Starker Auftakt für den gemeinsamen Dialog

Starker Auftakt für den gemeinsamen Dialog

Rund 30 Handwerkerinnen und Handwerker aus den verschiedensten Gewerken und Unternehmensgrößen folgten heute der Einladung der Stadt zum ersten „Handwerker-Frühstück“ im Rathaussaal.  Bürgermeister Bastian Wernthaler freute sich, dass so viele gekommen sind. „Das Handwerker-Frühstück soll die Kommunikation zwischen der Stadtverwaltung und den Handwerksbetrieben verbessern, wichtige Themen direkt transportieren und das Kennenlernen untereinander fördern.“ 

Neben zahlreichen Betriebsinhabern, von Malern, Schreinern und Glasern bis hin zu Vertretern aus dem Hoch- und Tiefbau oder Lichtsystemen, nahmen auch Wirtschaftsreferentin Heike Maas, die Dritte Bürgermeisterin Monika Barthold-Rieger, Stadtmanager Simon Arnold, Kreishandwerksmeister Rudi Schiller sowie Gerd Maas als stellvertretender Vertreter des Wirtschafts-Förderungs-Verbandes (WFV) an der großen Runde teil.

Ein zentraler Punkt des Treffens war der Bericht von Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann über den Denkmalschutz und die Gestaltungssatzung der Stadt. Sie referierte über Themen wie Dachgestaltung, Solaranlagen, Fensterformen, Fassadenfarben, Markisen und Werbeanlagen. Ziel sei es, so Herrmann, für das Prinzip „Erbe bewahren, Zukunft gestalten“ zu sensibilisieren, wobei sie die Bedeutung einer frühzeitigen Beratung betonte.

In der anschließenden Diskussion meldete sich Kreishandwerksmeister Rudi Schiller zu Wort. Er verwies auf die Sanierung der Burgfassade und des Daches in den Jahren 2018/2019, bei der gute Gespräche mit der Stadt geführt wurden. Mit Blick auf die Zukunft mahnte er jedoch an: „Energietechnisch wird es teuer und sehr schwierig werden, Neuerungen in die Altstadt zu bringen.“ Er forderte die Ausarbeitung eines klaren Plans und betonte, dass auch die Themen Hitzeschutz und Verschattungen im Sommer notwendig seien, damit die Altstadt lebenswert bleibe. Zudem sprach er sich dafür aus, städtebaulich vertretbare Aufstockungen von Gebäuden zu ermöglichen. Schiller erklärte: „Das Handwerk in Stadt und Landkreis Rosenheim umfasst rund 9.000 Handwerksbetriebe.“ Ein weiteres großes Anliegen war ihm der Bürokratieabbau.

Bürgermeister Bastian Wernthaler fasste die drei wesentlichen Kernbereiche zusammen: Wärmenetz, Verschattung beziehungsweise Hitzeschutz und Aufstockungen. Bezüglich der kommunalen Wärmeplanung erklärte der Rathaus-Chef, dass es sich um ein höchstkomplexes Unterfangen handele. Dennoch sei Wasserburg bereits sehr weit vorangeschritten. Aktuell befinde man sich in der Prüfung der infrage kommenden Energiequellen, wozu unter anderem die Tiefengeothermie gehöre. Nun leitet die Stadt die zweite Planungsphase ein, um zunächst die Machbarkeit im Detail zu klären, bevor die nächsten Schritte folgen.

Bezüglich der Verschattung erklärte Wernthaler, dass das Thema bereits am Vorabend intensiv im Stadtrat diskutiert wurde – unter anderem ging es dabei um das Pflanzen von Bäumen (ein separater Bericht dazu folgt). Die Umsetzung sei in Wasserburg aufgrund der engen Gassen, der dichten Steinbebauung und des Mangels an Bäumen jedoch nicht leicht: „Wir sind dafür sensibilisiert, müssen aber erst überlegen: Wo wollen wir hin? Wir sollten klein anfangen und langsam größer werden“, so Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. Bürgermeister Bastian Wernthaler ergänzte:  „Wir sind uns alle einig, dass wir in der steinernen Altstadt etwas tun müssen. Wahrscheinlich sagen wir in 20 Jahren, der heurige Sommer war noch ganz angenehm.“ Anträge für Baumpflanzungen in der Herrengasse oder für Sprühnebelanlagen seien im Detail wegen widerstreitender Interessen, wie dem Wegfall von Parkplätzen, und finanzieller Fragen kompliziert. Fördergelder für Kommunen seien hierfür noch nicht verfügbar.

