie aber gegeben, und zwar recht zahlreich, wie Judith Stapf die interessierten Wasserburger informierte. Und gerade deshalb habe auch das „Trio Orelon“ es sich zur Aufgabe gemacht, diese Frauen aus der Anonymität herauszuholen und gezielt Werke von weiblichen Komponisten zu präsentieren. Unter dem Motto „Beethovens Töchter“ werden deshalb gezielt Kompositionen von Frauen vorgestellt, deren Werke jahrzehntelang im Schatten der großen männlichen Meister standen.
Im Anschluss daran präsentierte das Trio Orelon das Klaviertrio Nr. 1 in d-moll von Anton Arensky, einem russischen Komponisten, der ein Schüler von Nikolai Rimski-Korsakow war. Das präsentierte Stück war aber auch eine Herausforderung an die Musiker, die diese mit höchster Hingabe und großer Vielfalt bei der Präsentation beherrschten. Judith Stapf bewies auch, wie sie mit sehr großer Anmut beim Adagio einen sanften Strich präsentieren und das Publikum zum neidlosen Staunen verführen kann.
Nachdem am Ende dieses Konzertabends der Applaus nicht abebben wollte, entbot das Trio noch das Lied „La muerte del angel“ (Der Tod des Engels) von Astor Piazzola, ein Lied, das der argentinische Komponist 1962 geschaffen hat. Erfüllt von einem höchst gelungenen Konzertabend, verließ das Publikum das Wasserburger Rathaus.
Das fünfte Rathauskonzert in diesem Jahr wird am Samstag, 21. November, um 20 Uhr im Rathaussaal stattfinden. Die den Wasserburgern gut bekannte Klarinettistin präsentiert mit dem „Hindemith-Quartett“ einen Konzertabend unter dem Thema: „Von Wien nach St. Petersburg – eine musikalische Reise“. Es werden dem Wasserburger Publikum Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Alexander Glasunow und Alexander Bordin zu Gehör gebracht werden.
Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/10/18/trio-orelon-begeistert-wasserburg/
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