Lacrima gibt Tipps, was trauernden Kindern in den Ferien hilft
Sommerferien: Für viele Schulkinder ist das ein verheißungsvolles Wort. Schon Wochen vorher freuen sie sich auf den Urlaub mit der Familie, die Zeit mit den Freunden, das In-den-Tag-Hineinleben. Für Kinder aber, bei denen ein nahestehender Mensch kürzlich verstorben ist, sind die großen Ferien oft eine herausfordernde Zeit.
„Die Schule gibt trauernden Kindern ja auch Struktur“, sagt Bettina Wimmer vom Johanniter-Trauerzentrum Lacrima
Oberbayern-Südost. „Wenn sechs Wochen lang die gewohnten Routinen fehlen, dann kann dies in der Trauer als belastend wahrgenommen werden.“ Erschwerend kommt hinzu, dass die Hinterbliebenen häufig vor der Frage stehen, wie sie die Ferien ohne den verstorbenen Menschen gestalten wollen – und dass Familien, die ein Elternteil verloren haben, oft auch mit finanziellen Nöten konfrontiert sind.
Freunde und Bekannte wissen oft nicht, wie sie da reagieren und mit der Trauer des Kindes und der Familie umgehen sollen. „Das ist auch gar nicht so einfach“, sagt Wimmer. Schließlich sei Trauer immer sehr individuell. Wichtig ist in jedem Fall, keine Scheu zu haben, auf Trauernde zuzugehen und offen zu sprechen – und nicht etwa aus Unsicherheit abzuwarten.
Keine Angst haben, sondern konkrete Angebote machen
„Man kann als außenstehende Person die Trauer und den Schmerz nicht heilen“, so Wimmer. „Man kann aber Verbindung anbieten und gemeinsam die Stille aushalten, die vielleicht entsteht, wenn die Rede auf die verstorbene Mama kommt.“ Und man kann in ganz konkrete Hilfestellung kommen: vorbeischauen, regelmäßig schreiben, einen Kuchen oder Essen vorbeibringen, das Kind spontan zum Eisessen oder auf einen Tagesausflug mitnehmen, wenn es möchte, bei Bedarf auf eine Ferienfreizeit aufmerksam machen oder, je nach Verhältnis zur Familie, sogar ein paar Ferientage mit dem Kind verbringen…
Wichtig sei, so die Lacrima-Leiterin, ganz konkrete Angebote zu machen und dem Kind und der Familie die Wahl zu lassen, ob sie darauf eingehen wollen oder nicht. Offene Fragen wie „Meldet euch, wenn ihr was braucht“ seien in dieser Situation oft wenig hilfreich – zumal trauernde Familien sowieso entscheiden müssten, ob sie den Urlaub ähnlich wie vor dem Todesfall verbringen wollen, um so die Erinnerung an die verstorbene Person zu leben, oder lieber etwas komplett anderes machen. „Da muss jeder seinen eigenen Weg finden, der sich in diesem Moment am ehesten stimmig anfühlt und den man sich auch zutraut“, sagt Wimmer, „und da sollte man sich auch freimachen von Erwartungen von Freunden und Familie.“
Trauerwege: Zwischen Lieblingspizza und Luftmatratze
So fahren manche Familien nach Paris, weil die verstorbene Mama immer dort hinwollte, oder bestellen beim Urlaub in Italien die Lieblingspizza des verstorbenen Vaters mit und sind ihm so für einen kurzen Augenblick ganz nah, bevor das Kind wieder zum Spielplatz läuft. Andere entscheiden im Familienrat, die Ferien völlig anders zu verbringen als sonst. Hilfreich ist in jedem Fall, gut in sich hineinzuhören. Bei Lacrima, dem Johanniter-Trauerzentrum, werden trauernde Kinder auf diesem Weg begleitet und unterstützt – unter anderem mit dem Bild der Trauerinsel: Hier ist jeder eingeladen, sich zu überlegen, was er dorthin mitnehmen möchte. Es geht um Dinge und Ressourcen, die dem Kind Halt geben können, wenn die Trauer in einem Moment wieder ganz präsent ist. Das kann die Spielekonsole sein, an der das Kind immer mit Papa gespielt hat, oder der Kopfhörer, über den es in Ruhe Musik hören kann. Und gleichzeitig kann es die Luftmatratze sein, mit der es immer so viel Spaß im Wasser hat.
Bei Lacrima in Rosenheim, Wasserburg und Traunreut begleiten die Johanniter Kinder und Jugendliche und ihre Familien individuell und bedarfsgerecht auf ihrem Trauerweg, im Rahmen von Trauergruppen. Denn gerade Kinder trauern anders: im Spiel, im Gestalten oder mit kreativen Methoden.
Weitere Informationen zu Lacrima gibt es unter www.johanniter-lacrima.de oder telefonisch unter 0174/2146189.
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