Stadtrat beschäftigte sich mit Antrag der SPD zur Kostensenkung
Die psychische Belastung nach dem Verlust eines Angehörigen wird für viele Menschen zunehmend auch zu einer finanziellen Zerreißprobe. In Wasserburg sind die Friedhofsgebühren zwischen den Jahren 2015 und 2025 um 43 Prozent gestiegen – weitere Bestattungsdienstleistungen noch nicht eingerechnet. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, konkrete Entlastungsmaßnahmen für die anstehende Neukalkulation der Gebühren zu prüfen. Die SPD-Fraktion hatte in einem Antrag die Reduzierung und Stabilisierung der Friedhofsgebühren beantragt.
Hintergrund der hohen Kosten ist ein Wandel in der Bestattungskultur. Der Trend bewegt sich seit Jahren weg vom klassischen Familienerdgrab hin zu naturnahen Bestattungsformen und Urnengräbern. Die Folgen für die kommunalen Friedhöfe sind unübersehbar, Nutzungszeiten verkürzen sich, Gräber werden mangels Nachkommen oder aufgrund wohnlicher Distanzen aufgelöst, und es entstehen immer mehr Leerstände zwischen den Grabreihen.
Da die Fixkosten für den Erhalt und die Pflege der Friedhofsanlagen jedoch gleich bleiben, müssen die laufenden Kosten auf immer weniger verbleibende Nutzer umgelegt werden, was die Gebühren nach oben treibt. Geschäftsstellenleiter Konrad Doser sagte, im Vergleich zu anderen kommunal betriebenen Friedhöfen der Region liegen die Gebühren aber im üblichen Rahmen.
Werner Gartner (SPD) erklärte, dass Friedhöfe besondere Orte der stillen Erinnerung seien. „Wir müssen die Friedhofskultur erhalten“. Es müsse alles dafür getan werden, dass die Kosten ab 2028 nicht noch weiter explodieren.
Ein konkreter Vorschlag der Fraktion, die Herausnahme eines bislang ungenutzten Grabfeldes am Friedhof am Herder aus der offiziellen Friedhofsnutzung, erwies sich nach Prüfung durch die Verwaltung allerdings als wenig effektiv. „Da die Gesamtfläche 14.300 Quadratmeter umfasst, hätte die Änderung kaum spürbare Auswirkungen auf die Pacht- und Gebührenhöhe. Zudem sind in diesem Bereich bereits Fundamente verbaut und ein Teil der Fläche ist für islamische Bestattungen nach Mekka ausgerichtet“, so Konrad Doser.
Obwohl die reguläre Neukalkulation der Friedhofsgebühren erst für das Jahr 2028 ansteht, sprachen sich die Stadträte dafür aus, das Thema frühzeitig anzugehen. Einstimmig wurde beschlossen, dass die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis genommen werden. Im Rahmen der nächsten Kalkulation ist die Kostenentwicklung weiterhin kritisch zu betrachten und die Vorschläge des SPD-Antrags, beispielsweise Flächenkomprimierung und Pachtreduzierung, Überprüfung der Gebührenstruktur, Erhöhung des städtischen Haushaltszuschusses sowie Berichtspflicht und Transparenz im Stadtrat, sind in die Erwägungen einzubeziehen.
TANJA GEIDOBLER
Schaufenster


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