Soyen feiert seine neue Dorfmitte – und sich selbst

Soyen feiert seine neue Dorfmitte – und sich selbst

Mit einem Festakt feierte die Gemeinde Soyen gestern den offiziellen Abschluss ihres bislang größten städtebaulichen Gemeinschaftsprojekts, der „Dorferneuerung Soyen-Dorfmitte“ und dem damit verbundenen Ausbau der Seestraße. Rund zwölf Jahre nach den ersten planerischen Visionen präsentiert sich das neue Ortszentrum als moderner, barrierefreier und lebendiger Mittelpunkt für alle Generationen.

Der Einladung von Bürgermeister Thomas Weber zum Fest waren Gemeinderäte, Projektbeteiligte und Ehrengäste gefolgt, darunter der Landtagsabgeordnete Sebastian Friesinger, der stellvertretende Landrat Georg Huber sowie Martin Alexy, der stellvertretende Behördenleiter des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE). Musikalisch feierlich umrahmt wurde die Veranstaltung von der Stadtkapelle Wasserburg.

„Die Dorfmitte wird jetzt zu einem Zentrum, einem zentralen Platz zum Treffen, zum Spielen, zum Verweilen sowie den Ausblick auf den See genießen, ein Platz für Veranstaltungen, sowie eine gute Infrastruktur für den öffentlichen Nahverkehr und eine Verkehrsberuhigung an der Seestraße“, freute sich Bürgermeister Thomas Weber. Die gesamte Gemeinde mit ihren 84 Ortsteilen profitiere von der Aufwertung. Im Fokus stand dabei die Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs: In unmittelbarer Nähe zur Bahnanbindung wurden eine verkehrsgerechte Busspur, moderne Wartehäuschen, Fahrradunterunterstände, ein Park-and-Ride-Platz sowie E-Ladesäulen für PKW und E-Bikes realisiert. Zudem verfüge das Areal nun über einen voll ausgestatteten Mehrzweck- und Festplatz mit moderner Strom-, Wasser- und Abwasserinfrastruktur für künftige Vereinsveranstaltungen, so Weber. Ein großzügiger Spielplatz mit Pavillon und einer Bocciabahn rundet das Freizeitangebot für alle Generationen ab.

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„Und dies alles in unmittelbarer Nähe zur Bahnanbindung. Das würden sich viele Gemeinden wünschen. Hier wäre es nur auch endlich mal an der Zeit dass die Bahn nachziehen würde, sei es mit dem barrierefreien Bahnsteig sowie dem Stundentakt. Aber leider wird man trotz allen Bemühungen und Einsatz immer nur vertröstet“, bezeichnete Weber den einzigen Wermutstropfen.

Gesamtinvestition von rund drei Millionen Euro

Möglich wurde die Maßnahme durch „glückliche Umstände“ bei der Flächenverfügbarkeit und eine erhebliche finanzielle Unterstützung. Das Amt für Ländliche Entwicklung förderte den Abschnitt der Dorferneuerung nach dem positiven Bescheid Ende 2022 mit rund einer Million Euro. Parallel dazu investierte die Gemeinde in Bereiche außerhalb des Fördergebiets. So wurde die gesamte Seestraße bis zum Bahnübergang saniert, mit einem durchgängigen Gehweg versehen und im Untergrund alte Kanäle, Wasserleitungen sowie zukunftsfähige Glasfaserverbindungen erneuert. Das Gesamtinvestitionsvolumen belief sich auf rund drei Millionen Euro. Auch das  Bankhaus RSA schloss sich der Baumaßnahme an, um ein einheitliches Erscheinungsbild im Ortszentrum zu gewährleisten.

