Wenn die Sportwette die Miete retten soll

Anlässlich des bundesweiten Aktionstags zum Thema Glücksspiel-Sucht vor ein paar Tagen hat sich die Fachstelle der Diakonie Rosenheim mit den Risiken von Sportwetten und der Frage nach einem Werbeverbot beschäftigt.
Wie schnell Sportwetten zur Abhängigkeit werden können, welche Folgen das für Betroffene hat und warum selbst Fußballwissen nicht vor Verlusten schützt, erklärt Madlen Löffler von der Diakonie anhand ihrer Erfahrungen aus der Suchtberatung ...
Zum Foto: Die Demokratie-Säule zeigt ein klares Ergebnis - die meisten Rosenheimer waren für ein Werbe-Verbot von Sportwetten.
Wer auf Fußballspiele wettet, glaubt oft, mit genug Fachwissen sei der Gewinn sicher. Ein Trugschluss, so Madlen Löffler von der Diakonie Rosenheim: Wer sich gut auskennt, verliert häufig sogar mehr. Sie erklärt, woran man eine Abhängigkeit erkennt und wo Betroffene Hilfe finden.
Ein Klient hat massive Geldsorgen und weiß nicht, wie er seine Miete bezahlen soll. Wie seine Sucht funktioniert, versteht er. „Er weiß, dass er nicht gewinnen wird und eingesetztes Geld auch gleich aus dem Fenster werfen könnte“, sagt Madlen Löffler von der Fachambulanz für Suchterkrankungen der Diakonie Rosenheim. Trotzdem wettet er, sobald er etwas Geld in der Hand hat. „Es ist wie im Rausch. Voller Hoffnung. Jetzt wird er gewinnen. Und dann kann er alles bezahlen.“ Wenn der Rausch vorbei ist, wird ihm klar, was er getan und was er verloren hat. „Dann bricht eine Welt zusammen.“ Für die Mitarbeitenden in der Fachambulanz kein Grund aufzugeben. „Jeder Rückfall ist auch eine neue Chance“, sagt Löffler. „Wir bleiben dran.“
Warum Fußball-Wissen nicht vor Verlusten schützt
„Gerade bei Sportwetten entsteht häufig der Trugschluss, dass man sich nur gut genug auskennen muss und dann auf jeden Fall gewinnt“, erklärt Madlen Löffler. Die Forschung zeige jedoch das Gegenteil: Wer sich gut auskennt, verliert häufig sogar mehr, weil er risikoreicher wettet. Entsprechend größer sei die Gefahr, in einen Strudel zu geraten, wenn Betroffene verlorenes Geld mit weiteren Wetten zurückholen wollen.
Sportwetten-Werbung in der Kritik
Braucht es ein Verbot von Sportwetten-Werbung? Diese Frage haben Suchtberatungsstellen in ganz Bayern zum Aktionstag Glücksspiel-Sucht gestellt. Die Fachstelle der Diakonie Rosenheim hat sich beteiligt und Passantinnen und Passanten an einer Demokratiesäule abstimmen lassen. Das Ergebnis in Rosenheim war eindeutig: Die Teilnehmenden sprachen sich für ein Werbe-Verbot aus.
Madlen Löffler ist bei der Fachambulanz für Suchterkrankungen der Diakonie Rosenheim Ansprechpartnerin für Menschen mit Glücksspiel-Problemen und ihre Angehörigen. Sie sieht vor allem die alltägliche Präsenz von Sportwetten-Werbung kritisch. „Die Darstellung von Sportwetten als etwas, das selbstverständlich zur Unterhaltung dazugehört, verharmlost den Effekt, den Sportwetten vor allem auf junge Menschen haben können“, sagt sie. Werbung könne die Risiken in den Hintergrund rücken und den Einstieg ins Glücksspiel erleichtern.
Wann Glücksspiel zum Problem wird
Eine Glücksspiel-Abhängigkeit entwickelt sich häufig schleichend. Ein Warnsignal sei es, wenn die Gedanken ständig ums Spielen kreisen und immer mehr Zeit und Geld ins Glücksspiel fließen. Aufmerksam werden sollte auch, wer Verluste unbedingt zurückgewinnen will, heimlich spielt oder Verluste vor anderen verschweigt. Das gilt ebenso, wenn Familie, Beruf oder Freizeit zunehmend unter dem Spielen leiden.
Beratung auch anonym möglich
Die Fachstelle Glücksspiel-Sucht unterstützt seit 2010 Betroffene und ihre Angehörigen. Sie berät bei Glücksspiel-Problemen und hilft beim Umgang mit Geld. Bei Bedarf vermittelt sie weitere Hilfen, etwa eine Schuldnerberatung. Für Schulen und Betriebe bietet sie Präventionsworkshops an. Die Beratung ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht. Auf Wunsch kann die Beratung auch anonym stattfinden. Zu den Terminen nach Rosenheim können auch Wasserburger Bürgerinnen und Bürger kommen, außerdem steht eine Online-Beratung zur Verfügung.
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