Bürgerantrag für Tempo 30 in Amerang

Bürgerantrag für Tempo 30 in Amerang

Der Gemeinderat Amerang hat in seiner gestrigen Sitzung über einen Bürgerantrag zur Einführung einer streckenbezogenen Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde im Ortskern beraten. Der von drei Vertretungsberechtigten gestellte Antrag wurde Ende September mit über 160 Unterschriften bei der Gemeinde eingereicht. Ziel der Initiative ist es, die Verkehrssicherheit und Lebensqualität entlang der Hauptdurchgangsstraße spürbar zu erhöhen. Nach ausführlicher Diskussion beauftragte das Gremium die Verwaltung mehrheitlich, einen entsprechenden Antrag bei der zuständigen Verkehrsbehörde des Landratsamtes Rosenheim zu stellen.

Die geforderte Geschwindigkeitsreduzierung bezieht sich auf einen rund 790 Meter langen Abschnitt der Kreisstraße RO36 und der Staatsstraße 2360. Dieser Prüfabschnitt reicht vom Abzweig Eichenweg bis zur Einmündung in die Halfinger Straße (siehe Bild). Laut den Initiatoren des Bürgerantrags weist diese zentrale Achse eine hohe tägliche Verkehrsdichte von mehr als 2.200 Fahrzeugen auf. Besondere Beachtung finden in der Begründung die Seniorenresidenz sowie die Wegeverbindungen zum Kindergarten und zur Grundschule, die von besonders schutzbedürftigen Personengruppen genutzt werden. Die rechtliche Grundlage des Vorstoßes stützt sich auf Ausnahmeregelungen der Straßenverkehrsordnung, die Tempolimits an hochfrequentierten Schulwegen und Pflegeeinrichtungen erleichtern.

Die formelle und materielle Zulässigkeit des Bürgerantrags wurde von der Gemeindeverwaltung im Vorfeld bestätigt und vom Gemeinderat ohne Gegenstimme anerkannt. 

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Im Rahmen der Debatte kamen unterschiedliche Sichtweisen der Ratsmitglieder zur Sprache. Bürgermeister Konrad Linner betonte die Relevanz des Themas. „Das ist ja nichts ganz Neues, aber es ist in dieser Form neu auf unserem Schreibtisch gelandet“, erklärte Linner. Er wies darauf hin, dass die beteiligten Behörden die Rechtslage zum fließenden Verkehr bisher sehr restriktiv ausgelegt hätten. „Deswegen wäre unser Auftrag, mit den entscheidenden Behörden wie dem Landratsamt und dem Straßenbauamt in Kontakt zu treten“, so der Rathauschef.

Die Zweite Bürgermeisterin Lena Jarczyk befürwortete den Vorstoß ausdrücklich aufgrund der örtlichen Gegebenheiten. „Bei der großen Unübersichtlichkeit kann ich mir kaum vorstellen, dass man dort bei Tempo 50 bleibt“, argumentierte Jarczyk. „Deswegen finde ich den Vorstoß gut, dass man die Geschwindigkeit beschränkt, das erleichtert letztlich für alle die Straßenquerung.“

Gemeinderat Matthias Schmid lieferte einen objektiven Blickwinkel und verwies auf Untersuchungen von Unfallforschern an 42 neu eingerichteten Tempo-30-Strecken. Die Experten fanden heraus, dass die gefahrene Geschwindigkeit der Autofahrer nach der Einführung durchschnittlich nur marginal von 38 auf 36 Stundenkilometer sank. „Kurioserweise ist die Unfallhäufigkeit nach der Einführung der Tempo-30-Zonen jedoch um fast 60 Prozent gegenüber dem vorherigen Niveau zurückgegangen“, merkte Schmid an. Wenn eine Maßnahme objektiv zu einer so deutlichen Verbesserung führe und man als Fahrer objektiv kaum langsamer unterwegs sei, halte er die Beschränkung für in Ordnung.

Gemeinderat Christian Stadler sprach sich dafür aus, die rechtliche Überprüfung abzuwarten. „Ich würde wirklich den Versuch starten, weil mich interessieren würde, was dabei tatsächlich herauskommt“, sagte Stadler. Er bezweifle aber, dass es am Ende eine Tempo-30-Zone wird, die so weit durchs Dorf gehe.

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Skepsis äußerte hingegen Gemeinderat Thomas Kriechbaumer: „Wir hatten erst vor vier Wochen mit der Polizei und dem Landratsamt eine Verkehrsschau, bei der das Thema ebenfalls behandelt wurde“, erinnerte er. Die zuständigen Stellen sahen demnach keinen Bedarf. „Wenn wir wirklich Tempo 30 einführen, bräuchten wir wohl 20 Schilder in der Ortschaft“, befürchtete Kriechbaumer. Auch Gemeinderat Martin Brunnlechner brachte Bedenken vor. „Ich möchte nicht grundsätzlich dagegen sein, aber ich finde die Strecke einfach zu lang“, lautete sein Fazit.

Gemeinderat Simon Strell merkte an, dass eine Geschwindigkeitsbeschränkung nur mit Radarkontrollen wirkungsvoll sei. „Für mich ist es wichtig, dass die Überwachung stattfindet und die Regeln eingehalten werden“, resümierte Strell.

Bei der finalen Abstimmung über das weitere Vorgehen und die formelle Antragstellung beim Landratsamt gab es schließlich vier Gegenstimmen aus dem Gremium.

Wasserburger Stimme - Die Online-Zeitung nur für die Stadt und den Altlandkreis Wasserburg — https://www.wasserburger-stimme.de/2026/10/08/buergerantrag-fuer-tempo-30-in-amerang/

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Kommentare

  1. Das wäre sehr begrüßenswert, allerdings würde ich weiter gehen und bis Ortsausgang Richtung Wasserburg die Geschwindigkeit drosseln. Was ich in Amerang an der Hauptstraße schon an toten Igeln und Katzen gesehen habe, das ist für mich schier unerträglich.
    Und ich sehe das genauso wie Herr Strell, dass die Geschwindigkeit regelmäßig kontrolliert werden muß, damit überhaupt eine Chance besteht dass die Maßnahme greift.

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  2. Wenn man sich die Versuche/Anträge anderer Gemeinden in der Region in der jüngeren Vergangenheit anschaut, muss man die Chancen für die Ameranger Ortsdurchfahrt ehrlicherweise als gering bezeichnen.

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