Zwischen Nachtleben und Nachtruhe

Nach dem „Handwerker-Frühstück“ am Freitag, lud die Stadt Wasserburg gestern erstmals zu einem „Runden Tisch der Gastronomie“. 18 Vertreterinnen und Vertreter aus Restaurants, Cafés, Bars, Eisdielen und Hotels sowie die Dritte Bürgermeisterin Monika Barthold-Rieger, Wirtschaftsreferentin Heike Maas, Kämmerer Robert Mayerhofer und Stadtmanager Simon Arnold kamen zusammen. Ziel war ein offener Austausch über sowohl gut laufende Aspekte als auch Herausforderungen.
Bürgermeister Bastian Wernthaler zeigte sich sehr erfreut über das große Interesse an der Veranstaltung. Er betonte die enorme Bedeutung der Branche für das städtische Leben. „Wir sind eine lebendige Stadt und dafür ist die Gastronomie essentiell“. Weiter erklärte er, dass die Türen im Rathaus, auch für die Anliegen der Gastronomen immer offenstehen. Wirtschaftsreferentin Heike Maas schloss sich diesen Worten an und hob hervor, dass Einkauf und Gastronomie das Herz und die Seele von Wasserburg seien.
Mit dem Zitat von Theodore Zeldin „Gastronomie ist die Kunst, mit Nahrung Glück zu erschaffen“ eröffnete Kämmerer und Liegenschaftsleiter Robert Mayerhofer seine Präsentation zum Thema „Umgang mit Beschwerden aus der Nachbarschaft – die Linie der Stadt“, bei der es um relevante Vorgaben, Bestimmungen sowie Problematiken bei Beschwerden aus der Nachbarschaft ging.
Als Vermieterin einiger Lokale stehe die Stadt oft vor der Herausforderung, den richtigen Mieter mit Herzblut und Engagement sowie einem guten Team zu finden. Als Ziele der Stadt nannte Mayerhofer ein vielseitiges Angebot, hohe Qualität sowie passende und stabile Nutzungen. In der historischen Altstadt sei dies jedoch an schwierige Rahmenbedingungen geknüpft. Dazu zählen unter anderem der Denkmalschutz, die Barrierefreiheit, die Gestaltungssatzung, Sondernutzungsflächen, Sperrzeiten, die Lebensmittelüberwachung und die Gaststättenerlaubnis.
Mayerhofer benannte dabei auch vertragliche, wirtschaftliche sowie öffentlich-rechtliche und nachbarrechtliche Konfliktpotenziale – Lärm, Lautstärke, Musik, Bass, Gerüche und die Abwägung von Nachtruhe versus Nachtleben. Auch das Verhalten von Gästen nach dem Verlassen des Lokals, Raucherpausen, Vandalismus, die Warenanlieferung sowie das Be- und Entladen auf Sondernutzungsflächen seien regelmäßige Diskussionspunkte. Als Lösungsansätze nannte er Wertschätzung und vor allem gegenseitige Rücksichtnahme. Ein partnerschaftlicher Austausch sei entscheidend so Mayerhofer: „Miteinander kann so einfach sein, gegeneinander strengt an.“ Gastronomische Betriebe seien Aushängeschilder und repräsentieren die Geschichte und Seele der Stadt. „Und nicht zuletzt sind sie soziale Treffpunkte“.
In der anschließenden, offenen Diskussion wurden einige Probleme angesprochen, vor allem die schwierige Parksituation. Ein Gastronom schilderte die schwierige Be- und Entladesituation in der Altstadt, bei der er bereits Strafzettel erhalten habe, und regte die Einführung von Sonderausweisen analog zum Handwerkerausweis an. Bürgermeister Wernthaler erklärte, dass dieses Thema der Verwaltung gut bekannt sei und man versuche, eine Klärung herbeizuführen. Robert Mayerhofer ergänzte, dass das Bauamt die Handwerkerausweise verteilt und dieses Anliegen für die Gastronomie nun geprüft werde. Die Verwarnungsgelder selbst werden durch den Zweckverband Kommunale Dienste Oberland geregelt.
Wernthaler zeigte Verständnis für die Situation, betonte jedoch, dass eine sinnvolle Gesamtlösung gefunden werden müsse. Um das Zuparken der Altstadt zu verhindern, müsse jedoch Fluktuation herrschen.
Generell bewerteten die Teilnehmer die allgemeine Parksituation als schlecht. Eine Gastronomin berichtete, dass viele Fahrzeuge für das Parkhaus an der Überfuhrstraße zu lang und zu breit seien. Der Wegfall des Parkplatzes am Schopperstattweg, auf dem derzeit das neue Feuerwehrhaus entsteht, sei ein großes Problem. Auch für Besucher sei das Parken schwierig, insbesondere in der Zeit des Christkindlmarktes. Wernthaler verwies hierzu darauf, dass das Feuerwehrhaus neu gebaut werden müsse und es sich bei dem dortigen Parkplatz lediglich um eine vorübergehende Lösung gehandelt habe. Auf den Einwand, auf die neue Parkmöglichkeit am Volksfestplatz auszuweichen, entgegnete eine Gastronomin, dass um 3 Uhr nachts kein Bus mehr dorthin fahre.
Den Vorschlag aus den Reihen der Gastronomie, stattdessen Parkplätze an der Rampe fest für Betriebe zu reservieren, reagierte Bürgermeister Bastian Wernthaler zurückhaltend: „Man kann darüber nachdenken, allerdings gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz. Wir prüfen ein Entgegenkommen, aber Parkplätze sollten grundsätzlich für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen.“
Kämmerer Robert Mayerhofer ergänzte, dass das Thema Be- und Entladen als „Hausaufgabe“ für das nächste Treffen notiert werde. Zugleich stellte er klar, dass sich die Sanierung des Parkhauses in der Überfuhrstraße noch hinziehen werde und der Wegfall des Behelfsparkplatzes von Anfang an klar gewesen sei. Personalisierte Parkplätze könne die Stadt zurzeit nicht zulassen.
Aus der Runde wurde zudem die Idee eingebracht, die Altstadt komplett autofrei zu gestalten und nur noch für das Be- und Entladen freizugeben – ein Vorschlag, der laut Bürgermeister Bastian Wernthaler schon öfter geäußert wurde. Eine Vertreterin der Hotellerie ergänzte, dass Parken auch bei Tagungen ein großes Thema sei. Gäste könnten nicht den ganzen Tag parken ohne immer wieder ein neues Parkticket zu lösen, weshalb teilweise bereits Kunden ausblieben.
Auch über den Christkindlmarkt und die Eislaufbahn wurde diskutiert.
Ein Gastronom bemängelte zudem das Verhalten der Verkehrsteilnehmer: In der Schustergasse bei Märkten sowie in der Ledererzeile, der Herrengasse und am Hofstatt fahren die Autos und E-Scooter viel zu schnell. Er regte die Aufstellung eines Schildes für Schrittgeschwindigkeit an. Bürgermeister Bastian Wernthaler sagte, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen rechtlich sehr schwierig umzusetzen seien, man nehme das Thema aber dennoch mit.
Als weiterer Hinweis wurde am Ende des Treffens angeregt, einen gemeinsamen Übersichtsplan für Betriebsurlaube zu erstellen. Auf diese Weise können die verbleibenden Betriebe die Ausfälle von Kollegen in der Stadt künftig besser kompensieren. Auch wäre es wünschenswert, wenn Urlaube von Gastronomen an die Touristinfo gemeldet werden.
TANJA GEIDOBLER

Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/09/29/zwischen-nachtleben-und-nachtruhe/



läuft noch:
Das zuparken von Straßen ist kein Kavaliersdelikt . Im Brandfall ist es lebensbedrohlich , ebenso beim Einsatz von Rettungsfahrzeugen , wenn hier nicht rigoros durchgegriffen wird dann frage ich mich für was die Kontrollbehörden bezahlt werden .
Das schlimmste ist die Müllablagerung im freien hinter den Mauern Müll Glas und Ratten . Und die Stadt unternimmt nichts dagegen obwohl diese unhaltbaren Zustände bekannt sind .
Die Schustergasse ist zum Großteil Fussgänger Zone. Dennoch fahren täglich viele Fahrzeuge durch diesen Bereich. Hier könnte bei Kontrollen mehr und sinnvoller durch die kommunale Verkehrsüberwachung kassiert werden als bei kleinen Zeitüberschreitungen in den Parkhäusern. Immerhin dürfen in diesen Bereichen gar keine Fahrzeuge fahren außer bei Lieferverkehr.
Auch sind in Wasserburg viele Aufsteller mit Werbungen für die Leistung oft so in den Gehwegen aufgestellt, dass Behinderte mit Rollstuhl oder Rollator kaum vorbeikommen. Auch hier wäre eine Kontrolle durch das Bauamt wünschenswert. Laut Satzung sind diese Aufsteller nur im Bereich der Leistung erlaubt, jedoch gibt es mehrere die 50 bis 70 m davon entfernt aufgestellt sind.
Zum Kommentar von Manfred möchte ich hinzufügen, dass auch durch die Gastronomie zum Teil das Passieren mit Kinderwagen und Rollstuhl durch Tische und Stühle, welche den normalen Gehweg deutlich verengen, zum Hindernislauf wird. Wenn dann noch Radfahrer ihre Räder auf dem Gehweg abstellen, um sich ihr „Essen to go“ abzuholen, wird die Situation nicht unbedingt verbessert. Gleiches gilt auch für alle, die eben „mal schnell“ Garageneinfahrten zuparken, obwohl Parkplätze frei wären.