Wann wird aus einem Bau ein Denkmal?

Wann wird aus einem Bau ein Denkmal?

Daniel Hoheneder ist seit neun Jahren als Kreisheimatpfleger für die Baudenkmäler des Landkreises Rosenheim verantwortlich. Nun hielt er beim Heimatverein zu diesem Thema einen Vortrag. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Matthias Haupt, begrüßte den Referenten und stellte sogleich die wichtige Frage: „Was macht ein Kreisheimatpfleger für Baudenkmäler?“

Er sei sicher manchen gar nicht bekannt, dabei sei seine Aufgabe doch sehr wichtig für die Menschen. Daniel Hoheneder, Architekt und Professor für Bestandstransformation und Baudenkmalpflege an der Hochschule Trier und seit 2017 Kreisheimatpfleger im Landkreis Rosenheim, erläuterte dann selbst seine Aufgabe: „Mit mir kommen Sie in Berührung, wenn Sie ein denkmalgeschütztes Haus haben!“, informierte er die knapp 30 Zuhörer, die an diesem Abend in den Gimplkeller in Wasserburg gekommen waren.

Heimatpflege sei ein bayerisches Thema, ließ er seine Zuhörer wissen und sei in Bayern einmalig, das könnte und müsste man exportieren. Generell sei der Denkmalsschutz in Deutschland Ländersache. Ein Kreisheimatpfleger, der ehrenamtlich wirke, berate das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) und den Bayerischen Landesverein für Heimatpflege (BLfH), wenn es um den Erhalt von Baudenkmäler gehe. Im Landkreis Rosenheim gebe es 2.206 Einzeldenkmäler. Als die bedeutendsten Ensembles im Landkreis Rosenheim nannte Hoheneder die Altstadt von Wasserburg und das Schloss Herrecnchiemsee. Er ergänzte auch, dass ungefähr zwei Prozent aller Gebäude in Bayern Baudenkmäler seien. In Bayern befänden sich bundesweit die meisten Baudenkmäler, es seien ungefähr 109.500. Kein anderes Bundesland könne auf eine solch große Zahl verweisen.

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Die Bandbreite an Baudenkmälern sei riesig, führte der Referent aus, es gebe zahlreiche Kirchen, viele Industriedenkmäler, aber nur wenige Denkmäler der Moderne. Und er stellte die Grundsatzfrage dieses Abends: „Wann ist ein Baudenkmal ein Baudenkmal?“

Und er selbst vertrat die These, dass jedes Gebäude im Grunde ein Baudenkmal sei, weil es die Geschichte seiner Entstehung zu erzählen weiß. Und er zitierte den niederbayerischen Bezirkstagspräsidenten und Bürgermeister von Freyung, Dr. Olaf Heinrich, mit den Worten: „Wir verlieren mit jedem Haus ein Stück Heimat.“ Damit hatte Hoheneder seine Einstellung zu Häuserabriss und Neubau klar zum Ausdruck gebracht. Jeder Abriss zerstöre ein Stück Erinnerung.

In der Folge seines Vortrages kam der Referent auch auf den Bau des Brenner-Basistunnels und den Brenner-Nordzulauf zu sprechen. Bei den Planungen sei die Denkmalpflege stark beteiligt. Auch Gestaltungssatzungen der Gemeinden seien ein wichtiges Element der Denkmalpflege. Höchst anerkennend nannte er hier die Stadt Wasserburg als vorbildliches Beispiel für eine solche Gestaltungssatzung. Er berichtete auch über die Beratungen auf der Insel Frauenchiemsee, wo bislang noch nichts Ähnliches habe erarbeiten werden können.

„Alles verfällt zu Staub“, rief der Referent seinem Publikum zu und er stellte die Frage: „Was wird von unserer Zeit bleiben?“ Denkmalpflege kämpfe immer gegen Windmühlen, ergänzte er und führte dann noch aus, dass der Kampf gegen den Verfall wichtig sei. Alles, was Menschen schaffen, habe einen Alterswert, einen Gegenwartswert und einen Kunstwert. Wenn wir heute etwas noch nicht anerkennen würden, wie werde das in der Zukunft sein?  fragte er seine Zuhörer. Denkmäler seien Urkunden, sie vermittelten Wahrheiten zwischen Gestern und Morgen, aber ihre Authentizität sei höchst fragil. Und bei der Denkmalpflege seien Authentizität und Integrität sehr wichtig. Schließlich meinte Hoheneder noch, dass auch ein Einkaufszettel letztlich eine Urkunde sei.

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Zum Schluss seiner Ausführungen kam Hoheneder auf den Trogerhof in Au bei Bad Feilnbach zu sprechen. Dieser Hof, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaut, habe zahlreiche Bauphasen gehabt. So habe man 110 Jahre nach der Erbauung das Dach wechseln müssen, weil es zu einem Klimawandel gekommen sei, es habe eine „kleine Eiszeit“ gegeben und das habe es erfordert, ein neues Dach zu bauen, um die Menschen vor der Kälte zu schützen. Dennoch werde nun, nach langen Debatten, der Trogerhof erhalten, er diene, nachdem die Gemeinde das Haus erworben habe, als zentraler, lebendiger Kultur- und Begegnungsort der Gemeinde Bad Feilnbach.

Damit war letztlich die Frage gestellt, ob nicht jedes Gebäude, egal wie es empfunden wird, als Baudenkmal zu gelten habe.

In der anschließenden Fragerunde wurde dann auch die Frage gestellt, ob die Satellitenschüssel, die man am Trogerhaus erkennen könne, nicht letztlich auch ein Baudenkmal sei. Der Referent antworte, dass die Frage sehr wichtig und gut sei und die Antwort schwierig. Dennoch hielt er an seiner These fest, dass man Architektur reparieren und aus Gebäuden viel lernen könne.

Der Applaus unterstrich, dass es dem Referenten gelungen war, das Publikum zum Nachdenken über die Bedeutung der Denkmalpflege anzuregen. Die anwesenden Stadträte, immerhin waren vier gekommen, haben solche Fragen immer wieder zu beraten, wenn es um Sanierung oder Renovierung von Gebäuden geht. Wann ist ein Gebäude ein Baudenkmal?

Das Bayerische Denkmalsschutzgesetz ist da andererseits recht klar: Artikel 2 legt dort nämlich fest, dass die Bau- und Bodendenkmäler durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege im Einvernehmen mit der jeweiligen Gemeinde in ein nachrichtliches Verzeichnis eingetragen werden sollen, die Bayerische Denkmalliste. Und alle Gebäude, die hier eingetragen sind, gelten als Baudenkmäler. In Bayern sind es ungefähr zwei Prozent aller Gebäude.

Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/10/27/wann-wir-aus-einem-bau-ein-denkmal/

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