Bäume, Brunnen, Sprühnebel

Bäume, Brunnen, Sprühnebel

Der diesjährige Sommer war trocken. Und vor allem heiß. Die spürbaren Klimaveränderungen beschäftigten nun auch den Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Im Kern ging es um die Frage, wie die Stadt auf die Hitze reagieren soll. Die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CSU/Wasserburger Block und das Bürgerforum legten dazu konkrete Vorschläge vor.

Die Fraktion des Bürgerforums möchte dabei prüfen lassen, ob die Herrengasse mit großkronigen Bäumen klimaresilient begrünt werden kann. „Die Begrünung der Herrengasse ist ernüchternd“, so Lisa Stürmlinger. Es müsse schnell gehandelt werden, bevor der nächste heiße Sommer komme.

Die CSU und der Wasserburger Block fordern einen neuen Bodenbrunnen für die Frauengasse. Zu beachten sei hier, so Wolfgang Schmid, dass es sich bei dieser Maßnahme nicht um Trinkwasser handele.

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Bündnis90/Die Grünen beantragten einen umfassenden Hitzeaktionsplan sowie schnelle Schutzmaßnahmen für langanhaltende Hitzeperioden. „Wir hatten heuer viele Hitzetote und können mit den Maßnahmen nicht ewig warten“, sagte Christian Stadler.

Klimaschutz-Manager Dr. Johannes Stapf ordnete die Pläne ein. Ein Hitzeaktionsplan greife wichtige Punkte auf, klammere aber andere Gefahren wie Starkregen, Hochwasser, Dürre und die Anpassung der Pflanzenwelt aus. Viele der weitreichenden Vorschläge lägen zudem gar nicht in der Zuständigkeit der Stadt.

Für die Verwaltung steht fest: Es braucht ein ganzheitliches Gesamtkonzept. Doch genau hier bremst die unklare Rechtslage. Das neue Bundesklimaanpassungsgesetz ist da, aber wer wofür zuständig ist, bleibt offen. Die Änderung des Bayerischen Klimaschutzgesetzes steckt noch im parlamentarischen Verfahren.

„Der Bodenbrunnen in der Frauengasse und die städtebauliche Umgestaltung der Herrengasse sind grundsätzlich denkbare Bestandteile eines Maßnahmenkatalogs“, erklärte Dr. Johannes Stapf. Die Frauengasse zählt zu den schattigsten Plätzen in der Innenstadt. Ein Brunnen könnte hier als echte „Cooling Zone“ für spürbare Abkühlung sorgen. Ob es am Ende ein Brunnen und/oder Sprühnebelanlagen werden, müsse jedoch genau geprüft und mit den restlichen Nutzungen auf dem Platz abgestimmt werden.

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Schwieriger sieht es in der Herrengasse aus. Hier gibt es bislang kein Grün. Durch die Ost-West-Ausrichtung liege sie zwar teils im Schatten, allerdings sorge der enorme Parkdruck mit vielen abgestellten Autos für einen Hitzestau an der südlichen Häuserfront. Weil die Gasse deutlich schmaler ist als etwa die Ledererzeile, machen der Verkehr, die Parkplätze und die Leitungen im Boden das Pflanzen von Bäumen kompliziert.

Die Verwaltung warnt vor voreiligen Schritten. Einfach pauschal großkronige Bäume in die enge Altstadt zu pflanzen, könne nach hinten losgehen. Wenn beispielsweise Bäume die Luftzirkulation abschnüren und verhindern, dass die Hitze nachts nach oben abzieht, drohe ein Wärmestau. Die steigende Luftfeuchtigkeit macht Tropennächte dann noch unerträglicher.

Dazu komme, so Dr. Johannes Stapf, ein echtes „Henne-Ei-Problem“ beim Geld: Wer Fördermittel für Hitzeschutz-Projekte beantragen will, muss bereits ein fertiges Klimakonzept oder Gutachten vorweisen. Für das Konzept selbst gibt es aktuell aber überhaupt keine Zuschüsse. Kleinere Maßnahmen müssen nun daraufhin geprüft werden. Immerhin: Für die optische Aufwertung der Gassen inklusive Hitzeschutz gibt es die Chance auf Gelder aus der Städtebauförderung.

Die Stadt wartet nicht ab, sondern handelt bereits bei laufenden Planungen. Es gibt ein Konzept für Trinkwasserbrunnen, Verschattungen an städtischen Gebäuden werden fortlaufend geprüft, und wo es einfach machbar ist, wie am Altstadtfriedhof oder dem Kirchhofplatz, wird bereits gepflanzt und Beton entsiegelt. Auch die Öffentlichkeitsarbeit könnte im Rahmen der eigenen Zuständigkeit ausgebaut werden. Die Gestaltungssatzung und der Denkmalschutz setzen den engen Rahmen in der Altstadt, und dieser Spielraum soll nun gezielt für künftige Projekte untersucht werden.

Der Stadtrat beschloss einstimmig, den Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Erstellung eines Hitzeaktionsplans und zur Prüfung von Maßnahmen zum Schutz vor den Folgen langanhaltender Hitzeperioden zurückzustellen, bis die Rechts-, Sach- und Finanzierungslage sowie Zuständigkeiten bekannt sind. Ebenso sollen die Anträge der Stadtratsfraktion Bürgerforum auf Prüfung einer klimaresilienten Begrünung der Herrengasse mit großkronigen Bäumen sowie der Antrag von CSU und Wasserburger Block auf Neubau eines Bodenbrunnens in der Frauengasse zurückgestellt werden, bis ein städtebaulich abgestimmtes Gesamtkonzept zur Umgestaltung der Herrengasse und der Frauengasse, gegebenenfalls in Abstimmung mit einem Konzept für die Umgestaltung des Marienplatzes vorliegt.

Der Stadtrat beauftragt die Verwaltung zunächst die Öffentlichkeitsarbeit rund um das Thema Hitze auszubauen, mit den Einrichtungsleiterinnen im Zuständigkeitsbereich der Stadt in Kontakt zu treten, um eventuelle Verbesserungsmöglichkeiten beim Hitzeschutz in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Bürgerbahnhof oder sonstigen Einrichtungen ausfindig zu machen und die kurzfristigen Maßnahmen aus dem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen umzusetzen.

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Die Umstände bei der Vereinbarkeit von Denkmalschutz und Klimaanpassung in der Wasserburger Altstadt in Vorbereitung auf zukünftige Maßnahmen sind näher zu beleuchten und zu prüfen. Aufkommende Projektideen zur Klimaanpassung wie in den vorliegenden Anträgen bei der laufenden Stadtentwicklung sind zu berücksichtigen und zu gegebener Zeit, im Rahmen sorgfältiger Planung, schnellstmöglich auf Umsetzbarkeit zu prüfen.

Mit zwei Gegenstimmen wurde beschlossen, den Einsatz mobiler Sprühnebelanlagen umgehend für einen Einsatz im Sommer 2027 zu prüfen und bei Möglichkeit umzusetzen.

TANJA GEIDOBLER

Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/09/28/baeume-brunnen-spruehnebel/

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Kommentare

  1. Wie wär es mit Eisfläche das ganze Jahr? Ist ja Ökostrom. Und wer schwitzt, legt sich kurz drauf. Alles wieder gut.

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