Kopfschütteln in Edling: Erst baggern, dann informieren?

Zwei Fragen stellen sich: Erstens, was der Gemeinderat am kommenden Donnerstag in Edling zu sagen hat zum Thema? Und zweitens - wen interessiert's?
Ärger schwebt über der anberaumten Sondersitzung im Rathaus (wir berichteten), bei der es um den Bau von 50 Meter hohen Mobilfunkmasten im Gemeindebereich von Edling geht. Die Betreiber und der Bauherr sind in der Sitzung und stellen das „Projekt" jetzt vor - nach drei Jahren des Wartens der Räte zu konkreten Angaben die Planung betreffend. Mit dem Bau aber wurde dieser Tage bei Reischlhilgen bereits begonnen - siehe unsere Fotos von gestern ...
Bei der Errichtung von Sendemasten handelt es sich um ein „privilegiertes Bauvorhaben". Deren Zulässigkeit ist ohne Zustimmung der Gemeinde möglich - wie in Edling offenbar über das Landratsamt nun vollzogen. Der Baubeginn hat stattgefunden.
Das Vorhaben steht aber trotzdem unter dem Vorbehalt des „Entgegenstehens öffentlicher Belange". Es braucht auch für ein „privilegiertes Bauvorhaben" Nachweise über die Notwendigkeit und Erforderlichkeit des Vorhabens. Der Standort darf zum Beispiel auch keine Konflikte mit dem Natur- oder Landschaftsschutz haben. Heißt: Das Vorhaben muss mit den örtlichen Natur- und Landschaftsschutz-Bestimmungen vereinbar sein.
Die öffentliche Sondersitzung im Edlinger Rathaus beginnt um 18 Uhr am Donnerstag.

Zum Weiterlesen nach unten scrollen.
Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/10/27/kopfschuetteln-in-edling/
Zum Weiterlesen nach unten scrollen.




Bürgerbeteiligung auf Bayerisch: Erst der Bagger, dann die Fragen
Drei Jahre lang wartet der Edlinger Gemeinderat auf konkrete Informationen zum geplanten Mobilfunkmast. Drei Jahre! Man hätte in dieser Zeit ein Kind in den Kindergarten bringen, einen Baum pflanzen oder sogar versuchen können, eine Behörde telefonisch zu erreichen.
Dann endlich: eine öffentliche Sondersitzung. Betreiber und Bauherr stellen das Projekt vor. Der Gemeinderat darf Fragen stellen, die Bürger dürfen zuhören – und der Bagger hat bei Reischlhilgen schon mal angefangen.
Das ist Bürgerbeteiligung in ihrer schönsten Form: Erst werden Tatsachen geschaffen, dann darf darüber gesprochen werden. Besonders praktisch für alle, die kritische Fragen fürchten. Was bereits im Boden steckt, muss man schließlich nicht mehr lange diskutieren.
Das Landratsamt hat das Vorhaben dem Bericht zufolge offenbar ermöglicht, ohne dass die Gemeinde zustimmen musste. Dafür gibt es einen wunderbaren Begriff: „privilegiertes Bauvorhaben“. Das klingt gleich viel freundlicher als: „Liebe Bürger, eure Meinung haben wir zur Kenntnis genommen – falls wir irgendwann dazu kommen.“
Natürlich ist ein Funkmast nicht automatisch ein Skandal. Und ein Bauvorhaben kann auch rechtmäßig sein, wenn es vor Ort umstritten ist. Aber wer drei Jahre auf Informationen warten lässt und dann noch vor der öffentlichen Vorstellung mit dem Bau beginnt, braucht sich über eine Frage nicht zu wundern: Soll hier tatsächlich informiert werden – oder darf das Publikum lediglich erfahren, was längst entschieden ist?
Heute Abend können die Verantwortlichen erklären, welche Standorte geprüft wurden, welche öffentlichen Belange sie abgewogen haben und warum die Baustelle schneller eröffnet wurde als der Dialog. Vielleicht gibt es dafür gute Antworten. Umso erstaunlicher wäre es, dass man sie nicht früher gegeben hat.
Und irgendwann fragt dann wieder ein Politiker mit ernster Miene, woher bloß diese Staats- und Politikverdrossenheit kommt.
Ein kleiner Hinweis: Man könnte bei der Baugrube anfangen. Das Fundament dafür scheint gerade gelegt zu werden.
Ich finde es gut und richtig, dass das hier so gemacht wird. Und nein, ich hätte nichts dagegen, wenn der Mast bei mir in der unmittelbaren Nachbarschaft oder gar direkt an der Grundstücksgrenze gebaut werden würde. Wir wohnen auch in unmittelbarer Nähe zu einem recht hohen Strommasten. Das geht problemlos.
Wir lähmen uns doch zunehmend selber, wenn wir alles bis ins allerletzte Detail mit jedem ausdiskutieren. Es findet sich doch immer jemand, er etwas einzuwenden hat oder grundsätzlich dagegen ist weil sowieso alles Mist ist, was Behörden oder allgemein „die Regierung“ macht. Egal welcher Nutzen für die Allgemeinheit entsteht. Hauptsache die eigen kleine Welt ist in Ordnung.
Wenn das halt bei der Bahn oder im Straßenbau auch so schön einfach ginge… Wir hätten einen vernünftigen Zug nach München und keinen Bahnübergang mehr. Mei, wär das schön!