Pfaffing hat ein Katzen-Problem

Pfaffing hat ein Katzen-Problem

Zu einer verantwortungsbewussten Katzenhaltung gehört nicht nur die Versorgung mit Futter und Wasser. Unerlässlich sind auch bestimmte medizinische Maßnahmen wie Impfungen, Parasiten-Behandlungen und die Kastration vor der Geschlechtsreife - zumindest der Katzen und Kater, die Auslauf ins Freie haben. Im Namen des Tierschutzes. Leider sorgen nicht alle Besitzer dafür. Die Gemeinde Pfaffing hat seit geraumer Zeit hier ein Problem. Vor allem offenbar durch einen nicht näher beschriebenen Einzelfall mit den Tieren in erbärmlichen Zuständen. Wie Bürgermeister Josef Niedermeier in der Gemeinderatssitzung am gestrigen Abend bekanntgab, zähle Pfaffing jedenfalls zu den fünf „Hotspots" von insgesamt 46 Gemeinden im ganzen Landkreis. Dazu wird man bei einer hohen Anzahl wildlebender Katzen - trotz Kastrationsaktionen des Tierschutzvereins. In Pfaffing sei nun eigens eine Info-Veranstaltung zum Thema mit dem Veterinäramt für alle Bürger geplant, so Niedermeier.

Der Schutz von Tieren hat Verfassungsrang. Es ist eine staatliche Pflicht, für ihr Wohlbefinden und ihre Unversehrtheit zu sorgen. Herrenlose, verwilderte Katzen leiden häufig an Krankheiten, Verletzungen oder Unterernährung. Diese Tiere dürfen nicht einfach sich selbst überlassen werden.

Das regelt das Gesetz in Bayern – Katzenschutz-Verordnungen, um das Tierwohl bei herrenlosen, freilebenden und auch verwahrlosten Katzen aus Haushalten zu verbessern. Der Freistaat fördert das Vorhaben zur Eindämmung der Vermehrung dieser Katzen durch Kastration – denn Kastration von Katzen sei Tierschutz. Deshalb ging es nun für Pfaffing gestern um die praktische Umsetzung einer Katzenschutz-Verordnung im Kreisgebiet:

Beim Auffinden einer unkastrierten Halterkatze als freilaufende Katze werde das Tier durch einen Beauftragten sichergestellt, dann der Halter ermittelt und die  Kastration des Tieres auf Kosten des Tierhalters angeordnet.

Nun zu einer freilebenden Katze im Unterschied zu einer freilaufenden Katze: Es kann kein Halter festgestellt werden – die Gemeinde trägt die Kosten der Kastration. Das Landratsamt wiederum übernimmt zusammen mit dem Tierschutzverein die Feldarbeit inklusive der formellen Kostenabwicklung, um die Summe dann an die Gemeinde weiterzuleiten. Laut Veterinäramt würde sich hier ein Finanzierungsbedarf von rund 7.250 Euro ergeben für die Gemeinde – bei etwa 50 Katzen-Kastrationen pro Jahr. Das Landratsamt sei bestrebt, dass die Kosten für die Gemeinde nicht über diesen Betrag hinausgehen, so Bürgermeister Josef Niedermeier in der gestrigen Sitzung. Die Kosten entstehen jedoch zusätzlich zu den Kosten für Fundtiere aus der Vereinbarung der Gemeinde mit dem Tierheim Ostermünchen.

Wie sehr sich die Situation in Pfaffing im Laufe der vergangenen acht Jahre und ganz besonders heuer zugespitzt hat, sieht man an der Kosten-Aufstellung an das Tierheim Ostermünchen allein zu den Fundtieren, wie es die Gemeindeverwaltung gestern bekanntgab:

Überrascht zeigte man sich im Gremium mit Blick auf diese Zahlen. Er sehe gar nicht so viele Katzen rumlaufen, sagte Sepp Reich von der ÜWG. Und Max Wegmaier von der UBG ergänzte: Wenn er welche sehe, dann seien die eher dick und wohlgenährt. Während Andrea Posch von der ÜWG meinte, bei einer Landwirtschaft zum Beispiel seien doch meist nie alle Katzen gechippt, um den Halter dann identifizieren zu können – so gab Bauernverband Kreisobmann Sepp Andres (er bekam Redeerlaubnis aus dem Zuhörerraum) zu bedenken, dass er da schon Schwierigkeiten befürchte, wenn die Zuständigen auf den Hof kommen, um den Einhalt der Katzenschutz-Verordnung zu prüfen. Man müsse sich da bewusst sein, wenn man die Katze regelmäßig füttere, sei man der Halter. Bürgermeister Josef Niedermeier hielt den Ball flach: Seiner Ansicht nach gebe es bei 99 Prozent bei den Katzen-Haltern kein Problem. Es gehe vielmehr um die wild-freilebenden Katzen.

