Warum das „Seepferdchen“ im Schwimmbad nicht mehr reicht

In einigen Schwimmbädern in Deutschland müssen Kinder und Jugendliche, die ohne Begleitung ihrer Eltern oder anderer Aufsichtspersonen schwimmen möchten, das Freischwimmer-Abzeichen vorzeigen. Wir haben nachgefragt, bei einer Sportlehrerin und der Schwimmschule Martin Weigel, ob die Situation auch im Altlandkreis so gesehen wird.

„Die Kinder schwimmen spürbar unsicherer“, berichtet eine Sportlehrerin aus Soyen. Zwar sei die Zahl der Kinder, die in der vierten Klasse überhaupt nicht schwimmen können, gering, das eigentliche Problem liege jedoch in der Qualität: „Viele können sich zwar irgendwie über Wasser halten, aber ausdauernd zu schwimmen oder eine saubere Technik zu zeigen, gelingt kaum noch.“

Das Seepferdchen sorge bei Eltern oft für eine trügerische, falsche Sicherheit. Ein fataler Irrtum, findet auch Nicole Weigel-Baretzky von der Schwimmschule Martin Weigel. Sie berichtet von einer „extrem heftigen“ Entwicklung in der Praxis: „Die Kinder sind teilweise schon zwischen acht und zehn Jahre alt, wenn sie schwimmen lernen.“ Auch ihr fällt der schlechte Schwimmstil auf. „Eltern sagen oft, dass das Kind doch das Seepferdchen hat, aber das reicht einfach nicht. Das Abzeichen sollte nur dann vergeben werden, wenn ein Kind wirklich sicher eine ganze Bahn bewältigen kann.“

Beide sind sich einig: Viele Eltern wälzen die Verantwortung auf die Schule ab. Ein Anspruch, den die Schulen nicht erfüllen können, wegen zu wenig Badezeiten und Lehrermangel. Für Schulen sei es extrem schwer, feste Zeiten in den Schwimmbädern zu ergattern. Einige Klassen schaffen es pro Schuljahr nur noch drei Mal ins Wasser. Dazu komme, dass immer weniger Lehrkräfte sich den Schwimmunterricht zutrauen oder die enorme rechtliche Verantwortung dafür übernehmen wollen.

Dass Bäder nun vermehrt das Freischwimmer-Abzeichen (Bronze) als Einlassbedingung für unbegleitete Kinder fordern, sorgt bei der Schwimmschule und Lehrerin für volles Verständnis. Neben dem akuten Personalmangel der Betreiber spielen auch die Eltern selbst eine Rolle.

„Einige Eltern nehmen ihre Aufsichtspflicht im Schwimmbad nicht mehr so genau“, kritisiert Nicole Weigel-Baretzky. Der Blick bleibe im Freibad oft am Smartphone statt am eigenen Kind. „Das Seepferdchen ist kein Freifahrtschein, um die Kinder unbeaufsichtigt im Wasser spielen zu lassen. Die strikteren Regeln der Badbetreiber könnten nun genau den nötigen Anreiz schaffen, damit Familien das sichere Schwimmen wieder privat trainieren.“

Unser Bild oben zeigt Nicole Weigel-Baretzky mit ihrem Schwimmschüler Leo.

TANJA GEIDOBLER

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