Drohende Generation Miete

Drohende Generation Miete

Wenig Chancen aufs eigene Haus: Der Landkreis Rosenheim hat im vergangenen Jahr nur 287 Wohnungen in neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern dazubekommen. Das sah am Anfang des Jahrzehnts (2020 bis 2022) noch deutlich besser aus: Da sind beim Bau von Eigenheimen im Landkreis Rosenheim im Schnitt 270 Wohnungen mehr entstanden – nämlich 557 pro Jahr. Das geht aus einer regionalen Wohnungsmarkt-Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut gemacht hat. Die Analyse ist Teil der Studie „Soziale Aspekte des Wohneigentums“. Darin hat das Forschungsinstitut im Auftrag der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ die Situation von Wohneigentum untersucht. Im Fokus dabei auch: der Landkreis Rosenheim.

Die „Eigenheim-Flaute“ trifft nach Angaben des Pestel-Instituts vor allem die regionale Wirtschaft hart: „Es geht um einen Umsatzverlust von 188,8 Millionen Euro. Das ist – vorsichtig gerechnet – die Summe, die Unternehmen im vergangenen Jahr im Landkreis Rosenheim verlorengegangen ist, weil der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern so abgesackt ist“, sagt Matthias Günther. Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts macht dabei deutlich, dass die entgangene Millionensumme vor allem die Bilanzen von Bauunternehmen sowie Handwerkern, Architekten und Planern im Landkreis Rosenheim und der Region treffe. „Insgesamt hängt daran aber noch mehr: Das fängt beim Grundstückskauf an und geht bis zum letzten Pinselstrich im Haus, bis zum Anpflanzen von Bäumen und Büschen im Garten“, erläutert Günther.

„Das Wohnen in den eigenen vier Wänden hat im Landkreis Rosenheim einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Für viele ist der Traum vom Eigenheim immer schwerer zu erreichen“, sagt Mike Kammann, Vorsitzender des Kuratoriums der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ und Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Betroffen seien vor allem die 25- bis 45-Jährigen: „Die Chancen, im Landkreis Rosenheim ein Haus zu bauen oder eine Immobilie zu kaufen, sinken immer weiter. Wohneigentum ist selbst bei einem durchschnittlichen Einkommen oft nur dann noch möglich, wenn es Hilfe aus der Familie gibt – zum Beispiel durch ein vorgezogenes Erbe“, so Mike Kammann. Aus der „Nestbauer-Generation“ drohe eine „Generation Miete“ zu werden.

Es sei höchste Zeit, gegenzusteuern: „Wohneigentum darf nicht zum Luxus werden. Genau da muss jetzt etwas passieren: Die Eigentumswohnung, das Reihenhaus, das Einfamilienhaus – die Menschen, die bereit sind, dafür zu arbeiten und zu sparen, müssen sich die eigenen vier Wände auch wieder leisten können“, fordert der Schwäbisch Hall-Chef Mike Kammann. Er macht dabei klar: „Wer Wohneigentum will, muss dafür auch ein Stück weit auf Konsum verzichten. Das bedeutet zum Beispiel: eine Zeitlang keine teuren Fernreisen“, sagt Kammann.

Gleichzeitig müsse der Staat die Anschaffung von Wohneigentum dringend wieder intensiv fördern: „Da läuft im Moment so gut wie nichts. Der Bund lässt – anders als früher – die Menschen, die sich ihre eigenen vier Wände anschaffen wollen, im Stich“, so die Kritik vom Chef-Ökonom des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

Um das zu ändern, fordert das Institut einen „Wohneigentumsplan des Bundes“. Dieser müsse mindestens auf Länderebene – und damit auch für Bayern – Quoten als Zielmarken für die künftige Wohneigentumsentwicklung vorgeben. „Gekoppelt mit Förderprogrammen sollten dann auch Haushalte mit mittleren Einkommen im Landkreis Rosenheim davon profitieren und die Chance auf die eigenen vier Wände bekommen“, so Matthias Günther.

Der Leiter des Pestel-Instituts geht davon aus, dass sich das für den Staat sogar rechne, wenn er die Anschaffung von Wohneigentum unterstütze. Der Ökonom verweist dabei auf die „letzte effektive Förderung“ des Bundes für Wohneigentum: auf das Baukindergeld. „Da hat jeder Förder-Euro 3,70 Euro an staatlichen Einnahmen nach sich gezogen – von der Umsatz- und Lohnsteuer auf dem Bau bis zur Grunderwerbsteuer. Dass der Bund ein Programm, das erfolgreich gelaufen ist, eingestellt hat, sorgt in der Branche für Kopfschütteln“, so Günther.

Für den Leiter des Pestel-Instituts ist das eigene Haus oder die Eigentumswohnung auch ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge: „Wenn die Rente kommt, haben die Menschen weniger Geld im Portemonnaie. Aber die Miete bleibt. Sie steigt sogar und drängt mehr und mehr ältere Menschen in die Altersarmut: Altersarmut ist Mieterarmut – auch im Landkreis Rosenheim.“

Hinter dem Wohneigentum stecke damit auch ein wichtiger sozialer Aspekt. „Wer mit einem mittleren Einkommen im Landkreis Rosenheim bereit ist, zu sparen, muss auch wieder die Chance auf Wohneigentum und damit auf soziale Sicherheit – gerade im Alter – bekommen“, sagt Mike Kammann. Der Vorstandsvorsitzende der Bausparkasse Schwäbisch Hall macht klar: „Der Staat muss jetzt den Hebel umlegen, den Abwärtstrend, den es beim Wohneigentum in Bayern gibt, stoppen und umkehren.“ Immerhin entlaste mehr Wohneigentum auch den angespannten Mietmarkt. Die derzeit sinkende Wohneigentumsquote in Bayern sei dagegen ein Alarmsignal, das der Staat nicht länger ignorieren dürfe. Das stärke auch die regionale Wirtschaft: Der Mangel an Wohnraum wird immer mehr zum Hindernis bei der Anwerbung von spezialisierten Fachkräften und damit zur Wachstumsbremse.