Der Gemeinderat Pfaffing gab der Verordnung des Landratsamtes Rosenheim zum Schutz freilebender Katzen dann einstimmig sein Votum.

Foto: Ministerium



Kommentare

  1. Leider kenne ich einige „Katzenhalter/innen“, welchen es vollkommen egal ist, wieviel Leid sie verursachen durch mangelnde Maßnahmen wie Kastration und Behandlung z.B. von Katzenschnupfen.
    Es gibt bestimmt verantwortungsvolle Landwirte, die da umsichtig sind, aber bei vielen sind Tiere, welche kein Geld einbringen, nichts wert.
    Man möchte zwar einen Mäusejäger und es ist ja so schön, wenn sich viele Katzen nebst Nachwuchs auf dem Hof (oder am Haus) tummeln, aber Verantwortung will man hierfür nicht übernehmen.
    Wie elendiglich Katzen, die schon von kranken Müttern geboren werden, oft zugrunde gehen und welche Schmerzen und welches Leid sie ertragen müssen, das sieht man in der eigenen Betriebsblindheit nicht bzw. will man/frau nicht sehen.
    Im Zweifelsfall werden sie dann noch verramscht oder die naheliegende Straße nebst handy-abgelenkten Lenkern erledigen dann den „Rest“.
    Traurig traurig.
    Hier muss noch viel passieren in unserer Gesellschaft.

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  2. Ja, eine Katze sollte auch gepflegt werden. Aber warum müssen alle Kätzinnen, die frei laufen sterilisiert werden? Vielleicht wurde auf die Herkunft geachtet und der Halter möchte Junge?
    Wie sollen weiterhin gesunde Katzen auf die Welt kommen, wenn alle sterilisiert/kastriert sind?
    Ich würde keine Katze vom Züchter wollen, sondern lieber eine gewünschte Katze von einem freilaufendem Tier.

    Ich bin sehr gegen die Zwangskastration/-sterilisation.

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    • Das sehe ich auch so.
      Wir haben zwei freilaufende, kastrierte Kätzinnen, die jedes Jahr geimpft und 4-mal im Jahr entfloht und entwurmt werden.
      In die eine Katze haben wir vor Jahren nach einer Augenverletzung mehrere Tausend Euro Tierarztkosten reingesteckt, weil unsere Katzen eben Familienmitglieder sind.

      Ich würde mir aber ungern vorschreiben lassen, eine zukünftige Katze nicht ein- oder zweimal Junge bekommen zu lassen, um sie an nette verantwortungsbewusste Familien weiter zu geben. Denn auf diesem Weg sind wir auch zu unseren Familienmitgliedern gekommen.

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      • Die Tierheime, Tierschutzvereine und privaten Pflegestellen sind voll mit Katzen und Kitten (Name für Katzenbabys – Anm. d. Red.). Sie wissen nicht mehr, wo sie sie unterbringen sollen.
        Oft müssen sogar Aufnahmestopps verhängt werden.
        Es gibt also keinen Grund, das Problem noch zu verschlimmern, indem man mit der eigenen Katze für Nachwuchs sorgt.

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    • Schauen’s doch bitte mal während der „Kätzchen Zeit“ im Frühsommer und im Herbst in die Tierheime rein!
      Der reinste Horror ist dort zu finden! Oft sind es bis zu 100 Kitten pro Tierheim, die dort aufgezogen und gepflegt werden müssen!
      Es wird auch trotz Kastrationspflicht immer Kitten gegeben, eben weil der Mensch leider so egoistisch ist und meint, das Recht zu haben, mit seinen Haustieren machen zu können, was er will!
      Bei uns werden fast jedes Jahr Katzen zur Urlaubszeit ausgesetzt, die ohne Zweifel aus privaten Haushalten kommen – die Tiere sind zahm, aber völlig verstört, hungrig und ganz oft unkastriert .

      Wir liegen an der B15 und nicht wenige Menschen meinen, auf einem Bauernhof fällt eine Katze mehr oder weniger nicht auf!
      Die ausgesetzten Katzen oder unkastrierten Katzen suchen sich auch gerne Höfe als neue Bleibe aus, denn dort gibt’s gute Schlafmöglichkeiten, Nahrung ( Mäuse und Futter von den eigenen Hofkatzen) und das ganze auch im kalten Winter.

      Ich weiß nicht, wie viele unkastrierte Katzen und Kater wir in den letzten 20 Jahren eingefangen haben, kastrieren lassen (auf unsere Kosten) und zum Glück an Freunde und Bekannte weiter vermitteln konnten.
      Und das nur, weil jeder mal selber kleine Kätzchen haben möchte 🤦🏼‍♀️!

      Kastrationspflicht ist für viele Katzen überlebenswichtig und für die Kommunen auch am billigsten!

