Wohnraum statt „verwunschener Winkel“

Wohnraum statt „verwunschener Winkel“

Sie stehen seit längerem leer, die Gebäude am Weberzipfel. Wie geht es weiter? In der gestrigen Sitzung befasste sich der Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss mit dem Ersatzneubau des Gebäudes, das einst zurückgesetzt errichtet wurde, nach Abbruch des Bestandsgebäudes – mit kontroverser Diskussion.

Bereits in der Juni-Sitzung wurde dieses Thema behandelt (wir berichteten). Unter anderem wurde in dieser Sitzung beschlossen, dass die Schaffung einer Garage kritisch gesehen werde, zumal ein Stellplatznachweis nicht erforderlich sei, vorrangig sei die Schaffung von Wohnraum. Die Höhenentwicklung der Aufstockung habe sich an der Höhe der östlich angrenzenden Gebäude zu orientieren.

Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann informierte, dass, um ein Einvernehmen mit der Stadt zu erreichen, der Fragenumfang im Wesentlichen auf die planungs- und denkmalschutzrechtlichen Fragen des Abbruchs und der Wiedererrichtung zu Wohnzwecken reduziert wurde. Die Tiefe des Baukörpers wurde zugunsten der Grünfläche in der Planung um 75 Zentimeter zurückgenommen.

Christian Stadler (Bündnis90/Die Grünen) wies darauf hin, dass durch einen Stellplatz nicht mehr Wohnraum entstehe. Auch sehe er, bedingt durch den schmalen Gehweg davor, ein Sicherheitsproblem. Ein Parkplatz könne zudem nicht schön gestaltet werden.

Ähnlich sah es auch Sophia Jokisch (Linke Liste Wasserburg). Es sei gut, dass Wohnraum entstehe, aber gerade der Garten vor dem Gebäude sei „einzigartig“.

„Warum hängen wir uns an einer Garage auf“, so Simone Huber (CSU). Es sei positiv zu sehen, dass jemand das Gebäude kauft und schön herrichten möchte.

Eine denkmalgerechte Sanierung sah Norbert Buortesch (Bürgerforum) nicht. „Fakt ist, ein verwunschener Winkel kommt weg.“

Georg Machl (CSU) fügte an, man spreche hier über ein Gebäude, das einem nicht gehöre. „Man muss froh sein, dass es jemand herrichtet.“

Einstimmig wurde beschlossen, dass das Einvernehmen zum Abbruch und zur Wiedererrichtung des Gebäudes am Weberzipfel gemäß den in der Sitzung zeichnerisch dargestellten Maßen (Kubatur, Aufstockung um ein Geschoss, Rücksprung von der straßenseitigen Bauflucht) erteilt wird. Das Einvernehmen umfasst nicht die Fassadengestaltung, die Garagennutzung und die Vorgartengestaltung. Eine detaillierte Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden ist vor Einreichung des Bauantrages erforderlich.

Mit 4:5 Stimmen wurde der Zusatz – Die Erstellung einer Grundstückszufahrt wird nicht in Aussicht gestellt – abgelehnt.

TANJA GEIDOBLER

 

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Kommentare

  1. Seltsame Logik von Frau Huber. Bedeutet also, solange Wohnraum erschaffen wird, ist alles möglich.

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  2. Viele Bauprojekte scheitern an den langen und schwierigen Genehmigungsverfahren. Jede Zurückweisung verursacht Kosten. Beispiel das Wohnbauprojekt in der Innhöhe. Planen, nicht genehmigt, umplanen, wieder nicht passend, weil fehlende Radlstellplätze aufgefallen sind. Dann ist endlich die Hürde Gemeinde übersprungen aber noch lange nicht das Landratsamt. So mancher williger Investor steigt irgendwann mal aus, wenn’s zu lange dauert. Der Bauturbo hat halt noch nicht gezündet.

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    • Der einzige Turbo der dauerhaft zündet, scheint der Mietturbo zu sein.
      🤣

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    • Erstens ist Ihre Darstellung der Abläufe beim Bauvorhaben an der Innhöhe nicht richtig, noch nicht mal im Ansatz.
      Zweitens ist der Bauturbo nicht dazu gedacht, das eigentliche Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, dazu gibt es in Bayern schon seit einiger Zeit die sogenannte Fiktionsfrist.
      Der Bauturbo ist dazu da, bestimmte Vorhaben auch ohne eine vorher notwendige Bauleitplanung (Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplanes oder einer Satzung) umsetzen zu können. Von diesem Bauturbo wird inzwischen rege Gebrauch gemacht. Allerdings herrscht hier, nachdem es ein recht neues Instrument ist, bei vielen Gemeinden noch eine gewisse Unsicherheit: wann wendet man den Bauturbo an, wann nicht. Gibt man sich dazu feste Kriterien, um die Bauherren gleichzubehandeln oder setzt man sich dem Verdacht einer gewissen Willkür aus.
      Vor allem aber ist es aus meiner Sicht reine Augenwischerei, die Misere auf dem Mietmarkt immer den ach so komplizierten und langwierigen Genehmigungsverfahren zuzuschieben. Es wird hauptsächlich deswegen so wenig gebaut und wenn dann zu später horrenden Mietpreisen, weil einfach das Bauen selbst unglaublich teuer geworden ist und weil die Förderprogramme für sozialen Wohnungsbau seit vielen Jahren schlicht nicht ausreichend sind. Ob ein Genehmigungsverfahren 6 Wochen oder 6 Monate dauert, ist da weniger ausschlaggebend (wobei schnelle Verfahren natürlich trotzdem wünschenswert sind)

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  3. Der“ Bauturbo“wird auch nicht zünden, siehe Bericht gestern über Ein- und Zweifamilienhausbau im Landkreis Rosenheim.
    Außerdem zündet ein Turbo nicht, er verdichtet zusätzlich!
    Nur mal so aus technischer Sicht……..🤔

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