Wasserburg: „Wie ein Ei im Nest“

Experten legen bei jüngster Sitzung dem Stadtrat „Kommunales Denkmalkonzept" vor

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„Wasserburg ist beim Denkmalschutz ganz weit vorne. Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann ist zu einer Anwältin unserer Sache geworden.“ Viel Lob hatten Dr. Gerhard Ongyerth vom Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege und Städteplaner Martin Späth bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates für Wasserburg übrig. Beide präsentierten das Kommunale Denkmalkonzept, das man in den letzten Jahren für die Stadt entwickelt hat. Dr. Ongyerth: „Das Denkmalamt spricht der Stadt Wasserburg ausdrücklich seine Anerkennung aus.“

Martin Späth legte dar, dass man durch gemeinsame Begehungen, Recherchen, interne Abstimmung mit dem Stadtbauamt, dem Stadtarchiv und ISEK sowie durch Bürgerinformation beim Tag des offenen Denkmals am Kommunalen Denkmalkonzept (KDZ) intensiv gearbeitet habe. „Oft herrscht ja bei Kommunen die Devise: Hau weg den Scheiß, das braucht doch niemand mehr. In Wasserburg ist das zum Glück nicht so“, sagte der Städteplaner.

Die Stadt am Inn sei schon immer ein zentraler Handelsort und damit eine Stadt der Begegnung gewesen. Dafür habe auch schon immer ein öffentlicher Raum zur Verfügung gestanden. Späth: „Natürlich verändert sich die Stadt, das werden wir auch nicht aufhalten können und wollen. Aber die Geschichte hat der Stadt eine Struktur mitgegeben, die man bei jeder baulichen Entscheidung beachten sollte.“

Es gebe leider auch in Wasserburg bereits so genannte Überformungen, ein gutes Dutzend Areale, mit erheblichen Veränderungen hinsichtlich der historischen Struktur. „Zum Beispiel die Realschule. „Das ist nicht die falsche Nutzung am falschen Ort, aber Größe, Durchlässigkeit und Dimensionierung entsprechen nicht den ursprünglichen Gegebenheiten. So ist beispielsweise der Gegenhang nicht mehr sichtbar. Damit man uns nicht falsch versteht: Wir sind nicht gegen die Schule, aber wir könnten uns da durchaus eine andere Architektursprache vorstellen.“ Das gleiche gelte für den Wertstoffhof.

Was in Wasserburg große Qualität habe, sei das Zusammenspiel der Stadt mit dem  Flusslauf und der Innleiten. „Was ganz toll ist, dass man diesen Blick auf den Gegenhang hat.“ Späth ganz allgemein zum KDZ: „Wir sprechen keine Verbote aus, aber: Passt bloß auf Eure tolle Stadt auf„, appellierte er an die Stadträte.

Auch für die Landwehrstraße hatte der Experte einen Tipp parat: Dort sollte man auf weitere Nachverdichtung verzichten, die Grüngürtelstruktur erhalten.

Aber es gab auch Kritik: Zum Beispiel für das Greinbräu-Areal, das in seiner Höhenentwicklung und Dichte der historischen Vorgabe nicht angemessen sei. Solche „Ausreißer sollte sich das Ensemble nicht erlauben. Wasserburg darf nicht beliebig werden, sondern sollte weiterhin seiner strengen Geometrie folgen. Man hat hier ein Stadtbild auf hohem Niveau, der Sanierungsbedarf ist überschaubar, auch der Leerstand.“ Dennoch gebe es Substanzmängel und Schwächen wie in der Herrengasse oder auf der Burg, wo zu viel Platz für den ruhenden Verkehr gegeben sei.

Allgemein riet der Experte: „Die Stadt liegt wie ein Ei im Nest. Da ist alles, was die Silhouette beeinträchtigt, zu vermeiden.“ Und er gab den Stadträten ein paar Leitbilder mit auf den Weg: Den Erhalt überlieferter Straßen und Plätze. Die Wahrung verbliebener historischer Freiflächen und den Erhalt überlieferter Bausubstanz.

Im Einzelnen empfahl er eine Überarbeitung des Bebauungsplans Neustraße, ein Konzept fürs Heimatmuseum. Einen Plan dafür, wie man die historischen Strukturen des Bahnhofsumfeldes erhalten könne und ein Konzept für den Friedhof und die Stadtmauer. Ebenso wichtig sei die Entwicklung des derzeitigen Feuerwehrstandortes in historischer Bebauung, ein Nutzungskonzept für den ehemaligen Salzsstadel und die historische Burganlage.

Für seine Ausführungen erhielt Späth vom Stadtrat viel Anerkennung: „Sie haben uns maximal sensibilisiert, wir werden uns alles genau anschauen.“ Und Bürgermeister Kölbl versicherte: „Der ganze Stadtrat steht hinter dem Thema Denkmalschutz, das war und ist uns wichtig.“

Foto: Archiv Alex Heck

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2 Gedanken zu „Wasserburg: „Wie ein Ei im Nest“

  1. Denkmalschutz ist ja wirklich eine tolle Sache. Aber wenn das Geld stimmt, ist die Sache auch mal in Wasserburg gerne schnell vergessen. So geschehen beim wunderschönen und kulturträchtigen Fletzinger Biergarten, oder beim ehemaligen Amtsrichterhaus (hier wurde sogar die Fassade der Altstadt verändert).
    Schade dass die oben genannten Experten davon nichts bemängelt haben.

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  2. Systemkritiker

    Wien

    Ja man sollte sich eventuell mal etwas von den Österreichern abschauen. konstante Mieten, gesicherte Kita Plätze und vernünftiges kindergeld kein Land macht es einem so bürokratisch wie deutschland
    Danke für nichts!

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