Die Botschaft der Wissenschaftler vom Pestel-Institut an die Wohnungsbaupolitik ist klar: „Der Bund muss langfristig das Ziel verfolgen, Bayern und ganz Deutschland mehrheitlich vom Mieter- zum Eigentümerland zu machen.“ Denn eine Eigentumsquote von 50 Prozent und mehr wie in Österreich, den Niederlanden oder Schweden würde mehr dringend benötigten Wohnraum schaffen und zudem mehr soziale Stabilität bringen.

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Kommentare

  1. Bevor man hier über Förderquoten im Bereich des Eigenheimbaus (Ein- bis Zweifamilienhäuser) schwadroniert, und dann noch im letzten Satz mit „sozialer Stabilität“ um die Ecke kommt, sollte eher das Problem der allgemeinen Wohnraumknappheit im Landkreis in Angriff genommen werden. Mietpreisentwicklung inclusive. Die Generation „Erbe“ baut nach wie vor. Und zwar unübersehbar. Was allerdings nichts daran ändert, dass inzwischen für die letzten „Löcher“ Mieten aufgerufen werden, die absehbar selbst für „Normalverdiener“ kaum noch zu bezahlen sind. Sozialer Sprengstoff inclusive.

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  2. Welche Doppel Moral , auf Konsum verzichten . Bei diesen hohen Lebenskosten werden sich die wenigsten ein Eigenheim leisten können . ein paar Spitzenverdiener aber der durchritt beschäftigte bleibt Mieter und Zahlmeister . Und noch eine Prophezeiung , alle Leicht Löhner werden im alter beim Staad landen . Wo dann diese viele Sozialhilfe herkommt würde mich interessieren .

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    • Da kommt dann die Einführung des Schleudertages auf uns zu

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  3. Wie soll der Normalverdiener bei dieser horrenden Steuer- und Abgabenlast noch Wohneigentum finanzieren.
    Der Staat raubt einem das verdiente Geld ja förmlich.
    Den Rest machen die Banken über die Zinsen. Die sogenannte Worklifeballance ist das Ergebnis.

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    • Der Staat raubt nicht nur, er gießt auch. Wenn du einen Bestand kaufst, kriegst du bei Sanierung von Fenster, Dach und Heizung 50% Zuschuss.
      Zinsen „machen“ nicht die Banken, sondern die EZB und der Anleihenmarkt, die wiederum von der Wirtschaft getrieben wird und letztlich auf die Politik zurückfällt (und glaube mir, manchen Leuten willst du kein Geld leihen, wenn du daran nichts verdienst).
      Die Worklifeballance kommt aus dem Wohlstand (den Leuten geht es zu gut) und damit widersprichst du dir komplett selber.
      Für euch wäre es mal gut, den gegenteiligen Weg zu sehen, z.b. USA. Der Staat kassiert nur so viel ein, dass es für Kriege reicht und gießt kaum was aus. Dann zahlst halt für Kindergarten, Schule, Krankenversicherung per Überweisung, was dir hier in D schon vom Lohn abgezogen wurde.

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  4. So leicht ist das nicht. Wir wissen ja gar nicht, ob die Leute überhaupt noch das Häuschen im Grünen wollen. Wenn ich sehe, dass bei 2,20 pro Liter Benzin die Straßen voll sind wie nie, fällt es mir schwer, an das Märchen der vielen armen Leute zu glauben. Viele sind einfach nur zu faul, den Bürokratie- und Auflagenwahn beim Bau verstehen zu wollen, gehen in Miete und lassen es sich gut gehen.
    Natürlich gibt’s die Armen, die in der Jugend schon lieber Alkohol als Taschenrechner nutzten oder die irgendwo durchs Raster fallen, aber die hätten ohnehin kein Interesse an Eigenheim.

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  5. Eigentlich ist diese Studie, und die mit ihr einhergehenden „Ergebnisse“, eine Frechheit. Zufälligerweise ist der Auftraggeber eine „Stiftung“ der Bausparkasse „Schwäbisch Hall“. Deren Hauptinteresse naturgemäß in der Finanzierung privater Bauvorhaben liegt. Und die daran auch verdient. Daran ist nichts unredlich, um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen. Bedauerlicherweise sind die fetten Jahre vorbei. Und werden wahrscheinlich in der bisher lieb gewonnenen Form nicht wiederkommen. Nicht zuletzt im Gesundheitswesen zeigt sich dies überdeutlich. Dort wird zusammengestrichen und gekürzt auf Teufel komm raus. Weil man mit der Vollkaskomentalität, und dem damit einhergehenden Wohlstandsversprechen einfach eine Grenze erreicht hat, die staatlicherseits nicht mehr finanzierbar ist. Dort herrscht zusehends existenzieller Handlungsbedarf. Aber sicher nicht im Ertragserhalt von Banken und Sparkassen bei der „Unterstützung“ der ach so armen „Häuslebauer“. Die Einnahmeverluste des Baugewerbes etc. sind natürlich ein Punkt. Wieviele Aufträge allerdings durch sog. Schwarzarbeit am Bau erst garnicht zustandekommen auch!

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  6. Wozu denn „Eigenheim“? Im Endeffekt wohnt die Ex mit den Kindern drin und Mann zahlt.

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