„Zeichen stehen weiter auf Stellenabbau in der Region“

„Zeichen stehen weiter auf Stellenabbau in der Region“

Die Wirtschaft in Südostoberbayern befindet sich im Aufwind. Nach der Eskalation im Nahen Osten und der folgenden Verunsicherung vom Frühjahr legt der regionale IHK-Konjunkturindex im Herbst um elf Zähler auf 109 Punkte zu – knapp der höchste Wert seit fast vier Jahren. Gleichzeitig liegt das Barometer weiterhin seit nun fast fünf Jahren unter dem Langzeitdurchschnitt von 113 Punkten. Auch wenn die Unternehmen ihre laufenden Geschäfte spürbar besser bewerten als noch im Frühjahr, bleibt ein echter Aufschwung in der Region aus.

Die Geschäftslage in der südostoberbayerischen Wirtschaft verbessert sich: 39 Prozent der Unternehmen sind zufrieden mit ihren Geschäften, 15 Prozent unzufrieden. Im Frühjahr hatten sich 27 Prozent der Unternehmen mit ihren Geschäften zufrieden und 22 Prozent unzufrieden gezeigt. Hintergrund der Aufhellung dürften die hohen schuldenfinanzierten Staatsausgaben sein, die die Inlandsnachfrage stützen und die Kapazitäten stärker auslasten.

Auch wenn die Geschäftserwartungen anziehen, bleibt der Ausblick auf die kommenden Monate in Summe mager: 19 Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften, 23 Prozent mit einer Eintrübung. Die Aussichten liegen im bayerischen Trend. Ein echter Aufschwung steht damit nicht bevor.

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Die Risikogemengelage bleibt groß: Zentral sind die Unzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (67 Prozent der Nennungen) als auch die Sorge vor hohen Energie- und Rohstoffpreisen (58 Prozent) – auch wenn die Dramatik im Vergleich zum Frühjahr deutlich nachlässt. Das Risiko der hohen Arbeitskosten nimmt mit 61 Prozent der Nennungen wieder etwas zu. Die Sorge vor zu geringer Inlandsnachfrage beschäftigt weiterhin mehr als die Hälfte der Unternehmen.

Die hohe Kostenbelastung am Standort Südostoberbayern und die breite Unzufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sorgen bei den Unternehmen für anhaltende Zurückhaltung bei den Inlandsinvestitionen: 19 Prozent wollen Investitionen ausweiten, 25 Prozent wollen weniger investieren. Anders als in Bayern insgesamt wollen damit mehr Unternehmen Investitionen zurückfahren als Unternehmen ihre Investitionen ausbauen. Bei den Personalplänen stehen die Zeichen weiterhin auf Stellenabbau: Etwa zehn Prozent der Betriebe wollen Beschäftigung aufbauen, etwa 20 Prozent setzen dagegen auf Stellenstreichungen. Eine Wende am Arbeitsmarkt zeichnet sich nicht ab. Ganz im Gegenteil: Die hohen Arbeitskosten und die schwachen Perspektiven zwingen viele Unternehmen – wie in Bayern insgesamt – zu schlankeren Strukturen.

„Es geht leicht bergauf, das ist ein Hoffnungsschimmer für die Wirtschaft in Südostoberbayern – wenn auch ein kleiner“, sagt IHK-Vizepräsidentin Denise Schurzmann. „Dass die Unternehmen vor allem über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen klagen, muss jedoch ein Weckruf sein! Statt den Unternehmen den Rücken zu stärken, verschleppt die Politik in Berlin notwendige Reformen. Das hat zur Folge, dass die Firmen auf der Personalbremse stehen und vermehrt im Ausland anstatt bei uns in der Region investieren.“ Schurzmann macht deutlich, dass die Politik die Hebel für bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, zum Beispiel beim Bürokratieabbau oder im Steuer- und Sozialsystem, selbst in der Hand hat.

Die IHK-Vizepräsidentin sieht in der Region grundsätzlich großes Potenzial für den wirtschaftlichen Erfolg, das mit besseren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mehr ausgeschöpft werden könnte. Schurzmann bekräftigt zugleich, dass in der Region viele neue Innovationen entstehen und sich Startups gründen. „Diese Entwicklung ist aber nur dann für die gesamte Wirtschaftsregion erfolgsversprechend, wenn die jungen Firmen auch hier wachsen, investieren und Beschäftigung schaffen und nicht ab einer gewissen Größe ins Ausland abwandern. Für langfristiges Vertrauen in den Standort braucht es echte Reformen.“

Die IHK hatte für ihren Konjunkturbericht Mitte bis Ende September zahlreiche Unternehmen in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Altötting, Mühldorf, Traunstein sowie in Stadt und Landkreis Rosenheim befragt. Dreimal im Jahr wird der IHK-Konjunkturbericht veröffentlicht.

Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/10/28/zeichen-stehen-weiter-auf-stellenabbau-in-der-region/

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