Aus den Reihen der Handwerker kam der Einwand: „Der Inn war immer sehr gut zum Kühlen. Vielleicht sollte man den Fluss wieder mehr in die Planungen einbeziehen.“

Das Thema Aufstockungen in der Altstadt werde laut Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann weiterhin kontrovers diskutiert, zuletzt letzte Woche im Bauausschuss (wir berichteten), sie halte diese geplante Aufstockung jedoch aus städtebaulicher Sicht durchaus für vertretbar. Zum geforderten Bürokratieabbau sagte sie schmunzelnd: „Da rennen Sie bei mir offene Türen ein, aber es ist leider auf kommunaler Ebene nicht so einfach.“

Bürgermeister Bastian Wernthaler lenkte das Gespräch anschließend auf die vermeintlich „kleinen Alltagsprobleme „und bat um konkrete Anregungen. Daraus  entwickelte sich eine Debatte über die Parksituation für Handwerker in der Altstadt. Einige Betriebe berichteten von Strafzetteln, obwohl Handwerker ohnehin Mühe hätten, überhaupt einen Parkplatz in der Nähe ihrer Baustellen zu finden. Oft fehle es auch an der Zeit, erst zum Automaten zu gehen, um ein Ticket zu lösen. Aus der Runde kam der Wunsch nach mehr Entgegenkommen der Stadt. Wirtschaftsreferentin Heike Maas verwies darauf, dass es bereits einen speziellen Handwerker-Parkausweis der Stadtverwaltung für 70 Euro im Jahr gebe.

Ein weiteres Gesprächsthema waren unschöne Schaufenster oder wegfallende Läden in der Innenstadt. WFV-Vertreter Gerd Maas kritisierte, dass viele Schaufenster leerstehender oder ungenutzter Läden einfach mit weißer Milchglasfolie abgeklebt werden: „Dadurch geht der Touch verloren. Wasserburg ist eine tolle Einkaufsstadt. Gibt es da Möglichkeiten, als Stadt beratend einzuwirken?“ Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann bestätigte diese Wahrnehmung. Oft handele es sich dabei aber beispielsweise um Praxen für Physiotherapie oder um Bestatter, die verständlicherweise Blicke von außen verhindern wollen: „Rechtlich haben wir keine Handhabe, das zu verbieten. Wenn sie das Fenster nicht zukleben dürfen, hängen sie eben einen Vorhang auf.“ Dennoch wolle man auf neue Betreiber zugehen, da unattraktive Schaufenster das Bummeln durch die Stadt uninteressanter machen. Bürgermeister Bastian Wernthaler ergänzte, dass man das Gespräch mit den Eigentümern suche, um zumindest Bilder oder Fotos in den ungenutzten Fenstern zu platzieren.

Eingebracht wurde noch eine kreative Idee gegen den Leerstand: „Könnten wir uns nicht gezielt an Meisterschulen präsentieren, um Kleinkunsthandwerk nach Wasserburg zu holen? Hutmacher oder Schneider würden mit den kleineren Einzelhandelsläden gut auskommen und könnten hier Präsenz zeigen.“ Kreishandwerksmeister Schiller lobte den Vorschlag, Gespräche in diese Richtung wurden schon geführt. Stadtmanager Simon Arnold fügte hinzu, dass die Mieten in Wasserburg erfreulicherweise noch in einem Rahmen liegen, den man sich leisten könne.

Wirtschaftsreferentin Heike Maas bedankte sich bei den Betrieben: „Danke, dass ihr euer Handwerk hier anbietet, das tut der Stadt sehr gut“. Auch aus den Reihen der Handwerker gab es am Ende viel Lob. Bürgermeister Bastian Wernthaler verabschiedete die Handwerker und freute sich auf weitere Handwerker-Frühstücke, die künftig zwei Mal pro Jahr stattfinden sollen. Auch wenn zwischendrin Fragen auftreten: „Unsere Türen stehen immer offen.“

TANJA GEIDOBLER

 



Hinterlassen Sie einen Kommentar

00 TAGE
00 STND.
00 MIN.
00 SEK.
Auf dem letzten Erdenweg

Newsletter-Abo

Durch Anklicken des Buttons „Anmelden“ erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihnen regelmäßig unsere aktuellen Artikel und Informationen zusenden. Sie können sich jederzeit von diesem Newsletter abmelden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.