Er prägt Edling seit 100 Jahren: Der Wasserturm

Er prägt Edling seit 100 Jahren: Der Wasserturm

Weithin sichtbar mit seiner Höhe von 21 Metern ist er - und knapp 50 Jahre lang versorgte er die angeschlossenen Häuser mit Trinkwasser: Den Edlinger Wasserturm gibt es nun seit genau 100 Jahren. 1926 wurde er in Betrieb genommen, 1974 war Schluss. Ein Blick in die Geschichte eines Gemeinde-Kulturdenkmals ...

Vor hundert Jahren war vieles anders. Die Wasserversorgung für Mensch und Tier erfolgte vor allem durch eigene Hausbrunnen, aus denen das Wasser teils mit Eimern geschöpft wurde. Die örtlichen Grundwasser-Verhältnisse, die Versorgungssicherheit und die Wasserqualität – sie veränderten sich schnell und genügten auch schnell nicht mehr den hygienischen Ansprüchen.

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Eine zentrale Wasserversorgung sollte die Beschaffung einfacher und Wasser zuverlässiger verfügbar machen. Die Versorgung der wachsenden Zahl von Häusern in Edling sollte gemeinschaftlich organisiert werden.

Laut Überlieferung gründeten acht Landwirte eine „Genossenschaft zur Herstellung und Unterhaltung einer Trink- und Nutzwasseranlage in der Ortsgemeinde Edling“ – also eine  Wassergenossenschaft, später umbenannt in „Wasserbeschaffungsverband“.

Dazu gab es am 1. März 1925 ein erste Versammlung. Edlings Hauptlehrer Greiller und Bartholomäus Spötzl stellten das „Wasserwerk“ bestehend aus Brunnen, Turm mit Hochbehälter, Leitungsnetz und Pumpen vor.

Eine starke Quelle, die ungefähr am Ende der heutigen Edlinger Samerstraße in Richtung  Bahnstraße entspringt, konnte von der Wassergenossenschaft den Sägewerks-Besitzern Martin und Maria Keiler für 3.000 Reichsmark abgekauft werden. Der Kauf schloss auch die zur Brunnenanlage gehörenden Leitungen ein, in denen das Wasser bis zum Keiler’schen Anwesen floss und dort genutzt wurde.

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Nun wurden die Arbeiten vergeben. Diese umfassten nach dem Kostenvoranschlag des Landesamtes für Wasserversorgung vom 27. Oktober 1925 folgende Bereiche: Quellfassung, Rohrgraben, Rohrleitung und Eisenteile, Saugbehälter, Wasserturm und Anschlussleitungen für insgesamt 30.400 Reichsmark. Die Angebotspreise mussten in Goldmark erstellt werden.

Über ein Gefälle von etwa 4,5 Meter floss das Wasser im freien Lauf in den 20  Kubikmeter fassenden Saugbehälter – errichtet auf dem Gelände des Sägewerkes Keiler. Direkt daneben erstellte man die Pumpwerksanlage mit einer Zentrifugalpumpe, die das Wasser aus dem Saugbehälter etwa 20 Meter höher in den 30 Kubikmeter fassenden Tank im Wasserturm pumpte. Der Turm selber bekam eine Höhe von 21 Metern. Durch die Höhe wurde der nötige Wasserdruck im Leitungsnetz erzeugt, und das Wasser konnte mit konstantem Druck in jedes der angeschlossenen Anwesen fließen.

Am 12. April 1926 war Baubeginn der Trinkwasserleitung und am 5. Juni die Hebfeier vom Wasserturm. Errichtet wurde er von der Bau- und Betongesellschaft GmbH aus München – zu einem Preis von genau 10.578,04 Goldmark.

Der Turm versorgte damals 40 Anwesen in Edling. Im Juni 1926 wurde die Wasserleitung im Schulhaus (jetzige Gemeinde) eingerichtet und einen Monat später strömte zum ersten Mal laufendes Wasser in die Leitung.

Aus der Schulchronik von 1925 ist zu entnehmen, dass von der ersten Versammlung bis zum Baubeginn „viele Kämpfe auszufechten waren“. Und tatsächlich regte sich durchaus Widerstand gegen die geplante Ortsgemeinde-Wasserleitung, weil es auch mindestens eine private Leitung gab, an die sich mehrere Haushalte angeschlossen hatten oder anschließen wollten. Wahrscheinlich, weil der Wasserpreis günstiger war …

Doch wurde vom Bezirksamt Wasserburg und vom Bayerischen Landesamt für Wasserversorgung der Anschluss untersagt, mit der Androhung, dass deren Leitungen gesperrt würden. Dies bedeutete: Anschlusszwang an die öffentliche Versorgung!

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Was geschah mit den alten Brunnen?

Mit der Einführung der öffentlichen Wasserleitung verloren die bisherigen privaten beziehungsweise örtlichen Brunnen zunehmend ihre Bedeutung. Allerdings verschwand nicht jeder alte Brunnen sofort. Gerade auf landwirtschaftlichen Anwesen konnten Brunnen weiterhin von Bedeutung sein, beispielsweise für die Viehhaltung oder für Brauchwasser.

Aufgrund der zunehmenden Bautätigkeit in den 1960er und 70er Jahren konnte der Wasserbeschaffungsverband seine Aufgaben nicht mehr ordnungsgemäß erfüllen – es gab zu wenig Speichermöglichkeit und zu geringen Druck. Zum 31. Dezember 1974 wurde der Verband aufgelöst. Letzter Vorstand war Hans Gottwald.

Ab diesem Zeitpunkt betreibt die Gemeinde Edling die Wasserversorgung im Gemeindegebiet selbst.

In der Schellwieser Straße konnte mit einem neuen Brunnen eine leistungsfähige Trinkwasser-Förderungsanlage geschaffen werden,  die das Wasser in den höher gelegenen Grasweg-Hochbehälter pumpt, von wo es in jedes Anwesen läuft. Erbaut und in Betrieb genommen wurde der Brunnen 1977. Seitdem ist der ursprüngliche Zweck des Edlinger Wasserturms Geschichte.

Der Wasserturm war nicht einfach nur ein Gebäude, in dem Wasser aufbewahrt wurde. Er war mit seinen 21 Metern Höhe der weithin sichtbare Bestandteil eines technischen Gesamtsystems, bestehend aus Brunnen, Pumpen, Wasserleitungen und Hausanschlüssen.

Der Turm wurde zu einem festen Bestandteil des Ortsbildes.

Er entwickelte sich zu einem markanten Orientierungspunkt und schließlich zu einem Stück Edlinger Identität – er steht in der Liste von Edlinger Kulturdenkmälern.

Aus einem Zweckbau der Wasserversorgung wurde ein Zeugnis der Ortsgeschichte …

Rupert Hiebl

Quellen: Gemeindearchiv und Schulchronik

Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/10/12/edlinger-wasserturm-ist-100-jahre-alt/

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