Musterbeispiel für gelebte Bürgerbeteiligung

Besonders stolz zeigte sich der Bürgermeister über das enorme Engagement der Bürger. Bereits im Jahr 2014 hatte sich eine Bürgergruppe gemeinsam mit dem damaligen Gemeinderat und Altbürgermeister Karl Fischberger erste Zukunftsvisionen überlegt. Ab 2020 nahm die konkrete Planung durch Städteplaner Otto Kurz Gestalt an, begleitet vom engagierten Arbeitskreis Dorferneuerung, der die eingereichten Ideen der Bürger einarbeitete.

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Die Gemeinschaftsleistung zog sich durch das gesamte Projekt. Ehrenamtliche entwickelten ein professionelles Lichtkonzept für die Straßenbeleuchtung, ein eigenständig organisierter Steuerungskreis realisierte 2026 den gemeinsamen Bau der Spielgeräte unter Mithilfe von Bürgern und Familien, und der Gartenbauverein pflanzte unter anderem zusammen mit Schulklassen die Frühjahrsblüher ein. Die Barrierefreiheit des Areals wurde in enger Zusammenarbeit mit der Behindertenbeauftragten und der Landesfachstelle für Barrierefreiheit ausgearbeitet.

Nach dem offiziellen Spatenstich im Mai 2024 und der Fertigstellung der Seestraße im Oktober 2024 folgte im Jahr 2025 der Ausbau des Bahnhofsplatzes. Pünktlich zum Schulstart im September 2026 konnten schließlich die neuen, sicheren Buswartehäuschen in Betrieb genommen werden. Nur noch wenige Restarbeiten wie finale Pflanzungen stehen im November an.

Weber richtete seinen Dank an die Gemeinderatsgremien mehrerer Wahlperioden, alle Planer, Architekten und die ausführenden Baufirmen, allen voran das Ingenieurbüro Lichtenegger und Spagl sowie die Firma Dimpflmeier. Ein ganz besonderes Lob galt Bauamtsleiter Franz Glasl, der das Mammutprojekt von der ersten Minute an mit herausragendem Fachwissen und Engagement perfekt gemanagt hatte – dafür gab es ein schokoladiges Präsent.

Lob der Ehrengäste für „Teamwork“ und den langen Atem

In den anschließenden Grußworten gab es viel Anerkennung für das gelungene Werk. Der Landtagsabgeordnete Sebastian Friesinger gratulierte herzlich und betonte, dass hier ein Ort der Begegnung, der Gemeinschaft und zum Wohlfühlen für alle entstanden sei – ob für Kinder, Familien oder Alleinstehende. „Die neue Lok ist einfach nur schön“, freute sich Friesinger. Der stellvertretende Landrat Georg Huber überbrachte die Grüße von Landrat Otto Lederer. Er hob hervor, dass die „Teamwork“ spürbar sei, was sich auch in der tollen Stimmung auf dem neuen Spielplatz widerspiegele.

„Das ist Euer Projekt, Soyener“, so Städteplaner Otto Kurz. Er erinnerte an die anfänglichen Diskussionen, ob die Fläche nicht doch für eine Wohnbebauung genutzt werden sollte. Die Entscheidung für eine Dorfmitte als Ort der Begegnung habe sich ausgezahlt, das Ergebnis spreche für sich.

Martin Alexy, stellvertretender Behördenleiter vom Amt für Ländliche Entwicklung, der zum ersten Mal in Soyen zu Gast war, zeigte sich beeindruckt. Zwar habe er sich vorab digital über den Ort informiert, doch all das beschreibe nicht im Ansatz, was hier durch die Bürgerbeteiligung tatsächlich geschaffen wurde. Ein solches Projekt sei kein Sprint, sondern ein Marathon. Die Fördersumme von einer Million Euro sei hier hervorragend angelegt, um eine „wahre Dorfmitte“ voller Leben und Gemeinschaft zu schaffen.

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Nach den Grußworten wurde der offizielle Teil durch das symbolische Durchschneiden des Bandes besiegelt, bevor die Festgesellschaft den Abend bei einem gemeinsamen Beisammensein gemütlich ausklingen ließ.

TANJA GEIDOBLER

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