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  3. Sehr gut, dass in Pfaffing bald eine Katzenschutzverordnung gilt!
    Das Elend der Straßenkatzen ist eines der größten Tierschutzprobleme in Deutschland.
    Die Tierschutzvereine versuchen seit Jahrzehnten, möglichst viele Katzen zu kastrieren, aber das ganze ist nicht nachhaltig, solange immer wieder unkastrierte Halterkatzen nachkommen.
    Denn alle Straßenkatzen (= sogenannte freilebende Katzen) stammen von Katzen ab, deren Halter sie nicht kastrieren ließen.

    Das Elend dieser Katzen ist groß.
    Viele werden nicht älter als ein paar Monate, sie leiden an Krankheiten, Verletzungen, Hunger, Parasiten, etc.
    Eine Katzenschutzverordnung verlangt nichts anderes, als ein verantwortungsvoller Halter ohnehin tut – seine Katze kastrieren und kennzeichnen zu lassen und sie zu registrieren.

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  4. Hallo , ich war in den letzten Jahren bei einer Firma angestellt, die Menschen mit Behinderung zb in die Werkstatt zum Arbeiten gefahren hat oder allgemein Patienten zum Arzt oder zu einer Behandlung brachte.
    Und da war ich auf so einigen Höfen im Chiemgau unterwegs, ganz ehrlich – da sah es bei so ziemlich jedem Hof so aus, dass da eine oder mehrere Katzen krank waren, wenn ich das dann bei den Angehörigen ansprach, war ihnen das mehr oder weniger egal oder sie taten unwissend.

    Klar gibt es zum Glück auch Ausnahmen, wo sich die Hof-Besitzer um ihre Katzen kümmern, aber im allgemeinen sah es nicht so gut aus.

    Ich glaub, es liegt leider an der Mentalität, dass die Katzen am Hof einfach so leben, ohne dass sich drum gekümmert wird.

    Und so ganz nebenbei, jedesmal wenn eine Katze rollig wird und nicht gedeckt wird, ist es eine seelische Qual für die Katze und das kann alle drei Wochen so sein. Daher seh ich das auch so, dass da ein Verordnung her muss.

    Ein Anfang wäre es ja schon mal, dass alle ihre Katze chippen und registrieren lassen.

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    • Wir haben unsere Katze von solch einem Bauernhof.
      Über 20 total verwahrloste Tiere. Wir haben unsere als Baby hinter einem Traktor gefunden, sie war total abgemagert, verwurmt und krank und hätte den nahen Winter nicht überlebt.

      Sie wurde uns als 3 Monate alt, aber klein verkauft. Der Tierarzt meinte dann, die war gerade mal 8 Wochen alt.

      Wir konnten sie nicht mal direkt entwurmen, weil sie so schwach war und was da aus der Katze rauskam, vorne und hinten, war nur noch ekelhaft.

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    • @Das sag ich dazu:
      Katzen chippen und registrieren zu lassen, wäre wirklich ein guter Anfang.
      Wenn man eine Katze zuordnen könnte, würde sich vielleicht manch einer überlegen, ob er seine Katze immer wieder Junge bekommen lassen bzw. so verwahrlosen lassen würde, wie ich das schon viel zu oft gesehen habe.

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  5. Ich lebe seit über 50 Jahren in der „Pampa“ des Altlandkreises.
    Von klein auf umgeben von Katzen.
    Erst nur Besucher/Überläufer von benachbarten Höfen, seit vielen Jahren aber auch mit eigenen Tieren.
    Unsere Kater werden nach der ersten „Stanz“ (Ausbüchserei zur Fortpflanzung) kastriert.
    Die Kätzinnen nach dem ersten Wurf (welcher noch nie mehr als 3 Kätzchen durch brachte).
    Alle bei uns geborenen Katzen fanden bisher ein gutes Zuhause.
    Dadurch haben wir immer einen Bestand von max. 4 Tieren, was für unsere Umgebung genau passend ist.
    Mir ist auch klar, dass dieses Konzept innerorts nicht aufgeht. Aber man sollte sich schon Gedanken über Gesundheit und Entwicklung machen, bevor man alles beschränkt und kastriert …
    Ein bisschen Verstand und nachdenken schadet selten.

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  6. Man muss sich eher für Frage stellen, warum das in Pfaffing so schlimm ist.
    Kann es an ein oder zwei Leuten (um nicht zu sagen Bauern) liegen, die alle ihre Katzen freien Lauf lassen?
    In meiner Umgebung gibt es viele Katzen, die aber alle ein Zuhause haben.
    Auch Katzen von Bauern, die dort aber gewiss kontrolliert gehalten werden und nichts aus dem Ruder läuft

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  7. Kätzinnen erst nach dem ersten „Wurf“ kastrieren zu lassen, ist längst überholt und weder aus biologischer noch aus medizinischer Sicht notwendig.
    Im Gegenteil.

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